Veronas schamlose Beichte: Wie sie ihre größten Makel in Millionen verwandelte

Es ist die Geschichte einer Frau, die das gesamte Land jahrzehntelang unterschätzt hat, während sie im Hintergrund klammheimlich ein Imperium errichtete. Verona Pooth, die Werbeikone mit der unverwechselbaren Stimme, hat nun auf der OMR-Bühne in Hamburg die Karten auf den Tisch gelegt. In einer emotionalen und entwaffnend ehrlichen Keynote sprach die 57-Jährige über die schmerzhaften Anfänge ihrer Karriere, als sie für viele nur die „Blondine der Nation“ mit Sprachfehler war. Doch was damals als Spott begann, ist heute das Fundament ihres millionenschweren Erfolgs. Verona hat ihre Schwächen nicht nur akzeptiert – sie hat sie zur Waffe gemacht.

„Mir wurden am Anfang meiner Karriere wahnsinnig viele vermeintliche Schwächen nachgesagt“, erinnerte sich Pooth vor dem gebannten Publikum. Die berüchtigte Dativschwäche verfolgte sie wie ein dunkler Schatten, kombiniert mit einer Stimme, die vielen zu hoch, und Röcken, die vielen zu kurz waren. Man lachte über sie, man belächelte sie in den Talkshows der Republik. Doch anstatt sich zu verstellen oder einen Logopäden aufzusuchen, blieb sie stur sie selbst. Mit einem Schmunzeln erzählte sie, dass sie sogar schon Standing Ovations bekam, nur weil sie fehlerfrei bis drei zählen konnte. Diese Selbstironie ist es, die sie heute unerreichbar macht.

Ein besonders dramatischer Moment ihrer Laufbahn war die Rettungsaktion für das Unternehmen Schwartau. Nach einer fünfjährigen Pause wurde sie als „Notfallhelferin“ gerufen, nachdem vier extrem teure Kampagnen anderer Werbegesichter krachend gescheitert waren. Verona gab offen zu, dass sie in diesem Moment zum ersten Mal in ihrer Geschichte richtig Angst bekam. Der Druck war immens. Als während der Aufnahmen für die Radiospots plötzlich alles abgebrochen wurde, dachte sie: „Das war’s, ich habe versagt.“ Doch die Realität war eine völlig andere: Die Marmelade war bereits ausverkauft, bevor die Kampagne überhaupt voll angelaufen war. Die Produktion kam mit dem Nachliefern nicht mehr hinterher – der „Verona-Effekt“ hatte zugeschlagen.

Doch hinter der glitzernden Fassade der Geschäftsfrau verbirgt sich eine Tiefe, die viele nicht sehen wollen. Pooth betonte in Hamburg, dass Erfolg für sie auch bedeutet, etwas zurückzugeben. Ihr Engagement für ein SOS-Kinderdorf in Bolivien, für das sie über eine Million Euro sammelte, ist für sie keine PR-Maßnahme, sondern eine Herzensangelegenheit. Unter dem Namen „Veronas Casitas“ schuf sie einen Ort der Zuflucht. Diese Echtheit ist es, die ihre Community spürt und die sie von anderen Stars unterscheidet. Verona Pooth hat bewiesen, dass man keine Perfektion braucht, um ganz oben anzukommen – man braucht nur den Mut, zu seinen Ecken und Kanten zu stehen.