Rainer Langhans, der ewige Hippie-Rebell und Kommune-Gründer aus den wilden 68er-Jahren, hat sich in seinen 85 Jahren nichts von seiner Radikalität nehmen lassen. Jetzt geht er einen Schritt weiter: In einer Art letzter großer Tour durch sein Leben steigt er buchstäblich aufs Dach – und zeigt der Welt, wie er sein Ende sieht. Die Bilder, die gerade die Runde machen, sind atemberaubend und verstörend zugleich: Der alte Mann mit dem langen weißen Bart und den verträumten Augen steht hoch oben auf dem Dach seines Hauses, blickt in die Ferne, als wolle er dem Tod schon mal die Hand reichen. Wind zerzaust seine Haare, die Sonne taucht alles in goldenes Licht – und doch liegt in seinem Gesicht eine Mischung aus Frieden, Resignation und unbändiger Lebenslust, die nur er so verkörpern kann.
Langhans war immer ein Mann der Extreme. In den 60ern gründete er die legendäre Kommune 1 in Berlin, lebte mit Uschi Obermaier in freier Liebe, provozierte mit Nacktfotos und revolutionären Sprüchen die ganze Gesellschaft. „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ – das war sein Motto, und er lebte es kompromisslos. Später folgte die Kommune 2, Drogenexperimente, politische Aktionen, immer am Rande des Erlaubten. Die Presse nannte ihn den „König der Kommune“, die einen Haschischprozess mit einem legendären Auftritt vor Gericht berühmt machte. Jahrzehnte später, als die 68er-Ideale verblassten, blieb Langhans der Letzte seiner Art: vegetarisch, spirituell, immer auf der Suche nach dem wahren Ich. Er zog in die Berge, lebte zurückgezogen, meditierte, schrieb Bücher und blieb doch immer ein Stück Provokateur.

Jetzt, im hohen Alter, spricht er offen über den Tod – nicht dramatisch, nicht ängstlich, sondern fast poetisch. „Ich steige aufs Dach, um zu sehen, was kommt“, sagt er in einem seiner letzten Interviews. Die Tour, die er sich selbst verordnet hat, führt ihn durch Orte seiner Vergangenheit: alte Kommune-Häuser, Plätze in Berlin, wo er einst demonstrierte, und schließlich zurück in die Berge, wo er lebt. Auf dem Dach seines Hauses fühlt er sich am nächsten am Himmel, am nächsten am Ende. Die Fotos zeigen ihn barfuß, in einfacher Kleidung, ohne Pose – einfach als Mensch, der weiß, dass die Zeit knapp wird. Er lacht, er weint, er schweigt lange. Fans, die ihn früher als Sex- und Drogen-Guru verehrten, sehen jetzt einen alten Mann, der mit Würde Abschied nimmt. Manche sind gerührt, andere irritiert: Ist das Mut oder Wahnsinn?

In den Gesprächen, die er führt, geht es um alles: um Liebe, die er nie ganz verstanden hat, um die Fehler, die er gemacht hat, um die Freiheit, die er immer wollte und die ihn doch oft einsam machte. Er bedauert nichts wirklich, sagt er, aber er reflektiert hart: Die freie Liebe zerstörte viele Beziehungen, die Drogen nahmen ihm Jahre, die Provokationen machten ihn zum Außenseiter. Trotzdem steht er da oben, atmet tief ein und sagt: „Das Leben war ein Trip – und jetzt kommt der letzte Drop.“ Die Bilder vom Dach wirken wie ein letztes Statement: Rainer Langhans will nicht leise gehen. Er will gesehen werden, bis zum Schluss – nackt, ehrlich, ohne Filter. Für eine Generation, die mit ihm aufwuchs, ist es ein bewegender Moment: Der Hippie-König steigt aufs Dach, um dem Leben zuzuwinken – und vielleicht auch dem Tod.