Seit mehr als zwei Jahren bestimmt eine Krankheit das Leben von Patrice Aminati. Eine Krankheit, die ihr plötzlich zeigte, wie schnell sich ein scheinbar normales Leben verändern kann. Noch vor wenigen Jahren standen für die junge Frau ganz andere Dinge im Mittelpunkt: Familie, ihre kleine Tochter, gemeinsame Pläne und die vielen alltäglichen Momente, die man oft erst dann zu schätzen beginnt, wenn sie nicht mehr selbstverständlich sind.
Heute ist jeder gute Tag für Patrice etwas Besonderes.
Trotz der schwierigen Diagnose versucht sie, ihr Leben nicht ausschließlich von der Krankheit bestimmen zu lassen. Sie spricht offen über ihre Behandlung, über ihre Ängste und über die Momente, in denen ihr die Kraft fehlt. Gleichzeitig gibt sie immer wieder Einblicke in eine Seite ihres Lebens, die viele Menschen berührt: ihren unbedingten Wunsch, noch möglichst viel Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.
Dabei begann ihre Geschichte nicht mit einer dramatischen Nachricht in einem Krankenhaus. Es war zunächst nur eine kleine Veränderung an ihrer Haut.
Während ihrer Schwangerschaft mit ihrer Tochter Malika bemerkte Patrice einen dunklen Fleck an ihrem Hals. Zunächst schien es keinen Grund für große Sorge zu geben. Ärzte beruhigten sie, und nach der Geburt konzentrierte sich die junge Mutter vor allem auf ihr Baby.
Doch der Fleck verschwand nicht.
Im Gegenteil: Er wurde größer. Irgendwann begann er zu jucken und zu bluten. Auch optisch veränderte er sich. Patrice erzählt später, dass ihre Mutter sie schließlich dazu drängte, noch einmal einen Arzt aufzusuchen.
Dann kam der Moment, der ihr Leben veränderte.
Bei der Untersuchung wurde eine Biopsie gemacht. Patrice erinnert sich an den Blick des Arztes. Noch bevor sie die endgültige Diagnose ausgesprochen bekam, ahnte sie, dass etwas nicht stimmte. Für sie wurde aus einem zunächst scheinbar unbedeutenden Fleck plötzlich eine lebensbedrohliche Erkrankung.
Es handelte sich um schwarzen Hautkrebs.

Von diesem Zeitpunkt an begann ein langer Weg aus Untersuchungen, Therapien und neuen Hoffnungen. Patrice musste sich immer wieder mit der Frage auseinandersetzen, welche Behandlung als Nächstes möglich ist und wie ihr Körper darauf reagieren würde.
Für eine junge Mutter ist diese Situation besonders schwer.
Denn Patrice kämpft nicht nur für sich selbst. Ihre Tochter ist für sie einer der wichtigsten Gründe, weiterzumachen. Malika ist noch klein, und genau deshalb möchte Patrice ihr möglichst lange als Mutter erhalten bleiben.
Immer wieder spricht sie darüber, wie sehr ihr Kind ihr Kraft gibt.
Es gibt Tage, an denen die Krankheit beinahe alles überschattet. Und dann gibt es andere Tage, an denen Patrice wieder Hoffnung schöpft. Sie beschreibt diese Schwankungen sehr offen. Manchmal fühlt sie sich erschöpft und voller Angst. An anderen Tagen kann sie sich vorstellen, dass doch noch vieles möglich ist.
Gerade diese unterschiedlichen Gefühle machen ihre Geschichte so persönlich.
Denn Patrice versucht nicht, ihre Situation schöner darzustellen, als sie ist. Sie spricht über die Belastung und darüber, wie schwer es sein kann, immer wieder neue Therapien durchzustehen. Gleichzeitig möchte sie nicht, dass die Krankheit ihr gesamtes Leben bestimmt.
Auch ihr Ehemann Daniel Aminati steht an ihrer Seite.
Für ihn ist die Situation ebenfalls eine enorme Belastung. Er spricht offen über die Angst, seine Frau verlieren zu können. Trotzdem versucht er, nicht in Hoffnungslosigkeit zu versinken. Meditation, Sport und Gebet helfen ihm nach eigenen Angaben dabei, mit den schwierigen Momenten umzugehen.
