Warum Angela Merkel plötzlich in der Öffentlichkeit zitterte – die Bilder dieser Tage ließen ganz Deutschland über ihre Gesundheit sprechen

Es war nur ein kurzer Moment. Eine Nationalhymne spielte, die Kameras liefen, neben Angela Merkel stand der finnische Ministerpräsident Antti Rinne. Doch dann begann etwas, das Millionen Menschen sofort bemerkten.

Zunächst bewegten sich nur ihre Beine leicht. Wenige Sekunden später wurde das Zittern stärker. Während die finnische Hymne erklang, schien ihr ganzer Körper zu beben. Auch während der deutschen Nationalhymne blieb die Situation sichtbar. Merkel biss die Lippen zusammen, ballte die Hände zu Fäusten und versuchte offenbar, ruhig stehen zu bleiben.

Als der offizielle Teil schließlich vorbei war und sie gemeinsam mit Rinne die Ehrenformation abschreiten konnte, war der Spuk beendet.

Doch die Bilder waren längst um die Welt gegangen.

Für Angela Merkel war dieser Moment besonders unangenehm, denn es war nicht das erste Mal innerhalb weniger Wochen, dass sie vor laufenden Kameras einen solchen körperlichen Zustand zeigte. Am 10. Juli 2019 berichtete die Deutsche Presse-Agentur, dass es bereits der dritte derartige Vorfall innerhalb von gut drei Wochen gewesen sei.

Und plötzlich stellte sich eine Frage, die vorher kaum jemand öffentlich diskutiert hatte: Was war mit der Kanzlerin los?

Merkel selbst wollte zunächst keine große Sache daraus machen. Bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit dem finnischen Regierungschef wurde sie direkt auf ihren Gesundheitszustand angesprochen. Ihre Antwort war kurz: Ihr gehe es gut.

Doch damit war das Thema keineswegs beendet.

Denn die Bilder hatten etwas sichtbar gemacht, das normalerweise nicht zum öffentlichen Erscheinungsbild der deutschen Regierungschefin gehörte. Merkel galt über viele Jahre als Politikerin, die auch nach langen Verhandlungen und anstrengenden Gipfeltreffen kaum Schwäche zeigte. Ihre Fähigkeit, über Stunden konzentriert zu bleiben und schwierige Gespräche zu führen, war Teil ihres öffentlichen Images.

Nun sahen Millionen Menschen eine andere Seite.

Besonders auffällig war, dass die Ereignisse immer unter ähnlichen Umständen auftraten. Merkel musste bei offiziellen Zeremonien stillstehen und warten, während Nationalhymnen gespielt wurden. Genau diese scheinbar einfache Situation schien für sie zum Problem zu werden.

Bereits am 18. Juni 2019 war bei einem Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin ein ähnlicher Vorfall beobachtet worden. Es war heiß, und Merkel erklärte später, dass Wassermangel eine Rolle gespielt habe.

Nur neun Tage später kam es erneut zu einem Zittern – diesmal bei der Ernennung von Christine Lambrecht zur Justizministerin im Schloss Bellevue. Das Wetter war diesmal nicht besonders heiß. In Regierungskreisen wurde deshalb eine andere Erklärung genannt: Merkel habe den ersten Vorfall psychisch noch nicht vollständig verarbeitet.

Dann folgte der dritte Vorfall.

Und gerade diese Wiederholung machte die Situation für die Öffentlichkeit so ungewöhnlich.

Denn ein einzelner Moment hätte leicht als Kreislaufproblem, Hitze oder vorübergehende körperliche Reaktion eingeordnet werden können. Drei ähnliche Situationen innerhalb weniger Wochen führten dagegen zu immer mehr Fragen.

Hinzu kam ein weiteres Detail, das vielen Beobachtern auffiel: Merkel selbst schien die Situation sehr bewusst zu kontrollieren.

Sie bewegte sich kaum. Ihre Lippen pressten sich zusammen. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt. Sie wartete, bis die Zeremonie vorbei war.

Und dann ging sie weiter.

Diese Fähigkeit, nach einem solchen Moment sofort wieder zum offiziellen Programm zurückzukehren, passte wiederum zu einem Bild, das Merkel über Jahrzehnte aufgebaut hatte.

Doch wie lange konnte sie die Fragen nach ihrer Gesundheit noch vermeiden?

DIE ZEIT erinnerte damals daran, dass Merkel in ihren fast 14 Jahren als Bundeskanzlerin nur selten wegen Krankheit kürzergetreten war. Ihre außergewöhnliche Belastbarkeit bei politischen Verhandlungen war geradezu legendär geworden.

Umso stärker fiel der Kontrast auf.

Plötzlich wurde nicht über einen EU-Gipfel, eine politische Entscheidung oder eine internationale Krise gesprochen. Stattdessen richteten sich die Kameras auf ihre Beine, ihre Hände und ihre Körperhaltung.

