Dickes Deutschland: Wenn selbst der Alltag zur Belastungsprobe wird – und ein letzter Ausweg alles verändern könnte

Für die meisten Menschen sind Dinge wie Duschen, Treppensteigen, Anziehen oder ein kurzer Spaziergang vollkommen selbstverständlich. Man macht sie, ohne darüber nachzudenken. Doch für manche Menschen können genau diese alltäglichen Situationen zu einer enormen Herausforderung werden.

Die RTLZWEI-Reportage „Dickes Deutschland – Unser Leben mit Übergewicht“ begleitet Menschen, für die das eigene Körpergewicht längst nicht mehr nur eine Frage des Aussehens ist. Es geht um Beweglichkeit, Selbstständigkeit, Beziehungen, Arbeit und die Hoffnung, irgendwann wieder ein anderes Leben führen zu können. Die erste Folge trägt deshalb einen bezeichnenden Titel: „Unser schwerer Alltag“.

Im Mittelpunkt stehen mehrere Menschen, deren Geschichten unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder von ihnen versucht auf seine Weise, mit einer Situation umzugehen, die sich über Jahre entwickelt hat.

Einer von ihnen ist Carsten. Der 42-Jährige hat mehr als 200 Kilogramm und wünscht sich nichts sehnlicher, als sein Leben grundlegend zu verändern. Früher arbeitete er als Glas- und Gebäudereiniger. Inzwischen ist er aufgrund seines Gewichts arbeitsunfähig.

Damit hat sich sein Alltag vollkommen verändert.

Was für andere Menschen nur wenige Minuten dauert, kann für Carsten zu einer körperlichen Belastungsprobe werden. Schon das Treppensteigen fällt ihm schwer. Selbst das Duschen ist für ihn keine einfache Alltagstätigkeit mehr.

Besonders deutlich wird seine Situation, als er sich anziehen möchte. Dabei ist er auf die Hilfe seiner Freundin Sabine angewiesen. Für einen Menschen, der sein Leben vermutlich lange selbstständig organisiert hat, ist diese Abhängigkeit sicherlich eine enorme Veränderung.

Doch Carsten möchte diesen Zustand nicht einfach akzeptieren.

Er möchte ein neues Leben.

Und deshalb setzt er seine Hoffnung auf einen medizinischen Eingriff. Eine Magen-Operation könnte ihm dabei helfen, sein Gewicht zu reduzieren. Doch bevor es dazu kommen kann, muss zunächst die Krankenkasse zustimmen. Damit beginnt für Carsten ein weiterer Kampf – und diesmal geht es nicht nur darum, Gewicht zu verlieren.

Es geht um die Chance, wieder mehr Kontrolle über sein eigenes Leben zu bekommen.

Wie schwierig die Situation für ihn bereits geworden ist, zeigt eine scheinbar ganz normale Szene. Carsten bekommt Besuch von Freunden. Natürlich gehört zu einem solchen Treffen auch Kuchen.

Doch als Teller und Besteck nach oben gebracht werden müssen, wird aus einer Kleinigkeit plötzlich eine enorme Anstrengung. Die Treppen werden für ihn zur Belastung, jeder einzelne Schritt kostet Kraft. RTLZWEI beschreibt diese Situation ausdrücklich als „Belastung bei jedem Schritt“.

Während Carsten davon träumt, wieder leichter leben zu können, kämpft ein anderer Teilnehmer mit einem ganz anderen Problem.

Samuel ist erst 27 Jahre alt.

Doch sein Essverhalten hat bereits massive Auswirkungen auf seinen Alltag. Nach Angaben von RTLZWEI isst Samuel bis zu achtmal am Tag. Allein sein Frühstück kann aus sechs Litern Energy-Drinks und 15 Burgern bestehen.

Es sind Mengen, die selbst im Rahmen einer außergewöhnlichen Fernsehdokumentation sprachlos machen.

Doch hinter diesen Zahlen steckt keine bloße Kuriosität.

Samuel wiegt rund 170 Kilogramm. Schon ein kurzer Fußweg bringt ihn außer Atem. Seine Familie macht sich deshalb große Sorgen um ihn. Hinzu kommt, dass der junge Mann raucht.

Für seine Angehörigen geht es daher längst um mehr als sein Gewicht.

Sie sehen, dass sein Lebensstil seinen Körper belastet und dass sich daraus langfristig ernsthafte Probleme entwickeln können.

Samuel versucht dennoch, seinen Alltag zu bewältigen. In einem der gezeigten Momente wird besonders deutlich, wie stark Essen bereits seinen Tagesablauf bestimmt. Ein kurzer Weg wird zum Hindernis, und selbst für eine Fahrt zu einem Drive-in wird ein Scooter benutzt.

Solche Szenen wirken zunächst vielleicht ungewöhnlich.

Doch genau darin liegt die Stärke der Reportage.

Sie zeigt nicht einfach Menschen, die abnehmen möchten. Sie zeigt, wie Übergewicht einen Alltag Schritt für Schritt verändern kann.

Und während Carsten noch auf die Genehmigung für seine Operation wartet, haben zwei weitere Teilnehmer bereits einen wichtigen Schritt hinter sich.

Andreas ist 34 Jahre alt, Julia 36. Das Paar aus Rheinland-Pfalz lernte sich über soziale Netzwerke kennen. Gemeinsam bringen die beiden zu Beginn der Geschichte fast 300 Kilogramm auf die Waage.

