In der deutschen Medienlandschaft gibt es Gestalten, die kommen und gehen – und dann gibt es Claudia Obert. Die 62-jährige Unternehmerin hat sich ein Denkmal aus Luxus, Schlagfertigkeit und einem ständigen Glas Champagner in der Hand gesetzt. Doch wer ist die Frau, die von sich selbst sagt, dass sie „das Leben einatmet“, während andere noch über die Nebenkostenabrechnung grübeln? Ein Blick hinter die Kulissen der wohl bekanntesten „Dauerbeschwipsten“ der Nation offenbart ein faszinierendes Doppelleben zwischen harten Geschäftsentscheidungen in ihrem Hamburger Mode-Imperium und exzessiven Auftritten in Reality-Formaten wie „Promis unter Palmen“ oder „Das Sommerhaus der Stars“.
Claudia Obert ist keine klassische Erbin, die ihr Vermögen verprasst. Sie ist eine Selfmade-Frau, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Ihr Modegeschäft in der Hamburger Innenstadt ist die Basis für einen Lebensstil, den sie provokant zur Schau stellt. Für Obert ist Champagner kein Getränk, sondern eine Lebenseinstellung. Dass sie dabei oft den Eindruck erweckt, einen permanenten Pegel zu halten, ist Teil ihres Markenkerns. Kritiker werfen ihr vor, den Alkoholkonsum zu verharmlosen, doch die Society-Lady kontert solche Vorwürfe mit einem Lächeln und einer schlagfertigen Antwort, die meist direkt unter die Gürtellinie geht. Sie hat verstanden, dass im modernen Fernsehen nur eines zählt: Unterhaltungswert um jeden Preis.
Besonders ihre Beziehung zu dem deutlich jüngeren Max Suhr sorgt immer wieder für Schlagzeilen und Kopfschütteln. Doch Obert scheint das egal zu sein. Sie inszeniert ihre Liebe als einen Rausch der Sinne, bei dem teure Geschenke und ausschweifende Partys zum Standardprogramm gehören. Es ist diese totale Verweigerung von bürgerlicher Bescheidenheit, die sie für ein Millionenpublikum so faszinierend macht. Während das Land über Inflation und Krisen diskutiert, postet Obert Bilder von Kaviar-Frühstücken und Designer-Taschen. Sie fungiert als eine Art Ventil für die Sehnsüchte und Abneigungen einer Gesellschaft, die sich zwischen Neid und Bewunderung nicht entscheiden kann.
Hinter der Fassade der lauten, oft schrillen Lebefrau steckt jedoch eine scharfe Beobachterin. Obert weiß genau, was die Kameras von ihr wollen, und sie liefert – meist mit einem Augenzwinkern. Ihre Sprüche sind längst Kult und werden in den sozialen Netzwerken tausendfach geteilt. Dass sie dabei oft die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet, nimmt sie billigend in Kauf. In einer Welt, die nach Authentizität schreit, ist sie paradoxerweise genau deshalb so erfolgreich, weil sie ihre Künstlichkeit und Dekadenz so schamlos offenlegt. Sie spielt die Rolle der Claudia Obert so perfekt, dass man sich fragt, wo die Kunstfigur aufhört und der Mensch beginnt.

Ob man sie nun als inspirierende Geschäftsfrau oder als traurige Figur des Reality-TVs betrachtet, eines bleibt unbestritten: Claudia Obert lässt niemanden kalt. Sie ist die Antithese zur politischen Korrektheit und zum vornehmen Zurückhalten. Solange der Vorrat an edlen Tropfen nicht versiegt und die Kameras laufen, wird sie uns weiterhin an ihrem Leben im goldenen Käfig teilhaben lassen. Es ist eine Dauer-Performance, die zeigt, dass man im deutschen Showgeschäft vor allem eines braucht, um zu überleben: Ein dickes Fell, eine scharfe Zunge und – im Falle von Claudia Obert – immer eine gut gekühlte Flasche in Reichweite.