Johann Lafer spricht offen über seinen schweren Kampf gegen den Krebs

Monatelang bemerkten die Menschen, dass etwas mit Johann Lafer anders war. Der bekannte TV-Koch, der über Jahrzehnte hinweg mit seinem charakteristischen Schnurrbart, seiner Energie und seinem selbstbewussten Auftreten auf den Bildschirmen präsent war, wirkte plötzlich verändert. Er hatte deutlich an Gewicht verloren, trug häufiger eine Mütze und schien körperlich nicht mehr derselbe zu sein. Doch über den wahren Grund sprach er lange Zeit nicht.

Stattdessen versuchte Lafer, seinen Alltag so normal wie möglich weiterzuführen. Termine wurden abgesagt, Auftritte verschoben und immer wieder mussten Erklärungen gefunden werden. Gleichzeitig wurden die Veränderungen an ihm immer offensichtlicher. Besonders ein Auftritt im „ZDF-Fernsehgarten“ sorgte schließlich dafür, dass die Spekulationen nicht mehr aufhörten.

Für den 68-Jährigen wurde die Situation zunehmend belastend. Denn während sich die Öffentlichkeit fragte, warum der beliebte Koch plötzlich so stark abgenommen hatte und warum seine Haare verschwunden waren, wusste Lafer längst, was wirklich hinter den Veränderungen steckte.

Er selbst beschreibt diese Zeit rückblickend als eine Phase, in der er immer wieder versucht habe, sein Privatleben zu schützen. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Nach seinem Fernsehauftritt setzte eine regelrechte Welle von Berichten und Spekulationen ein. Es wurde über mögliche neue Beziehungen, eine Diät, eine Midlife-Crisis und seinen Gesundheitszustand gesprochen.

Für Lafer wurde es zunehmend schwieriger, so zu tun, als sei alles normal. Er habe sich nach eigenen Worten irgendwann eingestanden: „Ich konnte nicht mehr.“ Gemeinsam mit seiner Frau Silvia entschied er schließlich, die Wahrheit öffentlich zu machen.

Was danach geschah, empfand der Koch trotz der Schwere der Nachricht in gewisser Weise als Befreiung. Er musste sich nicht länger verstecken, keine Ausreden mehr erfinden und niemandem erklären, warum er bestimmte Termine nicht wahrnehmen konnte. Zum ersten Mal konnte er offen darüber sprechen, was sich in seinem Leben verändert hatte.

Dabei begann seine Geschichte nicht erst wenige Wochen vor seinem öffentlichen Geständnis. Die Diagnose hatte er bereits rund zweieinhalb Jahre zuvor erhalten. Entdeckt wurde die Erkrankung bei einer Routineuntersuchung. Der Moment, in dem ihm die Ärzte die Nachricht überbrachten, hat sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt. Drei Professoren saßen ihm gegenüber und erklärten ihm die Situation. Lafer beschrieb später, dass es sich angefühlt habe, als würde im Kino plötzlich der Vorhang fallen.

Zunächst versuchte der Starkoch offenbar auch alternative Behandlungsmöglichkeiten. Doch irgendwann verschlechterte sich sein Zustand deutlich. Besonders Anfang 2026 wurde die Situation ernst. Lafer berichtete von Schwellungen, nächtlichen Schweißausbrüchen und Schlafproblemen. Er merkte, dass etwas grundlegend nicht stimmte und dass er eine andere Form der Behandlung benötigte.

Seitdem befindet er sich in einer intensiven Chemotherapie. Die einzelnen Behandlungen sind für den Körper eine enorme Belastung. Eine Sitzung kann sich über viele Stunden hinziehen. Lafer sprach offen darüber, dass es bessere und schlechtere Phasen gibt und dass er inzwischen gelernt habe, seinen Alltag danach auszurichten.

Besonders schwer fällt ihm dabei ausgerechnet das, was für einen Koch eigentlich zum Leben gehört: das Essen. Lafer erklärte, dass er zeitweise kaum Geschmack wahrnehme und deshalb nur schwer essen könne. Hinzu kommen körperliche Beschwerden wie offene Finger. Für jemanden, dessen berufliches Leben jahrzehntelang von Geschmack, Gerüchen und der Arbeit mit den Händen geprägt war, ist das eine besonders einschneidende Erfahrung.

Trotzdem versucht Lafer, sich nicht vollständig von seiner Krankheit bestimmen zu lassen. Er möchte weiterhin arbeiten, Menschen treffen und seinen Alltag so aktiv wie möglich gestalten. Auch bei einem Termin in München machte er deutlich, dass er sich nicht einfach zurückziehen wolle. Nur zu Hause zu sitzen und über sein Schicksal nachzudenken, sei für ihn nicht der richtige Weg.