Auch bei ihnen spielt eine Operation eine zentrale Rolle.

Beide haben bereits eine Schlauchmagen-Operation hinter sich. Doch auch eine solche Operation beendet die Probleme nicht automatisch.

Bei Julia hat der Gewichtsverlust neue psychische Belastungen ausgelöst. Durch die starke Abnahme sind Hautlappen entstanden, die sie emotional belasten.

Damit wird deutlich, dass ein großer Gewichtsverlust nicht nur eine Erfolgsgeschichte ist.

Der Körper verändert sich.

Das Leben verändert sich.

Aber auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers kann sich verändern.

Andreas wiederum hat bereits einen gewaltigen Weg zurückgelegt. Vor seiner Operation wog er 350 Kilogramm. Zum Zeitpunkt der Reportage sind es noch 195 Kilogramm.

Das bedeutet einen enormen Unterschied.

Doch Andreas betrachtet seinen Weg noch lange nicht als abgeschlossen.

Er möchte weiter abnehmen.

Und genau hier entsteht eine weitere Frage: Wie weit kann ein Mensch gehen, wenn er sich einmal entschieden hat, sein Leben grundlegend zu verändern?

Die Geschichten von Carsten, Samuel, Andreas und Julia zeigen vier unterschiedliche Seiten desselben Problems. Bei dem einen geht es um die Abhängigkeit von der Partnerin. Beim anderen um ein Essverhalten, das den gesamten Alltag bestimmt. Bei Julia stehen die Folgen einer starken Gewichtsabnahme im Mittelpunkt, während Andreas trotz eines enormen Erfolgs noch längst nicht am Ziel angekommen ist.

Doch die Reportage beschränkt sich nicht auf einzelne Schicksale.

Sie zeigt ein grundsätzliches Problem: Wenn das Gewicht immer weiter steigt, können irgendwann ganz einfache Dinge schwierig werden. Treppensteigen, Schuhe anziehen, Duschen oder längere Wege zu Fuß können zu täglichen Herausforderungen werden. RTLZWEI beschreibt genau diese Einschränkungen als zentrale Themen der Langzeit-Reportage.

Und damit verändert sich auch die Bedeutung des Wortes „Alltag“.

Für Carsten ist ein Besuch bei Freunden nicht einfach nur ein gemütlicher Nachmittag.

Für Samuel ist ein kurzer Spaziergang keine Selbstverständlichkeit.

Für Julia ist die Gewichtsabnahme nicht nur eine Zahl auf der Waage.

Dickes Deutschland“: RTL2 geht es nur um puren Voyeurismus ohne Schamgrenze  - FOCUS online

Und für Andreas bedeutet die bisherige Gewichtsabnahme noch lange nicht, dass sein Weg vorbei ist.

Doch je länger man die Geschichten verfolgt, desto stärker stellt sich eine entscheidende Frage:

Was passiert, wenn der eigene Körper irgendwann bestimmt, was man noch tun kann – und was nicht mehr?

Bei Carsten wird diese Frage besonders eindringlich.

Er hat bereits mehr als 200 Kilogramm erreicht. Er kann nicht mehr arbeiten. Selbst das Anziehen funktioniert ohne Sabines Hilfe nicht. Gleichzeitig setzt er seine Hoffnung auf eine Magen-Operation.

Doch genau diese Operation ist zunächst noch nicht sicher.

Die Krankenkasse muss sie genehmigen.

Und damit hängt für Carsten möglicherweise sehr viel von einer Entscheidung ab, die er selbst nicht kontrollieren kann.

Das macht seine Geschichte so spannend.

Denn hinter der Operation steht für ihn offenbar nicht einfach der Wunsch nach einer kleineren Zahl auf der Waage.

Er möchte wieder selbstständiger werden.

Er möchte sich wieder anziehen können.

Er möchte Treppen steigen können, ohne dass jeder Schritt zur Qual wird.

Er möchte wieder arbeiten können.

Kurz gesagt: Er möchte sein altes Leben zurück – oder vielleicht zum ersten Mal überhaupt ein völlig neues beginnen.

Und genau hier liegt die wichtigste Erkenntnis der ersten Folge.

Die größten Veränderungen beginnen nicht unbedingt mit einer spektakulären Zahl auf der Waage.

Sie beginnen mit einem ganz einfachen Wunsch: morgens aufzustehen und Dinge tun zu können, die für andere selbstverständlich sind.

Carsten wartet auf die Entscheidung über seine Operation. Samuel steht vor der Aufgabe, sein Essverhalten und seinen Lebensstil zu verändern. Julia versucht, mit den Folgen ihrer Gewichtsabnahme zurechtzukommen. Und Andreas will trotz der bereits verlorenen mehr als 150 Kilogramm weiterkämpfen.

Am Ende geht es deshalb nicht nur um Übergewicht.

Es geht um Selbstständigkeit, Beziehungen, Hoffnung und die Frage, ob ein Mensch den Moment erreicht, an dem er sagt: So kann es nicht weitergehen.

Für Carsten scheint dieser Moment bereits gekommen zu sein.

Denn sein größter Wunsch ist nicht, anders auszusehen.

Sein größter Wunsch ist viel einfacher:

wieder selbst über sein eigenes Leben bestimmen zu können.