Dabei gab es sogar einen Hinweis darauf, dass ein ähnlicher Vorfall keineswegs völlig neu war.

Bereits im Juni 2017, während eines Besuchs in Mexiko-Stadt, hatten Beobachter bemerkt, dass Merkels Beine während eines offiziellen Empfangs zitterten. Auch damals trat die Situation während einer Zeremonie auf, bei der sie längere Zeit stillstehen musste.

Doch 2019 bekam das Thema eine völlig andere Dimension.

Merkel stand kurz vor ihrem 65. Geburtstag. Seit Jahren trug sie eine enorme politische Verantwortung. Deutschland befand sich regelmäßig im Zentrum internationaler Krisen, und als Bundeskanzlerin musste sie bei nahezu jedem wichtigen Ereignis präsent sein.

Gleichzeitig hatte Merkel bereits lange zuvor darüber gesprochen, wie sie ihren politischen Abschied erleben wollte.

Mehr als zwei Jahrzehnte vor den Ereignissen von 2019 hatte sie der Fotografin Herlinde Koelbl gesagt, dass sie nicht als „halbtotes Wrack“ aus der Politik ausscheiden wolle. Diese alte Aussage bekam angesichts der neuen Bilder plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

War der jahrelange politische Dauerstress irgendwann zu viel geworden?

Oder handelte es sich lediglich um vorübergehende körperliche Reaktionen?

Genau diese Frage konnte damals niemand aus den Fernsehbildern beantworten.

Und das ist ein wichtiger Punkt: Die sichtbaren Symptome erlaubten keine sichere medizinische Diagnose. Auch die damaligen Berichte nannten keine bestätigte konkrete Erkrankung als Ursache.

Trotzdem begann die Öffentlichkeit zu spekulieren.

Internationale Medien registrierten die Bilder ebenso wie politische Beobachter. Denn wenn eine Regierungschefin während einer offiziellen Zeremonie plötzlich sichtbar zittert, wird daraus zwangsläufig nicht nur eine private Angelegenheit.

Merkel selbst versuchte, die Sorgen zu beruhigen.

Sie erklärte, sie befinde sich gewissermaßen noch in einer „Verarbeitungsphase“ nach dem ersten Vorfall. Diese sei noch nicht vollständig abgeschlossen, aber es gebe Fortschritte. Gleichzeitig betonte sie ausdrücklich, dass es ihr gut gehe und sie weiterhin leistungsfähig sei.

Doch gerade diese Aussagen machten die Geschichte noch interessanter.

Denn Merkel sagte gleichzeitig, dass sie eine Weile mit der Situation leben müsse.

Das ließ Raum für Fragen.

Würde es wieder passieren?

War der nächste öffentliche Auftritt bereits eine neue Bewährungsprobe?

Und wie würde sich die Situation auf ihre Arbeit als Kanzlerin auswirken?

Schon am Tag vor dem neuerlichen Vorfall hatte Merkel bei einem Empfang des Diplomatischen Corps mehr als 100 akkreditierte Botschafter begrüßt. Sie musste dort rund eine halbe Stunde auf einem markierten Platz stehen – und diesmal passierte nichts.

Dieses Detail zeigte, wie unvorhersehbar die Situationen waren.

Manchmal stand Merkel lange Zeit vollkommen ruhig. Dann begann bei einer anderen Zeremonie plötzlich das Zittern.

Genau diese Unberechenbarkeit machte die Bilder so eindringlich.

Für die Öffentlichkeit blieb schließlich vor allem eine Szene in Erinnerung: eine Kanzlerin, die während der Nationalhymnen sichtbar mit ihrem Körper kämpfte, danach aber weiterging und ihren offiziellen Termin fortsetzte.

Die große Frage nach dem „Warum“ blieb damals jedoch unbeantwortet.

Und genau hier liegt die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Bericht.

Die Bilder zeigten tatsächlich, dass Angela Merkel im Sommer 2019 wiederholt sichtbare Zitteranfälle erlebt hatte. Sie zeigten aber nicht, welche konkrete Krankheit dahinterstand.

Merkel selbst erklärte öffentlich, dass es ihr gut gehe und dass sie ihre Aufgaben weiterhin erfüllen könne. Die damals genannten möglichen Erklärungen reichten von Wassermangel bei großer Hitze bis zur Verarbeitung des ersten Vorfalls. Eine bestätigte Diagnose wurde in dem Bericht nicht genannt.

Das eigentlich Rätselhafte war deshalb nicht nur das Zittern.

Es war die Tatsache, dass eine Politikerin, deren öffentliche Stärke über Jahre fast selbstverständlich geworden war, plötzlich mit etwas konfrontiert wurde, das sich vor laufenden Kameras nicht verbergen ließ.

Und während Deutschland über ihre Gesundheit diskutierte, machte Merkel genau das, was sie schon immer getan hatte:

Sie richtete sich wieder auf, ging weiter und kehrte zum nächsten Termin zurück.