Die Legende aus „Paul und Paula“ ist mit 85 Jahren gestorben: Angelica Domröses Leben verbarg weit mehr, als die Zuschauer wussten

Es gibt Schauspielerinnen, deren Rollen irgendwann größer werden als sie selbst. Menschen, deren Gesicht mit определённым фильмом навсегда связывается с целым поколением. Angelica Domröse gehörte zu diesen seltenen Persönlichkeiten. Für Millionen Zuschauer war sie vor allem Paula – die Frau aus dem DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“, die liebte, kämpfte und sich nicht einfach mit den Regeln ihrer Zeit abfinden wollte.

Nun ist diese Stimme verstummt.

Angelica Domröse ist im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben. Die Nachricht von ihrem Tod wurde am 15. Mai 2026 bekannt. Nur wenige Wochen zuvor hatte sie ihren 85. Geburtstag gefeiert.

Für viele Menschen ist ihr Tod deshalb nicht nur der Abschied von einer bekannten Schauspielerin. Er erinnert an eine Zeit, in der das Kino noch anders funktionierte, das Fernsehen andere Gesichter hatte und bestimmte Filme zu einem Teil der persönlichen Erinnerung wurden.

Wenn heute Bilder von Domröse aus ihrer Jugend auftauchen, fällt zunächst ihre besondere Ausstrahlung auf. Sie war keine Schauspielerin, die allein durch äußere Schönheit auffallen wollte. Ihre Stärke lag vielmehr in ihrem Blick, ihrer Präsenz und der Fähigkeit, Figuren mit widersprüchlichen Gefühlen glaubwürdig darzustellen.

Ihre Karriere begann bereits in sehr jungen Jahren.

Angelica Domröse wurde am 4. April 1941 in Berlin geboren und wuchs in der schwierigen Nachkriegszeit auf. Schon als Jugendliche interessierte sie sich für das Schauspiel. Mit gerade einmal 17 Jahren kam sie über ein Casting zum Film. Ihr erstes großes Filmdebüt gab sie 1959 in „Verwirrung der Liebe“ unter der Regie von Slatan Dudow.

Was danach folgte, war eine außergewöhnliche Karriere.

Domröse arbeitete am Berliner Ensemble, später an der Berliner Volksbühne und wurde zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR. Sie spielte in zahlreichen Filmen und Fernsehproduktionen und wurde in den 1970er-Jahren sogar mehrfach zur DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres gewählt. Bis zu ihrer Ausreise aus der DDR im Jahr 1980 stand sie in mehr als 50 Filmen vor der Kamera.

Doch eine Rolle veränderte alles.

1973 kam „Die Legende von Paul und Paula“ in die Kinos. An der Seite von Winfried Glatzeder spielte Domröse eine alleinstehende Mutter von zwei Kindern, die sich in einen verheirateten Mann verliebt und sich gegen gesellschaftliche Erwartungen auflehnt.

Der Film wurde zum Kult.

Und Angelica Domröse wurde zu Paula.

Die Figur war für viele Zuschauer weit mehr als eine Filmrolle. Paula verkörperte eine Frau, die Gefühle ernst nahm, die sich nach einem anderen Leben sehnte und trotz aller Hindernisse ihren eigenen Weg suchte. Gerade deshalb wurde die Rolle für eine ganze Generation zu einer Identifikationsfigur. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Domröse später als eine der prägendsten Schauspielerinnen Deutschlands und betonte, ihr Werk spiegele die jüngere deutsche Geschichte wider.

Doch während Paula auf der Leinwand für Freiheit und Lebenswillen stand, wurde auch Domröses eigenes Leben zunehmend komplizierter.

1976 unterschrieb sie eine Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Diese Entscheidung hatte Konsequenzen. Die staatlichen Behörden der DDR machten ihr das Leben schwerer. Vier Jahre später verließ sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Hilmar Thate, die DDR und ging in den Westen.

Für einen Künstler bedeutete dieser Schritt ein enormes Risiko.

Domröse hatte in der DDR bereits einen Namen. Doch im Westen musste sie sich beruflich erneut behaupten.

Und sie schaffte es.

