Angela Merkels Handy im Zentrum eines Spionageskandals: Was bekannt wurde und warum die Kanzlerin Antworten verlangte

Es begann mit einer Nachricht, die für viele Menschen kaum vorstellbar klang. Das Mobiltelefon der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel soll von US-Geheimdiensten überwacht worden sein. Nicht телефон случайного чиновника и не неизвестного государственного служащего — речь шла о человеке, который в тот момент возглавлял правительство Германии.

Im Oktober 2013 entwickelte sich daraus innerhalb weniger Tage ein internationaler Skandal.

Was zunächst wie eine weitere Enthüllung im Zusammenhang mit den Dokumenten des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden wirkte, bekam plötzlich eine ganz persönliche Dimension. Denn diesmal ging es nicht nur um die Überwachung gewöhnlicher Bürger oder um die massenhafte Sammlung elektronischer Daten. Im Mittelpunkt stand die Kommunikation einer Regierungschefin eines engen Verbündeten der Vereinigten Staaten.

Und Angela Merkel wollte wissen, was dahintersteckte.

Die Geschichte begann vor dem Hintergrund der Snowden-Enthüllungen. Seit dem Sommer 2013 war bekannt geworden, wie umfangreich die amerikanischen und britischen Geheimdienste elektronische Kommunikation überwachten. Immer neue Dokumente und Berichte sorgten weltweit für Diskussionen.

Deutschland war davon besonders betroffen.

Doch als Hinweise auftauchten, dass möglicherweise auch das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin ein Ziel amerikanischer Nachrichtendienste gewesen sein könnte, änderte sich die Dimension des Skandals.

Merkels Regierung reagierte ungewöhnlich deutlich. Nach Berichten über die mutmaßliche Überwachung telefonierte die Bundeskanzlerin persönlich mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Sie verlangte eine Erklärung und machte deutlich, dass sie eine solche Überwachung nicht akzeptieren würde.

Für die deutsch-amerikanischen Beziehungen war das ein schwieriger Moment.

Denn Deutschland und die Vereinigten Staaten waren enge politische und sicherheitspolitische Partner. Gerade deshalb war die Vorstellung, dass amerikanische Nachrichtendienste die Kommunikation der deutschen Regierungschefin überwacht haben könnten, besonders brisant.

Doch was genau war eigentlich bekannt?

Die entscheidende Spur führte zu einem Dokument, das dem amerikanischen Geheimdienst NSA zugeschrieben wurde. Der deutsche „Spiegel“ berichtete, dass Merkels Mobilfunknummer seit dem Jahr 2002 auf einer Liste des sogenannten Special Collection Service gestanden habe. Der Eintrag soll mit „GE Chancellor Merkel“ bezeichnet gewesen sein.

Das Jahr 2002 war dabei besonders bemerkenswert.

Angela Merkel war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bundeskanzlerin. Sie sollte dieses Amt erst Ende 2005 übernehmen. Die angebliche Beobachtung hätte demnach bereits Jahre vor ihrer Kanzlerschaft begonnen.

Damit stellte sich eine weitere Frage: Warum war ihr Telefon für einen amerikanischen Nachrichtendienst interessant?

Eine eindeutige öffentliche Antwort darauf gab es zunächst nicht.

Ebenso wenig war aus den veröffentlichten Informationen eindeutig ersichtlich, welche Art von Kommunikation tatsächlich erfasst worden sein könnte. Es blieb offen, ob Gespräche aufgezeichnet wurden oder ob lediglich sogenannte Verbindungsdaten beziehungsweise Kontakte analysiert wurden.

Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Denn zwischen dem Erfassen technischer Kommunikationsdaten und dem Mitschneiden des Inhalts eines Gesprächs besteht ein erheblicher Unterschied. Genau deshalb konnten die damaligen Berichte zwar einen schwerwiegenden Verdacht beschreiben, aber nicht jede Einzelheit über die konkrete Überwachung klären.

Trotzdem nahm die Angelegenheit schnell internationale Ausmaße an.

Ein weiterer Bericht beschäftigte sich mit einer geheimen Struktur amerikanischer Nachrichtendienste in Berlin. Nach Angaben aus den damaligen Berichten soll es innerhalb der US-Botschaft eine nicht offiziell registrierte Überwachungseinheit gegeben haben. Der „Spiegel“ berichtete unter Berufung auf ein Dokument, dass eine Entdeckung einer solchen Einrichtung erheblichen Schaden für die Beziehungen zu einem anderen Staat verursachen könnte.

Auch diese Informationen verstärkten die Fragen.

Was wusste die deutsche Regierung?

Wie weit reichte die Überwachung?

Und wer hatte davon Kenntnis?

Während diese Fragen in Berlin für Unruhe sorgten, wurde die Geschichte auch in Washington zum politischen Problem.

