Jürgen Drews zeigt sich mit Rollator – doch hinter seiner guten Laune steckt eine Geschichte, die nicht jeder sofort bemerkte

Jürgen Drews war über Jahrzehnte ein Mann, den man vor allem mit Energie, Musik und einem scheinbar unerschöpflichen Lächeln verband. Der „König von Mallorca“ gehörte zu den Künstlern, die auf der Bühne immer den Eindruck vermittelten, als könne sie kaum etwas aus der Ruhe bringen. Doch inzwischen hat sich sein Alltag verändert. Bei einem öffentlichen Auftritt in München zeigte sich der inzwischen 81-Jährige mit einem Rollator – und genau dieses Bild sorgte für Aufmerksamkeit.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sei lediglich ein ungewöhnlicher Moment bei einem gesellschaftlichen Ereignis gewesen. Drews wirkte gut gelaunt, unterhielt sich und ließ sich die Freude an dem Abend nicht nehmen. Doch für viele Fans war die Gehhilfe ein ungewohntes Detail. Denn der Sänger hatte sein Leben lang großen Wert darauf gelegt, aktiv, beweglich und fit zu wirken.

Gerade deshalb wurde sein Auftritt bei „Klassik am Odeonsplatz“ in München von vielen Menschen besonders aufmerksam verfolgt. Drews erschien dort nicht allein, sondern mit seiner Gehhilfe. Das Bild verbreitete sich anschließend schnell in den Medien. Dabei wurde deutlich, dass hinter dem Rollator keine spontane Entscheidung für einen bequemeren Auftritt steckt, sondern eine gesundheitliche Entwicklung, mit der sich der Sänger und seine Familie schon länger auseinandersetzen müssen.

Drews leidet seit mehreren Jahren an Polyneuropathie. Die Erkrankung betrifft das Nervensystem und kann unter anderem Probleme mit der Beweglichkeit und beim Gehen verursachen. In seinem Fall hat sich sein Gangbild nach Angaben seiner Familie verändert. Der Rollator gibt ihm dabei zusätzliche Sicherheit.

Interessant ist jedoch vor allem, wie Drews selbst mit dieser sichtbaren Veränderung umgeht. Statt sich zurückzuziehen oder den öffentlichen Auftritt zu vermeiden, erschien er gut gelaunt und zeigte damit, dass eine Gehhilfe für ihn nicht automatisch bedeutet, dass er sich aus dem Leben verabschiedet.

Auch seine eigenen Worte bei der Veranstaltung waren bemerkenswert. Auf die Frage nach seinem Befinden erklärte er, dass es ihm gut gehe. Gleichzeitig sprach er mit einer gewissen Gelassenheit über sein Alter und darüber, dass er selbst nicht damit gerechnet habe, so alt zu werden.

Für seine Familie ist die Situation trotzdem nicht ganz einfach. Besonders Tochter Joelina hat inzwischen mehrfach darüber gesprochen, wie sie den Umgang ihres Vaters mit seiner veränderten Situation erlebt. Als sie ihn mit dem Rollator sah, empfand sie seinen öffentlichen Auftritt nach eigenen Angaben sogar als starkes Zeichen. Er verstecke sich nicht und gehe mit der Situation so gut wie möglich um.

Gleichzeitig gab sie zu verstehen, dass solche Momente auch nachdenklich machen können. Wenn ein Mensch, den man seit seiner Kindheit als aktiv und voller Energie kennt, plötzlich auf eine Gehhilfe angewiesen ist, verändert sich die Wahrnehmung. Für Angehörige kann das emotional belastend sein, selbst wenn der Betroffene selbst versucht, seinen Alltag mit Humor und Zuversicht zu meistern.

Joelina betonte außerdem, dass es für die ganze Familie nicht einfach sei. Entscheidend sei deshalb, für Jürgen Drews da zu sein und ihn dort zu unterstützen, wo Hilfe benötigt werde. Seine Ehefrau Ramona steht ihm ebenfalls zur Seite. Auch Joelina ist inzwischen stärker in den Familienalltag eingebunden.