Sie spielte am Schiller-Theater in West-Berlin und arbeitete auch später für Film und Fernsehen. Besonders bemerkenswert: Sie gehörte zu den wenigen Schauspielern aus der DDR, denen es gelang, auch nach der Übersiedlung in den Westen erfolgreich weiterzuarbeiten. Sie trat unter anderem in „Polizeiruf 110“ auf und übernahm auch Rollen in westdeutschen Produktionen.

Doch hinter der erfolgreichen Schauspielerin existierte eine Seite, über die lange weniger gesprochen wurde.

Domröse hatte auch schwierige Jahre.

Angelica Domröse: DDR-Filmikone mit 85 Jahren gestorben | GALA.de

Sie verlor ihren Ehemann Hilmar Thate, mit dem sie jahrzehntelang verbunden war, im Jahr 2016. Und bereits Jahre zuvor hatte sie in ihren Erinnerungen sehr offen über eine persönliche Krise gesprochen, die ihr Leben über lange Zeit belastet hatte.

2003 veröffentlichte sie ihre Autobiografie „Ich fang mich selbst ein“. Darin sprach sie auch über ihre jahrelange Alkoholsucht – und darüber, wie sie es schließlich geschafft hatte, diese zu überwinden.

Gerade diese Tatsache verändert den Blick auf ihr Leben.

Denn Angelica Domröse war nicht nur der gefeierte Star aus einem der berühmtesten DDR-Filme. Sie war eine Frau, die enorme berufliche Erfolge erlebt hatte, politische Konsequenzen tragen musste, ihre Heimat verließ und gleichzeitig mit persönlichen Problemen kämpfte.

Und vielleicht war gerade das der Grund, warum ihre Figuren so glaubwürdig wirkten.

Sie kannte selbst die Widersprüche des Lebens.

Nach ihrem großen Film- und Theatererfolg arbeitete Domröse auch als Regisseurin und unterrichtete zeitweise an Berliner Schauspielschulen. Sie blieb der Kunst verbunden, auch als sie sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzog. Ihr letzter Kinofilm war 2012 „Bis zum Horizont, dann links!“, in dem sie an der Seite von Otto Sander spielte. Danach wurde es stiller um sie.

Viele jüngere Zuschauer kannten sie vielleicht nur noch aus Archivaufnahmen.

Doch für eine ganze Generation blieb ihr Gesicht unvergessen.

Besonders bewegend ist deshalb der Gedanke, dass die Schauspielerin, die einst als junge Paula auf der Leinwand gegen Konventionen ankämpfte, selbst ein Leben voller Brüche und Neuanfänge führte.

Sie wurde in Berlin geboren, wurde in der DDR zum Star, stellte sich gegen eine politische Entscheidung des Staates, verließ schließlich ihre Heimat und begann im Westen ein neues Kapitel. Sie verlor Menschen, die ihr wichtig waren, kämpfte gegen eine schwere persönliche Abhängigkeit und fand dennoch wieder zurück zu ihrer Arbeit.

Das vielleicht größte Geheimnis ihrer Geschichte liegt deshalb nicht in einem einzelnen Film.

Es liegt in ihrem eigenen Leben.

Denn hinter der berühmten „Paula“ stand eine Frau, die selbst erfahren musste, wie schwer es sein kann, sich aus einer vorgegebenen Rolle zu befreien.

Am Ende bleibt deshalb nicht nur die Erinnerung an einen DDR-Kultfilm.

Es bleibt das Bild einer Schauspielerin, die mehr als sechs Jahrzehnte deutscher Geschichte miterlebt hat – und deren eigenes Leben beinahe wie ein Film wirkt.

Angelica Domröse starb am 15. Mai 2026 in Berlin, im Alter von 85 Jahren. Die genaue Todesursache wurde zunächst nicht öffentlich bekannt gegeben.

Doch vielleicht ist es genau ihre berühmteste Rolle, die nun am stärksten an sie erinnert.

Paula wollte nicht einfach hinnehmen, was andere für sie vorgesehen hatten.

Und Angelica Domröse selbst tat das offenbar auch nicht.

Sie blieb bis zuletzt eine Frau mit Haltung, Charakter und einer Geschichte, die weit über die berühmte Rolle hinausging.