Angela Merkel, wie man sie kaum je gesehen hatte: Seltene Familienfotos zeigten eine andere Seite der Kanzlerin

Angela Merkel war über viele Jahre eine der bekanntesten politischen Persönlichkeiten Europas. In der Öffentlichkeit erschien sie fast immer in ihrer offiziellen Rolle: im Bundestag, bei internationalen Gipfeltreffen, bei Gesprächen mit Staats- und Regierungschefs oder in ihrem charakteristischen Hosenanzug. Ihr Privatleben blieb dagegen weitgehend außerhalb der Berichterstattung.

Gerade deshalb sorgten einige Fotos im Frühjahr 2013 für ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit.

Sie zeigten keine politische Konferenz und keinen offiziellen Termin. Stattdessen war Merkel während ihres Osterurlaubs auf der italienischen Insel Ischia zu sehen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Joachim Sauer verbrachte sie dort einige Tage. Für die deutsche Öffentlichkeit war schon allein dieser Anblick ungewöhnlich, denn gemeinsame Bilder des Paares waren damals selten.

Die Aufnahmen entstanden während eines Urlaubs, den Merkel schon seit Jahren regelmäßig in Italien verbracht hatte. Doch diesmal wurde ihr Aufenthalt von Fotografen genauer beobachtet. Die Bilder wurden anschließend in deutschen und italienischen Medien veröffentlicht.

Plötzlich war eine Seite der damaligen Bundeskanzlerin zu sehen, die normalerweise kaum Teil der öffentlichen Berichterstattung war.

Auf einem Foto ging Merkel gemeinsam mit ihrem Mann durch die Thermalbäder von Sant’Angelo d’Ischia. Andere Aufnahmen zeigten sie am Strand oder am Pool. Sie trug keine klassische politische Kleidung, sondern eine beige Hose und ein blaues Oberteil. Auf den Bildern wirkte sie deutlich entspannter als bei ihren täglichen offiziellen Auftritten.

Für viele Menschen hätte das vermutlich wie ein ganz gewöhnlicher Urlaubsblick auf eine bekannte Persönlichkeit ausgesehen.

In Deutschland war die Reaktion jedoch wesentlich zurückhaltender.

Denn Merkel hatte sich ihr Privatleben über Jahre hinweg konsequent geschützt. Selbst ihr Ehemann Joachim Sauer, ein Chemiker und Wissenschaftler, trat nur sehr selten öffentlich an ihrer Seite auf. Er hatte beispielsweise 2005 ihre erste Vereidigung als Bundeskanzlerin nicht besucht und hielt sich auch später weitgehend aus der politischen Öffentlichkeit heraus.

Das machte die Urlaubsfotos besonders interessant.

Es war nicht nur die Tatsache, dass Merkel außerhalb ihres politischen Umfelds fotografiert worden war. Bemerkenswert war auch, wie wenig die Öffentlichkeit damals überhaupt über ihren privaten Alltag wusste.

Ihre politischen Freunde, schrieb die Washington Post, hatten sie kaum zu Hause besucht. Auch Interviews über persönliche Themen waren selten. Merkel präsentierte sich in erster Linie als Politikerin und nicht als Prominente, deren Familienleben Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit sein sollte.

Genau diese Zurückhaltung unterschied sie von vielen Politikern in anderen Ländern.

In den Vereinigten Staaten waren Bilder von Präsidenten mit ihren Familien im Urlaub oder im Alltag schon lange ein Bestandteil der politischen Berichterstattung. Offizielle Fotografen hielten dort regelmäßig private oder halbprivate Momente fest.

Bei Merkel war das anders.

Die deutsche politische Kultur behandelte das Privatleben von Spitzenpolitikern traditionell zurückhaltender. Auch deshalb waren die Fotos von Ischia ein ungewöhnlicher Moment.

Und plötzlich tauchte auf den Bildern nicht nur Merkel selbst auf.

Auch ihre Familie war zu sehen.

Einige Fotos zeigten sie gemeinsam mit ihren Stiefenkeln am Strand. Andere Aufnahmen aus Italien zeigten sie beim Schwimmen. Für die Öffentlichkeit war das eine ungewöhnliche Perspektive auf eine Frau, die ansonsten fast ausschließlich im politischen Umfeld fotografiert wurde.

Doch gerade hier begann auch die Diskussion über die Grenzen zwischen öffentlichem Interesse und Privatleben.

Merkels Sprecher Georg Streiter machte deutlich, dass ein Urlaub nicht automatisch bedeute, dass jeder private Moment für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Er verwies darauf, dass es unangenehm sein könne, während eines Urlaubs das Gefühl zu haben, von Objektiven aus verschiedenen Richtungen beobachtet zu werden.

Besonders wichtig war dabei der Schutz der Familienmitglieder, die selbst keine öffentlichen Ämter bekleideten.

Der Sprecher erklärte, er habe erreicht, dass eine deutsche Zeitung die Gesichter von Merkels Stiefsohn, dessen Ehefrau und deren Kindern verpixelte. Diese Menschen, so seine Begründung, könnten nichts dafür, dass ein Familienmitglied Bundeskanzlerin sei.

Damit wurde die eigentliche Besonderheit dieser Geschichte sichtbar.

Es ging nicht nur um Urlaubsfotos.

