Bert Wollersheim ist ein Mann, dessen Leben wohl kaum jemand mit einem ruhigen Alltag verbinden würde. Jahrzehntelang gehörten Nachtleben, Partys, große Auftritte und ein äußerst bewegter Lebensstil zu seiner Welt. Als eine der bekanntesten Figuren des deutschen Rotlichtmilieus machte er sich einen Namen, der bis heute mit Luxus, provokanten Geschichten und einem Leben auf der Überholspur verbunden wird.
Doch irgendwann begann sein Körper eine Rechnung zu präsentieren, die sich nicht mehr ignorieren ließ.
Im Frühjahr 2024 sprach Wollersheim offen darüber, dass es ihm zunehmend schwerfiel, sich sicher zu bewegen. Seine Beine machten ihm Probleme, sie fühlten sich müde und kraftlos an. Für einen Mann, der sich über Jahrzehnte als ausgesprochen aktiver Lebemann präsentiert hatte, war diese Veränderung besonders einschneidend.
Dabei war das Problem mit seinen Beinen nur ein Teil einer viel längeren Krankengeschichte.
Wollersheim hatte bereits einen Schlaganfall hinter sich. Außerdem waren seine Halsschlagadern verengt, weshalb ihm im Dezember ein Stent eingesetzt worden war. Hinzu kam eine chronische Lungenerkrankung, COPD. Seine gesundheitliche Situation war also keineswegs eine vorübergehende Unpässlichkeit.
Und trotzdem wollte Wollersheim nicht einfach akzeptieren, dass sein Körper ihm immer mehr Grenzen setzte.
Stattdessen begann er, etwas zu versuchen, das für ihn zunächst alles andere als selbstverständlich war: systematisch an seiner Fitness zu arbeiten.
Sein Ziel war nicht, plötzlich wieder der Mann von früher zu werden. Es ging vielmehr darum, seine Beweglichkeit zu verbessern, seine Muskulatur zu stärken und seinen Alltag wieder sicherer zu machen.
Dafür holte er sich professionelle Unterstützung.
Der Düsseldorfer Promi-Coach Manuel Gajus übernahm die Aufgabe, mit Wollersheim einen individuellen Trainings- und Ernährungsplan zu entwickeln. Gajus trainierte auch andere bekannte Persönlichkeiten, darunter den Fußballer Marco Reus und Sängerin Jasmin Wagner. Nun sollte er ausgerechnet dem 72-jährigen Wollersheim helfen, wieder mehr Kontrolle über seinen Körper zu bekommen.
Doch bereits die ersten Trainingseinheiten zeigten, wie schwierig die Situation tatsächlich war.
Wollersheim trainierte zu diesem Zeitpunkt bereits mehrmals pro Woche. Rudern, Laufen und Krafttraining gehörten zu seinem Programm. Doch er musste feststellen, dass er viele Übungen nicht richtig ausführte und dadurch Beschwerden bekam.
Besonders beim Gehen wurde seine Unsicherheit deutlich.
Auf dem Laufband schaffte er nur ein vergleichsweise langsames Tempo. Wenn er seine Arme nicht am Gerät abstützen konnte, wurde sein Gang unsicher. Schon nach der ersten Übung konnte seine Beinkraft deutlich nachlassen.
Für Außenstehende hätte dieser Anblick vermutlich etwas Beunruhigendes gehabt.
Doch Wollersheim selbst wollte sich davon nicht entmutigen lassen.
Im Gegenteil: Er hatte ein konkretes Ziel.
Er wollte wieder Klimmzüge schaffen.
Das klingt zunächst vielleicht wie ein ungewöhnlicher Wunsch für einen Mann in seinem Alter, der bereits mehrere schwere gesundheitliche Probleme hinter sich hatte. Doch genau darin zeigte sich seine Haltung. Er wollte nicht einfach nur trainieren, weil ein Arzt oder Trainer es ihm gesagt hatte. Er wollte sich selbst beweisen, dass noch etwas möglich war.
Sein Trainer sah ebenfalls Potenzial.
Obwohl Wollersheim körperlich deutlich eingeschränkt war, zeigte er während der Übungen nach Einschätzung von Manuel Gajus mehr Energie und Leistungsfähigkeit, als zunächst erwartet werden konnte. Gleichzeitig musste das Training sehr kontrolliert ablaufen.
Schwere Gewichte waren keine Option.
Stattdessen standen Beweglichkeit, Ausdauer und eine bessere Körperhaltung im Mittelpunkt. Spaziergänge, Fahrradfahren und moderates Ausdauertraining sollten helfen, seinen Körper Schritt für Schritt wieder belastbarer zu machen.
Auch seine Ernährung veränderte sich.
Wollersheim hatte nach eigenen Angaben mit dem Rauchen aufgehört und achtete stärker darauf, was auf seinem Teller landete. Ganz auf seine alten Vorlieben wollte er allerdings nicht verzichten. Eine Ausnahme blieb für ihn offenbar besonders wichtig: holländische Pommes.
