Seit Jahren lässt Patrice Aminati ihre Follower an einem sehr persönlichen Teil ihres Lebens teilhaben. Die heute 31-Jährige spricht offen über ihre schwere Krebserkrankung, über Behandlungen, Klinikaufenthalte, Schmerzen, Erschöpfung – aber auch über kleine Momente, die ihr im Alltag Kraft geben. Dabei versucht sie, nicht ausschließlich als Patientin wahrgenommen zu werden. Gerade das Thema Haare wurde für sie deshalb zu etwas sehr Persönlichem.
Patrice Aminati erhielt 2023 die Diagnose schwarzer Hautkrebs. Wenige Monate später verschlechterte sich ihre Situation deutlich. Seitdem wird sie medizinisch behandelt und spricht öffentlich über die Höhen und Tiefen ihres Lebens mit der Erkrankung. Im Laufe der Zeit wurden Therapien, Untersuchungen und die Folgen der Behandlung zu einem festen Bestandteil ihres Alltags.
Doch neben den medizinischen Befunden gibt es Veränderungen, die im Spiegel sofort sichtbar werden. Eine davon betrifft die Haare. Für viele Menschen, die sich einer Krebsbehandlung unterziehen, kann Haarausfall emotional besonders belastend sein. Er erinnert täglich an die Krankheit und verändert das eigene Erscheinungsbild. Auch Patrice musste sich mit dieser Veränderung auseinandersetzen.
Im Oktober 2025 berichtete sie, dass ihre Bestrahlung abgeschlossen sei. Für sie war das ein emotionaler Moment. Nach der Behandlung begann gleichzeitig eine neue Phase: Die ersten Haare fielen aus. Patrice zeigte sich damit nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern sprach offen mit ihren Followern darüber.
Dabei ging es ihr nicht darum, ihre Erkrankung zu verstecken. Im Gegenteil: Sie wollte selbst entscheiden können, wie sie sich im Alltag sieht und wie sie von anderen wahrgenommen wird. Ihr Äußeres sollte nicht automatisch bestimmen, wie sie sich fühlt.
Genau deshalb führte ihr Weg schließlich in ein Perückenstudio in Düsseldorf. Dort probierte sie verschiedene Modelle aus. Blonde Varianten, andere Schnitte und unterschiedliche Farben – Patrice ließ ihre Community an diesem sehr persönlichen Moment teilhaben. Es war gleichzeitig ein leichter und ein schwieriger Augenblick: Einerseits konnte sie mit verschiedenen Looks experimentieren, andererseits war der Anlass dafür ihre Behandlung.
Sie machte dabei deutlich, dass eine Perücke für sie nicht ausschließlich eine medizinische Notwendigkeit ist. Schon lange habe sie mit dem Gedanken gespielt, einmal eine Perücke zu tragen. Nun bekam diese Idee allerdings eine völlig andere Bedeutung.
Patrice erklärte, dass sie nicht jedes Mal beim Blick in den Spiegel an ihre Krankheit erinnert werden möchte. Sie wolle sich weiterhin als Frau wahrnehmen, sich schön fühlen und auch ihre eigene Weiblichkeit nicht aus den Augen verlieren.
Diese Offenheit machte den Moment für viele ihrer Follower besonders nachvollziehbar. Denn hinter dem Thema Perücke steckt bei ihr eine viel größere Frage: Wie schafft man es, trotz einer schweren Diagnose möglichst viel von seinem bisherigen Leben und seinem eigenen Ich zu bewahren?
Patrice versucht genau das. Sie spricht über ihre Krankheit, ohne ihr gesamtes Leben auf die Diagnose reduzieren zu lassen. Sie zeigt schwierige Tage, aber ebenso Momente mit ihrer Tochter, alltägliche Situationen und Dinge, die ihr Freude bereiten.
Auch ihre Familie spielt dabei eine zentrale Rolle. Patrice ist Mutter einer kleinen Tochter. Bereits früher hat sie erklärt, dass sie ihrer Tochter von der Erkrankung nur so viel erzählt, wie sie für ihr Alter verstehen kann. Wenn sie wegen einer Behandlung erschöpft ist, versucht sie die Situation kindgerecht zu erklären.
Gerade diese Normalität scheint ihr wichtig zu sein. Trotz Klinik, Medikamenten und Bestrahlungen möchte sie weiterhin Mutter sein, Alltag erleben und schöne Momente sammeln. Die Haare sind dabei nur ein sichtbares Detail – für Patrice aber ein Detail, das unmittelbar mit ihrem Selbstbild verbunden ist.
Ihre Entscheidung für eine Perücke bedeutete deshalb nicht, dass sie sich verstecken wollte. Vielmehr ging es darum, selbst bestimmen zu können, welchen Look sie trägt und wie sie sich fühlt. In dem Perückenstudio probierte sie mehrere Möglichkeiten aus und ließ sogar ihre Follower an der Auswahl teilhaben.
Später zeigte sich auch, für welches Modell sie sich zunächst entschied: einen hellblonden Longbob. Zwei weitere Varianten sollten noch folgen.
Damit war der neue Look gefunden – doch die Geschichte entwickelte sich weiter. Anfang 2026 zeigte Patrice sich auch ohne Perücke und sprach offen über den Haarausfall am Hinterkopf. Sie machte dabei deutlich, dass Haare für sie zwar wichtig seien, sie die Folgen der Behandlung aber nicht als das Schlimmste empfinde. Haare könnten schließlich wieder nachwachsen.
Inzwischen ist ihre medizinische Situation erneut von schwierigen Entwicklungen geprägt. Im Frühjahr 2026 berichtete Patrice über weitere Metastasen und einen erneuten Rückschlag. Im Sommer musste sie nach einem MRT erneut bestrahlt werden, weil die vorherige Behandlung bei einigen Metastasen nicht ausreichend angeschlagen hatte. Sie sprach damals auch über große Erschöpfung und darüber, wie schwer der Weg für sie geworden ist.
Gerade deshalb bekommt der Moment mit der Perücke im Rückblick eine besondere Bedeutung. Es ging nicht einfach um eine neue Frisur. Patrice wollte sich trotz allem weiterhin als Frau, als Mutter und als Mensch mit eigenen Wünschen und Vorstellungen erleben.
Und genau darin liegt die eigentliche Botschaft ihres damaligen Auftritts im Perückenstudio: Sie wollte nicht in den Spiegel schauen und ausschließlich eine Krebspatientin sehen. Sie wollte sich selbst wiedererkennen.
Der vielleicht persönlichste Moment kam deshalb erst am Ende: Patrice entschied sich nach dem Haarausfall zunächst für einen hellblonden Longbob. Doch später zeigte sie ihren Followern auch ganz ohne Perücke, wie ihre Haare durch die Behandlung tatsächlich aussahen. Damit machte sie deutlich, dass sie weder ihre Krankheit noch die sichtbaren Folgen verstecken möchte – sondern selbst entscheidet, wann sie eine Perücke trägt und wann sie ihr verändertes Aussehen offen zeigt.