Gemeinsam entschieden sich Patrice und Daniel für einen Weg, den sie selbst als „Weg der Hoffnung“ bezeichneten.
Dieser Gedanke ist für beide besonders wichtig. Sie wissen, dass die Situation ernst ist. Aber sie möchten sich nicht ausschließlich mit dem Gedanken an das Ende beschäftigen. Stattdessen versuchen sie, die Zeit, die ihnen bleibt, bewusst zu erleben.
Und genau darin liegt eine der ungewöhnlichsten Seiten ihrer Geschichte.
Patrice möchte weiterhin Pläne machen.
Sie möchte ihre Tochter aufwachsen sehen. Sie möchte reisen, lachen, Zeit mit ihrer Familie verbringen und ganz normale Momente erleben. Dinge, die für andere Menschen selbstverständlich erscheinen, bekommen für sie eine völlig andere Bedeutung.
Ein Spaziergang. Ein gemeinsames Essen. Ein sonniger Tag. Zeit mit ihrer Tochter.
All diese Momente können plötzlich besonders wertvoll werden.
Dabei gab es durchaus Phasen, in denen die Hoffnung einen schweren Rückschlag erlitt. Im März 2025 wurde erneut eine Metastase festgestellt. Damit veränderte sich die Situation erneut. Die Erkrankung hatte bereits Stadium 4 erreicht und galt als nicht heilbar.
Für viele Menschen wäre diese Nachricht kaum vorstellbar.
Doch Patrice wollte weiterhin nach vorne schauen.
Sie erklärte, dass sie noch immer an ein Wunder glaube. Auch die Hoffnung auf neue medizinische Möglichkeiten gab ihr Kraft. Sie hoffte darauf, dass Medikamente entwickelt werden könnten, die ihr mehr Zeit schenken.
Ihre Worte zeigen, wie sehr sich ihr Blick auf das Leben verändert hat.
Früher konnte Zukunft wahrscheinlich in Jahren gedacht werden. Heute zählt für Patrice viel stärker der einzelne Tag. Gleichzeitig möchte sie sich nicht von dieser Krankheit auf eine einzige Rolle reduzieren lassen.
Sie ist nicht nur eine Patientin.
Sie ist Mutter. Ehefrau. Tochter. Freundin. Und vor allem ein Mensch, der weiterhin Pläne hat.
Genau deshalb fällt es ihr so schwer, über Abschied nachzudenken.
Denn trotz aller medizinischen Rückschläge gibt es für Patrice weiterhin gute Tage. Tage, an denen sie wieder glaubt, dass alles möglich sein könnte. Diese Hoffnung verschwindet nicht einfach, nur weil die Diagnose schwer ist.
Und genau hier liegt die wichtigste Aussage ihrer Geschichte.
Patrice will leben.
Sie will nicht aufgeben. Sie will ihre Tochter nicht zurücklassen. Sie will weiterhin erleben, wie Malika größer wird, neue Dinge entdeckt und ihren eigenen Weg geht.
Im Mittelpunkt ihres Kampfes steht deshalb nicht nur die Krankheit.
Es geht um Zeit.
Um zusätzliche Tage, zusätzliche Monate und um die Möglichkeit, noch möglichst viele Erinnerungen mit den Menschen zu sammeln, die sie liebt.
Und am Ende ihrer Geschichte steht deshalb keine Aussage darüber, dass sie sich von ihrem Leben verabschieden möchte.
Ganz im Gegenteil.
Patrice Aminati sagt deutlich, dass sie nicht Abschied nehmen möchte – von nichts und niemandem. Sie liebt ihr Leben und möchte so lange wie möglich weiterleben. Ihre Tochter ist dabei einer ihrer größten Antriebe, alles zu versuchen, was in ihrer Macht steht.
Trotz einer Diagnose, die als unheilbar gilt, hält sie an dieser Hoffnung fest.
Nicht, weil die Situation einfach wäre.
Sondern weil für Patrice jeder weitere Tag mit ihrer Familie einen Wert hat, für den sie weiterkämpfen möchte.
Und genau diese Entscheidung – trotz Angst, Erschöpfung und Rückschlägen weiterhin nach vorne zu schauen – ist das, was ihre Geschichte so eindringlich macht.