Guildo Horn, der Mann, der 1998 mit „Guildo hat euch lieb!“ Deutschland beim Eurovision Song Contest fast aufs Treppchen katapultierte, hat jetzt einen radikalen Vorschlag gemacht, der die ganze ESC-Community aufmischt: Deutschland sollte die Teilnahme am ESC für ein paar Jahre komplett aussetzen. In einem sehr direkten und emotionalen Interview mit dem Musikexpress erklärt der 59-Jährige, warum er genau das für die einzig vernünftige Lösung hält – und warum er den aktuellen ESC kaum noch wiedererkennt.
„Wir sollten uns einfach mal pausieren“, sagt Guildo ohne Umschweife. „Nicht für immer, aber für ein paar Jahre. Lasst uns mal Luft holen, nachdenken, was wir eigentlich wollen.“ Seine Begründung ist knallhart: Deutschland schickt seit Jahren Beiträge, die entweder zu brav, zu langweilig oder zu krampfhaft provokant sind – und landet fast immer hinten. „Wir haben den Contest nicht mehr verstanden“, analysiert er. „Früher ging’s um Spaß, um Ohrwürmer, um den Moment. Heute geht’s um Politik, um Statements, um Mitleidspunkte. Und genau da verlieren wir jedes Mal.“
Guildo erinnert an seine eigene Teilnahme 1998: Keine große Produktion, keine Message, nur er, die Gitarre, die Bierflasche und eine Menge purer Freude. „Die Leute haben mitgesungen, gelacht, gefeiert – das war ESC pur.“ Heute sieht er nur noch Überproduktion, Jury-Politik und Televotings, die seiner Meinung nach gesteuert wirken. „Die deutschen Beiträge passen einfach nicht mehr ins Schema. Entweder wir machen es wie alle anderen und spielen das Spiel mit – oder wir ziehen uns zurück, bis wir wieder was Eigenes haben.“
Der Vorschlag ist für viele ESC-Fans ein Schock, für andere eine Erlösung. Guildo betont, dass er den Contest immer noch liebt: „Ich schaue immer zu, ich fiebere mit, ich leide mit.“ Aber er sieht Deutschland in einer Sackgasse: „Wir schicken jedes Jahr jemanden, der sich verbiegt, um Punkte zu holen – und am Ende steht wieder null Komma irgendwas.“ Eine Pause würde seiner Meinung nach Zeit geben, neue Talente zu fördern, echte Songs zu schreiben, ohne den Druck der Platzierung. „Lasst uns mal drei, vier Jahre aussetzen – und dann kommen wir zurück mit etwas, das wieder nach Deutschland klingt: frech, ehrlich, mit Herz und Humor.“

Guildo weiß, dass sein Vorschlag polarisiert. „Manche werden sagen: Feigling, aufgeben geht nicht. Aber manchmal ist Zurückziehen der mutigste Schritt.“ Er vergleicht es mit Sport: Wenn ein Team jahrelang verliert, trainiert man anders oder pausiert sogar. „Der ESC ist kein Muss. Es ist eine Party – und wenn wir die Party nicht mehr rocken können, dann sollten wir sie erstmal anderen überlassen.“
Die Reaktionen in der Szene sind gemischt. Einige Künstler und Fans stimmen zu: „Guildo hat recht – wir demütigen uns jedes Jahr.“ Andere finden den Vorschlag absurd: „Dann verlieren wir komplett unseren Platz in Europa.“ Guildo lacht nur: „Genau das ist doch der Punkt. Wir haben unseren Platz schon lange verloren – jetzt geht’s darum, ihn wieder würdig zu erobern. Und das geht nicht mit Mittelmaß.“
Für Guildo Horn bleibt der ESC eine Herzenssache – aber eine, die wehtut. Seine Forderung nach einer Pause ist kein Abschied, sondern ein Weckruf: Deutschland braucht Zeit, um zurückzukommen – stärker, echter, lustiger. Und vielleicht, nur vielleicht, würde genau diese Pause den Contest wieder zu dem machen, was er mal war: eine große, verrückte Party ohne Hintergedanken.