Seine Frau Ginger unterstützte ihn dabei ebenfalls und brachte mehr gesunde Lebensmittel in den gemeinsamen Alltag.
Doch hinter all diesen Veränderungen stand eine viel größere Frage.
Wie weit konnte Wollersheim seinen Körper überhaupt noch zurückbringen?
Seine gesundheitliche Vorgeschichte machte die Situation kompliziert. Er selbst sagte gegenüber BILD, dass er viele Jahrzehnte einen sehr belastenden Lebensstil geführt habe. Fünfzig Jahre Nachtleben hätten Spuren hinterlassen.
Nun musste er mit den Folgen leben.
Und plötzlich bekam ein Satz, den man von ihm früher wohl kaum erwartet hätte, eine ganz andere Bedeutung: Er wollte wieder fit werden.
Nicht für eine große Party.
Nicht für einen neuen spektakulären Auftritt.
Sondern für sich selbst.
Gleichzeitig wollte Wollersheim seinen bisherigen Lebensstil nicht vollständig verleugnen. Zweimal pro Woche besuchte er weiterhin den FKK-Saunaclub, der früher zu seinem Leben gehörte. Selbst dort wollte er sich nicht von seinen gesundheitlichen Einschränkungen aufhalten lassen.
Er scherzte sogar darüber, dass er eines Tages mit dem Rollator dort auftauchen werde.
Seine Frau Ginger nahm die Situation mit Humor und schlug scherzhaft vor, den Rollator mit Swarovski-Steinen zu verzieren. Gerade solche Momente zeigen, wie die Familie versuchte, trotz der schwierigen gesundheitlichen Situation ein Stück Leichtigkeit zu bewahren.
Doch hinter dem Humor steckte eine ernste Realität.
Wollersheim musste akzeptieren, dass sein Körper nicht mehr so funktionierte wie früher.
Der Mann, der einst für lange Nächte und einen extremen Lebensstil bekannt war, musste nun lernen, Belastungen sorgfältiger einzuschätzen. Ausdauer statt Exzess. Bewegung statt durchfeierter Nächte. Training statt sorglosem Umgang mit der eigenen Gesundheit.
Und genau hier kommt die Person ins Spiel, die für seine weitere Entwicklung besonders wichtig werden sollte.
Manuel Gajus.
Der Trainer sollte Wollersheim nicht einfach möglichst schnell wieder stark machen. Sein Plan bestand vielmehr darin, den Körper kontrolliert zu stabilisieren: die Beine zu kräftigen, die Körperhaltung zu verbessern, den Oberkörper beweglicher zu machen und die Ausdauer zu steigern.
Das Ziel war also nicht spektakulär.
Es war viel grundlegender.
Wieder sicherer stehen.
Wieder besser gehen.
Wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper bekommen.
Und vielleicht genau deshalb war diese Geschichte für Wollersheim so persönlich.
Denn er hatte bereits vieles erlebt. Einen Schlaganfall. Probleme mit den Blutgefäßen. Eine chronische Lungenerkrankung. Und schließlich die Erkenntnis, dass selbst das Gehen plötzlich zu einer Herausforderung werden konnte.
Trotzdem wollte er nicht aufgeben.
Je näher das Ende seiner Geschichte rückt, desto deutlicher wird deshalb, worum es eigentlich ging.
Nicht um einen Promi-Coach.
Nicht um einen spektakulären Trainingsplan.
Und auch nicht um die Frage, ob Bert Wollersheim noch einmal genauso leben könnte wie früher.
Es ging um einen Mann, der spürte, dass sein Körper ihm Grenzen setzte – und der trotzdem noch ein Ziel hatte.
Er wollte wieder Klimmzüge schaffen.
Dieser Wunsch mag klein erscheinen. Für Wollersheim war er jedoch ein Symbol dafür, dass er sich seine körperliche Selbstständigkeit Stück für Stück zurückholen wollte.
Und dann kam die vielleicht wichtigste Aussage der gesamten Geschichte.
Sein Trainer wollte nicht einfach einen möglichst kräftigen Bert Wollersheim aus ihm machen. Das eigentliche Ziel war viel vorsichtiger und zugleich viel bedeutender: Das Training sollte dazu beitragen, einen weiteren Schlaganfall zu verhindern und Wollersheim dabei helfen, seinen Lebensstil dauerhaft zu verändern.
Damit wurde plötzlich klar, was hinter den Trainingseinheiten wirklich steckte.

Es ging nicht um Muskeln.
Es ging um die Zukunft.
Um jeden Spaziergang, jeden sicheren Schritt und darum, möglichst lange selbstständig bleiben zu können.
Und genau deshalb war der Mann an seiner Seite für Bert Wollersheim zu diesem Zeitpunkt weit mehr als nur ein Fitnesscoach.
Er sollte ihm dabei helfen, etwas zurückzugewinnen, das viel wertvoller war als körperliche Kraft:
Vertrauen in den eigenen Körper.