Die Reaktionen seiner Mitmenschen geben ihm dabei Kraft. Besonders berühren ihn die Genesungswünsche von Menschen, die ihn persönlich überhaupt nicht kennen. Wenn ein Fremder zu ihm sage, dass er es schaffen werde, sei das für ihn eine enorme Motivation, weiterzukämpfen. Mitleid wünsche er sich dagegen nicht. Er wolle als Mensch wahrgenommen werden – nicht nur als jemand, der an Krebs erkrankt ist.

Auch seine Familie spielt in dieser Zeit eine besonders wichtige Rolle. Lafer hat öffentlich darüber gesprochen, dass sich sein Blick auf sein bisheriges Leben verändert hat. Vieles, was früher selbstverständlich schien, bekommt für ihn heute eine andere Bedeutung. Zeit mit seiner Frau Silvia und seinen Kindern ist für ihn wertvoller geworden. Gleichzeitig blickt er auch kritisch auf Entscheidungen aus der Vergangenheit zurück und fragt sich, ob berufliche Verpflichtungen manchmal zu viel Raum eingenommen haben.

Seine Krankheit hat ihm damit nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine neue Perspektive gegeben. Er versucht, einzelne Momente bewusster wahrzunehmen und nicht ständig auf später zu verschieben. Gerade diese Haltung erklärt vielleicht auch, warum er trotz der schweren Behandlung weiterhin Pläne macht.

Und genau hier kommt eine Seite von Johann Lafer zum Vorschein, mit der viele vermutlich nicht gerechnet hätten.

Denn obwohl die Erkrankung als nicht heilbar gilt, will der Starkoch nicht einfach aufgeben. Nach seinen öffentlichen Aussagen kann die Krankheit zwar nicht beseitigt, aber behandelt und eingedämmt werden. Er stellt sich deshalb weiterhin den Therapien und versucht, nach vorne zu schauen.

Was dabei besonders auffällt: Lafer spricht nicht davon, sein Leben nur noch irgendwie zu überstehen. Im Gegenteil. Er hat weiterhin Wünsche und Ziele. Einer seiner großen persönlichen Träume ist eine Reise, die angesichts seiner aktuellen Situation fast unglaublich klingt: Er möchte das Basislager des Mount Everest im Himalaya erreichen.

Und noch etwas macht seine Geschichte besonders. Lafer hat sich nicht deshalb entschieden, über seine Erkrankung zu sprechen, weil er Aufmerksamkeit wollte. Im Gegenteil: Lange Zeit wollte er genau das verhindern. Erst als die Spekulationen über seinen veränderten Körper und sein Verhalten immer größer wurden, sah er keinen anderen Ausweg mehr.

Heute sagt er, dass ihn die Offenheit sogar befreit habe.

Johann Lafer an Krebs erkrankt: TV-Kollegin entsetzt über "widerliche  Berichte" | Abendzeitung München

Die vielleicht wichtigste Nachricht kam jedoch erst später: Trotz der schweren Behandlung und der Monate voller Erschöpfung zeigte sich im September ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer. Bei seinem erneuten Auftritt im „ZDF-Fernsehgarten“ erklärte Lafer, dass es ihm besser gehe. Besonders bewegend war ein kleines Detail, das für ihn selbst offenbar große Bedeutung hatte: Seine Haare begannen wieder zu wachsen.

Für die Zuschauer war es nur ein kurzer Moment. Für Johann Lafer war es offenbar ein Zeichen, an dem er sich festhalten konnte.

Seine Geschichte ist deshalb längst mehr als die Geschichte eines berühmten Kochs, der schwer erkrankt ist. Sie zeigt einen Menschen, der jahrelang versucht hat, seine Krankheit privat zu halten, der schließlich nicht mehr konnte – und der danach einen anderen Weg einschlug. Nicht verstecken, nicht verdrängen, sondern offen damit umgehen und trotzdem weiterleben.

Und vielleicht ist genau das die überraschendste Wendung dieser Geschichte: Hinter dem Mann, den Millionen aus dem Fernsehen kennen, stand lange Zeit eine Wahrheit, von der fast niemand wusste. Während die Öffentlichkeit über seinen Gewichtsverlust, seine Mütze und sein verändertes Aussehen rätselte, kämpfte Johann Lafer bereits seit Jahren gegen eine schwere Erkrankung.

Heute spricht er darüber – und denkt trotzdem weiter an morgen.