Merkel hatte sich direkt an Obama gewandt. Nach damaligen Berichten erklärte das Weiße Haus, die Vereinigten Staaten würden die Kommunikation der Bundeskanzlerin nicht überwachen. Gleichzeitig wurden die Vorwürfe untersucht.

Später kamen weitere widersprüchliche Angaben hinzu.

Einige Medien berichteten, Obama habe Merkel versichert, dass er von einer möglichen Überwachung ihres Telefons nichts gewusst habe. Gleichzeitig bestritten US-Geheimdienstvertreter Medienberichte, wonach Obama bereits Jahre zuvor über eine solche Operation informiert gewesen sei. Eine NSA-Sprecherin erklärte damals ausdrücklich, entsprechende Behauptungen seien nicht zutreffend.

Damit wurde der Fall noch komplizierter.

Es gab Dokumente, Medienberichte, offizielle Dementis und politische Forderungen nach Aufklärung.

Doch eines stand bereits fest: Das Vertrauen zwischen zwei wichtigen Partnern war beschädigt.

In Deutschland wurde die Affäre nicht nur als technisches Problem der Geheimdienstarbeit wahrgenommen. Sie berührte auch eine grundsätzliche Frage: Wie weit dürfen befreundete Staaten bei der Nachrichtengewinnung gehen?

Gerade diese Frage machte den Fall so außergewöhnlich.

Denn es ging nicht um zwei Staaten, die sich offiziell als Gegner betrachteten. Deutschland und die USA waren Verbündete. Ihre Regierungen arbeiteten in zahlreichen Bereichen zusammen, unter anderem bei Sicherheitsfragen und der internationalen Terrorismusbekämpfung.

Und trotzdem stand plötzlich der Verdacht im Raum, dass die Kommunikation der deutschen Regierungschefin zum Ziel amerikanischer Überwachung geworden sein könnte.

Die deutsche Regierung kündigte deshalb Gespräche mit amerikanischen Sicherheits- und Geheimdienstvertretern an. Eine hochrangige Delegation sollte nach Washington reisen, um Antworten auf die offenen Fragen zu erhalten.

Auch in anderen europäischen Ländern löste der NSA-Skandal Unruhe aus. Berichte über mögliche Überwachung von Politikern und Bürgern in verschiedenen Staaten hatten bereits zuvor für Empörung gesorgt. Die Affäre um Merkel verlieh der Debatte jedoch ein besonders bekanntes Gesicht.

Plötzlich war die Frage der elektronischen Überwachung nicht mehr abstrakt.

Sie hatte einen Namen.

Angela Merkel.

Und ein Telefon.

Die Geschichte zeigte außerdem, wie sehr sich die Wahrnehmung moderner Geheimdienstarbeit verändert hatte. Ein Mobiltelefon konnte längst mehr sein als ein Gerät zum Telefonieren. Kommunikationsdaten konnten Hinweise auf Kontakte, Bewegungen und Netzwerke liefern. Für Nachrichtendienste konnten solche Informationen von Interesse sein, auch wenn die genaue Art der damaligen Erfassung im Fall Merkel öffentlich nicht vollständig geklärt war.

Doch dann kam die Information, die den gesamten Fall noch überraschender machte.

Die angebliche Zielerfassung soll nicht erst begonnen haben, nachdem Merkel Bundeskanzlerin geworden war.

Nach dem von „Der Spiegel“ zitierten NSA-Dokument stand ihre Mobilfunknummer bereits seit 2002 auf einer entsprechenden Liste. Zu diesem Zeitpunkt war Merkel noch nicht Regierungschefin Deutschlands.

Und genau darin lag eine der ungewöhnlichsten Einzelheiten des gesamten Skandals.

Das Dokument erklärte jedoch nicht eindeutig, ob tatsächlich die Inhalte ihrer Telefonate aufgezeichnet wurden. Es blieb offen, ob Gespräche abgehört oder lediglich Kommunikationsdaten ausgewertet wurden.

Auch die Frage, wer innerhalb der US-Regierung von einer möglichen Überwachung wusste, blieb Gegenstand widersprüchlicher Berichte und Dementis. US-Vertreter bestritten insbesondere die Behauptung, Obama habe bereits 2010 von einer entsprechenden Operation gewusst.

Damit blieb am Ende eine Geschichte, in der nicht jede Frage beantwortet werden konnte.

Doch eines war unübersehbar: Die Nachricht über Merkels Telefon löste 2013 eine schwere Vertrauenskrise zwischen Berlin und Washington aus.

Ein einziges Mobiltelefon war zum Symbol einer viel größeren Debatte geworden — über Geheimdienste, digitale Kommunikation, Privatsphäre und die Grenzen zwischen Verbündeten.

Und gerade deshalb blieb die Geschichte weit über den damaligen Oktober hinaus im Gedächtnis.