Es ging um eine grundsätzliche Frage: Wie viel Privatleben sollte eine Person behalten dürfen, wenn sie zu den bekanntesten politischen Persönlichkeiten eines Landes gehört?

Im Fall Merkel war diese Frage besonders interessant, weil ihre öffentliche Persönlichkeit so stark von Zurückhaltung geprägt war.

Sie gab nur selten persönliche Einzelinterviews. Selbst wenn sie bei Gesprächen mit bekannten Persönlichkeiten nach privaten Themen gefragt wurde, blieb sie häufig knapp. Als sie einmal gefragt wurde, was sie tun würde, wenn sie ein Doppelleben führen könnte, antwortete sie laut dem Bericht sinngemäß, dass sie weder Zeit noch Neigung für diese Idee habe.

Auch ihr Ehemann blieb eine außergewöhnlich zurückhaltende Figur.

Joachim Sauer war selbst ein renommierter Wissenschaftler, vermied aber weitgehend die mediale Aufmerksamkeit. Anders als viele Partnerinnen oder Partner internationaler Spitzenpolitiker übernahm er keine prominent inszenierte öffentliche Rolle.

Gerade dadurch entstand um das Paar eine gewisse Distanz zur Öffentlichkeit.

Man wusste, dass Merkel verheiratet war.

Man wusste, dass sie einen wissenschaftlich tätigen Ehemann hatte.

Aber man sah nur selten, wie die beiden ihre Freizeit verbrachten.

Dann kamen die Aufnahmen von Ischia.

Sie zeigten Merkel in einer Situation, die nichts mit Eurokrise, Regierungspolitik oder internationalen Verhandlungen zu tun hatte.

Sie war im Urlaub.

Sie war mit ihrem Mann unterwegs.

Sie verbrachte Zeit mit ihrer Familie.

Und sie sah dabei deutlich anders aus als auf den offiziellen Fotografien aus Berlin.

Die Bilder erschienen zu einem Zeitpunkt, an dem das Interesse an Merkel außerhalb Deutschlands ohnehin besonders groß war. Während der Eurokrise spielte Deutschland eine zentrale Rolle in den europäischen politischen und wirtschaftlichen Debatten. Merkel wurde deshalb in vielen Ländern Europas intensiv beobachtet – teilweise auch mit großer Kritik.

In Italien, wo sie ihren Urlaub verbrachte, wurde ihr Aufenthalt ebenfalls politisch kommentiert. Der damalige Präsident der Region Kampanien, Stefano Caldoro, begrüßte sie zwar öffentlich, verband dies aber mit einem Hinweis auf die hohe Arbeitslosigkeit in der Region und kritisierte die damalige europäische Sparpolitik.

So vermischten sich plötzlich zwei völlig unterschiedliche Ebenen.

In Germany, Angela Merkel photos show 'secret family life' of chancellor -  The Washington Post

Auf der einen Seite stand die mächtige deutsche Regierungschefin, deren Entscheidungen in ganz Europa diskutiert wurden.

Auf der anderen Seite war eine Frau zu sehen, die ihren Osterurlaub mit ihrem Ehemann und ihrer Familie verbrachte.

Genau diese Kombination machte die Fotos so bemerkenswert.

Denn die Aufnahmen enthüllten im Grunde kein großes politisches Geheimnis.

Sie zeigten etwas viel Einfacheres: Angela Merkel hatte, trotz ihrer außergewöhnlich öffentlichen Position, ein Privatleben, das sie normalerweise konsequent von ihrem politischen Leben trennte.

Und genau das war damals die eigentliche Überraschung.

Nicht ein verborgenes politisches Detail.

Nicht eine spektakuläre Enthüllung.

Sondern die Tatsache, dass eine der bekanntesten Politikerinnen Europas außerhalb ihres Amtes eine ganz gewöhnliche private Seite hatte.

Die Bilder von Ischia zeigten Merkel lächelnd, entspannt und in Freizeitkleidung. Sie war mit Joachim Sauer unterwegs und verbrachte Zeit mit Mitgliedern ihrer Familie. Für Menschen, die sie fast ausschließlich aus Nachrichtenbildern kannten, war dieser Anblick ungewöhnlich.

Damit wurde etwas sichtbar, das Merkel selbst über viele Jahre weitgehend geschützt hatte: ihr Leben abseits der politischen Bühne.

Und vielleicht lag genau darin die größte Besonderheit dieser Geschichte.

Je stärker Merkel öffentlich als politische Persönlichkeit wahrgenommen wurde, desto seltener zeigte sie ihre private Seite.

Die Fotos aus Italien durchbrachen diese Trennung für einen kurzen Moment.

Sie machten sichtbar, dass hinter den offiziellen Terminen, den Sitzungen und den internationalen Gesprächen auch ein privater Alltag existierte.

Doch selbst nachdem diese Bilder veröffentlicht worden waren, änderte Merkel ihre grundsätzliche Haltung nicht.

Ihr Privatleben blieb ihr Privatleben.

Where is Angela Merkel? Mystery of chancellor's whereabouts as husband  holidays without her

Und genau deshalb blieben die Aufnahmen von jenem Osterurlaub auf Ischia so außergewöhnlich: Sie gehörten zu den seltenen Momenten, in denen die Öffentlichkeit Angela Merkel nicht als Bundeskanzlerin sah, sondern einfach als Frau im Urlaub – gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Familie.