50 Jahre später kehrt Johann Lafer an den Ort zurück, an dem alles begann – doch diesmal ist die Rückkehr viel persönlicher als erwartet

Fünf Jahrzehnte können ein ganzes Leben verändern. Für Johann Lafer bedeuten sie eine außergewöhnliche Reise: vom jungen Kochlehrling in Graz zum international bekannten Spitzenkoch, TV-Star und Bestsellerautor. Doch nach genau 50 Jahren kehrte Lafer nun an jenen Ort zurück, an dem diese Geschichte einst begann. Und diesmal war es nicht einfach nur ein Jubiläum.

Im Grazer „Gösser Bräu“ schloss Johann Lafer vor einem halben Jahrhundert seine Kochausbildung ab. Genau dort, wo er als junger Mann die Grundlagen seines Handwerks lernte, wurde nun auf seine außergewöhnliche Karriere zurückgeblickt. Der Besuch führte ihn zurück zu seinen beruflichen Wurzeln – und zu einer Zeit, in der noch niemand wissen konnte, wohin sein Weg einmal führen würde.

Damals war Lafer noch weit davon entfernt, einer der bekanntesten Köche im deutschsprachigen Raum zu sein. Es gab keine großen Fernsehauftritte, keine Bestsellerbücher und keine internationale Bekanntheit. Es gab vor allem Arbeit, Ausbildung und die tägliche Herausforderung, ein Handwerk von Grund auf zu erlernen.

Heute sieht seine Bilanz völlig anders aus.

Lafer wurde zu einem bekannten Gesicht der deutschen und österreichischen Kochwelt. Als Fernsehkoch erreichte er ein Millionenpublikum, veröffentlichte zahlreiche Bücher und machte regionale Küche auch über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Doch bei seiner Rückkehr nach Graz rückte nicht der Ruhm in den Mittelpunkt.

Viel wichtiger war für ihn die Erinnerung an den Anfang.

Lafer betonte, dass er in Graz nicht nur das Kochen gelernt habe. Dort habe er auch einen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln, ein Gefühl für Qualität und die Bedeutung harter Arbeit mitgenommen. Gerade diese Werte seien für seinen weiteren beruflichen Weg entscheidend gewesen.

Das Jubiläum bekam deshalb eine besondere Bedeutung.

Denn ausgerechnet an diesem Tag ging es nicht nur um Johann Lafer. Sein persönlicher Weg sollte auch zeigen, welche Möglichkeiten eine klassische Berufsausbildung eröffnen kann. Die Wirtschaftskammer und der Steiermark Tourismus nutzten das Jubiläum, um ein neues gastronomisches Ausbildungszentrum im „Center of Excellence“ vorzustellen.

Die Idee dahinter ist, jungen Menschen moderne und praxisnahe Möglichkeiten in Gastronomie und Tourismus zu bieten.

Lafer selbst sieht seine eigene Geschichte als Beispiel dafür, was aus einer solchen Ausbildung entstehen kann. Eine Kochlehre, die einst in Graz begann, wurde zum Fundament einer internationalen Karriere.

Doch der Tag hatte noch eine andere Seite.

Wer Lafer in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß, dass seine Rückkehr nach Graz in eine besondere Phase seines Lebens fällt. Im Mai 2026 machte der Spitzenkoch öffentlich, dass er an Krebs erkrankt ist. Seitdem spricht er immer wieder darüber, wie sich sein Blick auf das Leben verändert hat.

Dabei geht er mit seiner Situation auffallend offen um.

Er berichtet von medizinischen Behandlungen und davon, dass die Erkrankung seinen Alltag verändert hat. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er nicht auf seine Krankheit reduziert werden möchte. In einem Gespräch mit dem ORF erklärte er, dass er auf seine Ärzte und auf sich selbst vertrauen müsse und positiv bleiben wolle.

Diese Aussagen geben seiner Rückkehr nach Graz eine zusätzliche Dimension.

Denn 50 Jahre nach seinem Lehrabschluss steht Lafer nicht mehr am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. Er blickt auf Jahrzehnte voller Erfahrungen zurück. Gleichzeitig befindet er sich persönlich in einer Zeit, in der Gesundheit und Lebenszeit eine andere Bedeutung bekommen können.

Seine Botschaft in Graz war deshalb nicht von Selbstmitleid geprägt.

Im Gegenteil.

Lafer sprach über Dankbarkeit.

Dankbarkeit für seine Ausbildung. Für die Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben. Für die Möglichkeiten, die sich aus seiner Lehre entwickelt haben. Und für die Chance, seine Erfahrungen an eine neue Generation weiterzugeben.

Gerade dieser Gedanke stand im Mittelpunkt der Feier.

Denn Lafer wollte offenbar nicht nur zurückblicken. Er wollte etwas weitergeben.

