Deutschrap‑Fans erleben gerade ein Ereignis, das mehr ist als nur ein weiterer Musikfilm: Netflix veröffentlichte die Dokumentation Babo – Die Haftbefehl‑Story, ein unverblümtes, intensives Porträt von Aykut Anhan, besser bekannt als Haftbefehl – und Elyas M’Barek, der eigentlich als Schauspieler berühmt wurde, steht hinter der Produktion.
Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Musik‑Dokumentarfilm wirkt, entpuppt sich als schonungsloses Eintauchen in die Dunkelheit eines der kontroversesten Künstler Deutschlands. Statt lediglich den kometenhaften Aufstieg des Offenbachers zu zelebrieren, zeigt der Film, wie tief die Narben seiner Vergangenheit sitzen – von einer traumatischen Kindheit bis hin zu lebensbedrohlichen Phasen mit Drogen.
In atmosphärischen Szenen sieht man den Rapper nicht nur auf der Bühne, wo ihn Fans bejubeln, sondern auch in seinen schwärzesten Momenten: allein zu Hause, im Schatten seiner eigenen Gedanken, gefangen zwischen Ruhm und den Dämonen in seinem Inneren. Schon im jungen Alter von 14 Jahren verlor Anhan seinen Vater durch Suizid – ein Verlust, der wie ein roter Faden durch sein Leben zieht und in der Doku mehrfach thematisiert wird.
Elyas M’Barek, der als Produzent fungiert, spricht über die Idee zur Doku mit Bewunderung: Für ihn ist Haftbefehl „einer der bedeutendsten Rapper Deutschlands“, ein „krasser Typ, der Raum einnimmt“. Diese Wertschätzung und sein persönlicher Zugang zum Protagonisten haben die Entstehung des Films maßgeblich geprägt.

Der Dokumentarfilm zeigt auch den Kampf des Rappers mit Depressionen und der Sucht. Szenen, in denen Haftbefehl über seinen Kokainkonsum spricht oder sich in seinen inneren Abgrund zurückzieht, gehören zu den eindringlichsten Momenten der Produktion. In einem fast schon beklemmenden Interview‑Segment sagt Anhan selbst: „Ich war schon tot“, womit er auf seine schlimmsten Tiefpunkte anspielt.
Doch „Babo“ ist mehr als nur ein Film über Abgründe: Er rückt den Menschen hinter der Rap‑Persona ins Zentrum. Insider kommen zu Wort – darunter Familienmitglieder wie sein Bruder Cem Anhan, der ebenfalls als Rapper bekannt ist, sowie Weggefährten, die über die Belastungen sprechen, mit denen Haftbefehl sich auseinanderzusetzen hat.
In eindrucksvollen Passagen der Doku wird klar, wie sehr sich der Künstler zwischen seinen zwei Identitäten zerrieben fühlt: Auf der einen Seite der gefeierte Rap‑Star mit hartem Image, auf der anderen Seite ein Mensch, der mit Liebe, Verlust und psychischen Belastungen kämpft, die weit über das hinausgehen, was Fans bislang kannten.
Netflix startete die Ausstrahlung der Doku am 28. Oktober 2025, und sie ist seitdem auf der Streamingplattform ein Thema Nummer eins. Zuschauer und Kritiker loben die schonungslose Ehrlichkeit und die Tiefe, mit der „Babo“ Lebenswirklichkeit und Rap‑Business miteinander verknüpft.
Haftbefehl wird darin nicht als Mythos stilisiert, sondern als Mensch dargestellt – verletzlich, kämpferisch und zutiefst echt. Diese Perspektive macht den Film zu einem ungewöhnlichen, intensiven Blick hinter die Kulissen des deutschen Hip‑Hop und zu einer der bemerkenswertesten Musik‑Produktionen des Jahres.