Dabei gibt es noch eine weitere, besonders persönliche Seite dieser Geschichte. Musik ist für Jürgen Drews nicht einfach nur ein Beruf gewesen. Sie hat sein gesamtes Leben geprägt. Und obwohl er seine aktive Schlagerkarriere inzwischen beendet hat, spielt Musik in der Familie weiterhin eine wichtige Rolle.

Seine Tochter Joelina hat selbst musikalische Ambitionen. Sie interpretierte unter anderem den Song „Durch und durch“ neu – ein Moment, der für ihren Vater offenbar besonders emotional war. Als er das fertige Ergebnis zum ersten Mal hörte, soll ihn dieser Moment tief berührt haben.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum die aktuellen Bilder von Jürgen Drews eine andere Geschichte erzählen, als es ein einzelnes Foto vermuten lässt.

Es geht nicht nur um einen Rollator.

Es geht um einen Mann, der viele Jahrzehnte lang auf Bühnen stand, vor Tausenden Menschen sang und mit seinem Namen eine ganze Ära des deutschen Schlagers verbunden hat. Heute muss er mit körperlichen Veränderungen umgehen, die für ihn selbst sichtbar geworden sind. Und trotzdem scheint er sich nicht ausschließlich darüber definieren zu wollen.

Seine Familie versucht dabei offenbar, ihm genau diese Normalität zu bewahren. Gleichzeitig bittet sie Medien und Öffentlichkeit um Respekt und Fingerspitzengefühl. Denn Drews habe immer sehr auf sein Äußeres geachtet und sei über viele Jahre als besonders fit und agil wahrgenommen worden. Für ihn selbst sei es deshalb verständlicherweise nicht angenehm, wenn nun ständig Bilder mit Rollator im Mittelpunkt stehen.

Und dann kommt der vielleicht wichtigste Punkt dieser Geschichte.

Trotz aller Veränderungen denkt Jürgen Drews offenbar nicht daran, sich vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen. Er nimmt die Gehhilfe an, wenn sie ihm Sicherheit gibt. Er erscheint bei Veranstaltungen. Er spricht mit Menschen. Er lacht. Und er versucht, seinen Alltag weiterhin mit einer gewissen Leichtigkeit zu leben.

Genau darin liegt die eigentliche Überraschung seines jüngsten Auftritts: Nicht der Rollator ist das entscheidende Bild, sondern die Tatsache, dass Drews dahinter weiterhin als derselbe lebensfrohe Mensch sichtbar bleibt.

Seine Tochter hat es vielleicht am treffendsten beschrieben: Der Anblick könne zwar melancholisch machen, doch ihr Vater sei weiterhin ein Mensch, der mit Freude durchs Leben gehe.

Und auch wenn seine große Bühnenkarriere inzwischen Vergangenheit ist, scheint Jürgen Drews eine neue Art gefunden zu haben, mit der Öffentlichkeit umzugehen. Nicht mehr als der unermüdliche Entertainer, der stundenlang auf der Bühne steht, sondern als 81-jähriger Familienvater, der akzeptiert, dass sich manches verändert hat – ohne deshalb seine Lebensfreude aufzugeben.

Vielleicht ist genau das die Botschaft, die hinter den Bildern aus München steckt: Manchmal verändert sich das Leben sichtbar. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass die Freude daran verschwindet.

Und genau deshalb war dieser Auftritt für viele Beobachter so bemerkenswert. Nicht weil Jürgen Drews einen Rollator benutzte, sondern weil er ihn offenbar als das akzeptierte, was er für ihn derzeit ist: eine Unterstützung, die ihm Sicherheit gibt.

Das vielleicht überraschendste Detail kam dabei nicht vom roten Teppich und auch nicht von den Bildern selbst.

Es kam von Jürgen Drews persönlich: „Mir geht es gut.“

Trotz allem, was sich verändert hat, wollte er damit offenbar genau das vermitteln – dass eine Gehhilfe nicht das Ende von Lebensfreude bedeutet.

Kann nicht mehr zu lange stehen": Jürgen Drews gibt Gesundheits-Update |  mdr.de