Seine Geschichte begann in einem Gasthaus in Graz. Sie führte ihn in die internationale Gastronomie, ins Fernsehen und in die Welt der Kochbücher. Doch für ihn blieb die Ausbildung ein entscheidender Ausgangspunkt.

Und vielleicht erklärt genau das, warum die Rückkehr nach 50 Jahren so emotional wirkte.

Das „Gösser Bräu“ war nicht einfach ein beliebiger Ort aus seiner Vergangenheit. Es war der Ort, an dem aus einem jungen Menschen ein Koch werden sollte.

Viele Menschen erleben Jubiläen als Gelegenheit, alte Fotos hervorzuholen und sich an vergangene Zeiten zu erinnern. Bei Lafer war es mehr als das. Seine Rückkehr verband Vergangenheit und Gegenwart auf ungewöhnliche Weise.

Er stand wieder dort, wo er einst als Lehrling gearbeitet hatte.

Doch inzwischen waren fünf Jahrzehnte vergangen.

Aus dem Lehrling war ein international bekannter Koch geworden.

Und aus einem persönlichen Jubiläum wurde gleichzeitig ein Anlass, über die Zukunft junger Menschen in der Gastronomie zu sprechen.

Auch Wegbegleiter und Persönlichkeiten aus der Steiermark waren dabei. Zu den Gratulanten gehörten unter anderem der frühere Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und der Gastronom Charly Temmel. Auch Robert Grossauer vom „Gösser Bräu“ würdigte die Verbindung zwischen Lafer und dem Haus.

Graz: Wo alles begann - Johann Lafer nach 50 Jahren zurück im Lehrbetrieb | krone.at

Dabei wurde deutlich, dass Lafer seine Verbindung zur Steiermark nie verloren hat.

Seit rund 30 Jahren ist er offizieller Botschafter der Steiermark. Über Fernsehen, Bücher, Veranstaltungen und andere Projekte hat er die kulinarischen Traditionen seiner Heimat einem größeren Publikum nähergebracht. Kernöl, Backhendl, Buschenschank und andere steirische Spezialitäten wurden zu einem Teil seiner öffentlichen kulinarischen Identität.

Doch an diesem Tag ging es weniger um einzelne Gerichte.

Es ging um einen Lebensweg.

Und um die Frage, was nach 50 Jahren von den ersten Erfahrungen bleibt.

Lafer gab darauf eine sehr klare Antwort: die Haltung.

Respekt vor Lebensmitteln. Qualität. Fleiß. Menschlichkeit.

Diese Werte, so seine Botschaft, seien nicht nur in einer Küche wichtig.

Sie könnten auch im Leben selbst eine Rolle spielen.

Besonders eindringlich war sein Appell an die Menschen, darüber nachzudenken, wie sie andere behandeln. Er verband seine beruflichen Erfahrungen mit einer sehr persönlichen Lebensphilosophie: Man solle sich fragen, ob das eigene Handeln auch anderen zugemutet werden könne.

Und genau an diesem Punkt wurde das Jubiläum plötzlich viel größer als eine Feier zum Lehrabschluss.

Es ging nicht mehr nur um einen Koch und seine Karriere.

Es ging um das, was ein Mensch nach einem halben Jahrhundert wirklich mitnimmt.

Doch die wohl bewegendste Ebene dieser Rückkehr zeigt sich erst, wenn man den Zeitpunkt betrachtet.

Johann Lafer ist heute 68 Jahre alt. Vor 50 Jahren stand er am Anfang seines Berufslebens. Heute blickt er auf eine außergewöhnliche Karriere zurück – und gleichzeitig auf eine persönliche Situation, die ihn nach eigenen Worten bewusster leben lässt.

Er sagte, die Erkrankung habe ihn langsamer, wacher und demütiger gemacht. Gleichzeitig erklärte er, dass er weiter leben, arbeiten, lieben und neue Ideen entwickeln wolle.

Damit bekommt auch sein Besuch in Graz eine andere Bedeutung.

Denn Lafer kehrte nicht einfach an seinen früheren Arbeitsplatz zurück.

Er kehrte an den Ausgangspunkt seines Lebens als Koch zurück – in einem Moment, in dem er besonders deutlich spürt, wie wertvoll Zeit, Arbeit, Begegnungen und Erinnerungen sein können.

Und vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft dieses Tages.

Vor 50 Jahren begann im „Gösser Bräu“ eine Kochlehre. Niemand konnte damals wissen, dass daraus eine internationale Karriere entstehen würde. Heute kehrt Johann Lafer als gefeierter Spitzenkoch zurück – und spricht nicht über Ruhm, sondern vor allem über Dankbarkeit, Menschlichkeit und die Chance, trotz aller Veränderungen weiter nach vorne zu schauen.

Sein Jubiläum wurde damit zu einer Begegnung zwischen dem jungen Lehrling von damals und dem erfahrenen Koch von heute.

Und genau diese Verbindung machte seine Rückkehr nach Graz zu weit mehr als einem gewöhnlichen Jubiläum.