Nach vier Krebsdiagnosen und fünf Operationen spricht Jörg Dahlmann über seinen Weg zurück – und was hinter ihm liegt

Für Jörg Dahlmann sollte der Sommer 2026 eigentlich ganz anders aussehen. Der bekannte Sportkommentator wollte die Fußball-WM aus der Türkei begleiten und wieder das tun, was er seit Jahrzehnten liebt: über den Sport sprechen, Spiele kommentieren und mitten im Geschehen sein.

Doch stattdessen verbrachte der 67-Jährige einen großen Teil des Sommers im Krankenhaus.

Heute, nach Monaten voller medizinischer Eingriffe und schwerer Rückschläge, kann Dahlmann wieder vorsichtig nach vorne schauen. Er erholt sich auf Mallorca und berichtet, dass er seit mehreren Tagen kein Fieber mehr habe. Gegenüber RTL sagte er: „Ich bin wirklich auf dem Weg jetzt nach vorne.“

Für jemanden, der gerade eine der schwierigsten Phasen seines Lebens hinter sich hat, klingt dieser Satz zunächst beinahe schlicht. Doch hinter diesen wenigen Worten verbirgt sich eine Geschichte, die wesentlich dramatischer ist.

Denn Dahlmann hat nicht einfach nur eine schwierige Zeit im Krankenhaus erlebt. In den vergangenen Monaten musste er sich mehreren Operationen unterziehen. Sein Leben wurde plötzlich von Untersuchungen, Schmerzen, Fieber und der Sorge um die eigene Gesundheit bestimmt.

Dabei war die aktuelle Diagnose bereits die vierte Krebserkrankung, die der Sportkommentator öffentlich machte.

Der Ausgangspunkt war ein Tumor in der Leber. Dahlmann hatte im Sommer selbst darüber gesprochen und erklärt, dass bei ihm ein genetischer Defekt festgestellt worden sei. In seiner Familie hatte es bereits mehrere schwere Krebserkrankungen gegeben: Sein Vater, sein Großvater und sein Onkel starben im Alter von 44, 40 und 36 Jahren an Darm- oder Magenkrebs.

Für Dahlmann war die Diagnose deshalb nicht nur eine weitere medizinische Nachricht.

Sie war eine Erinnerung an eine familiäre Geschichte, die ihn seit Jahren begleitet.

Trotzdem versuchte er, seine Situation nicht ausschließlich als Schicksalsschlag zu betrachten. Schon damals sagte er, es sei ein Glück im Unglück gewesen, dass der Krebs früh erkannt worden sei.

Und er entschied sich bewusst dafür, öffentlich darüber zu sprechen.

Dahlmann wollte nicht nur über sich selbst berichten. Er wollte andere Menschen dazu bewegen, Vorsorgeuntersuchungen ernst zu nehmen. Besonders Männer sprach er an, weil diese nach seiner Erfahrung häufig zurückhaltender seien, wenn es um medizinische Untersuchungen gehe.

Doch was danach folgte, hatte offenbar wenig mit einem einfachen Eingriff zu tun.

Die ersten Operationen an der Leber waren geplant. Doch anschließend kamen neue Probleme hinzu. Bei einer Untersuchung entdeckten die Ärzte einen stark vergrößerten Lymphknoten. Ein weiterer Eingriff wurde notwendig.

Dabei fanden die Ärzte einen eitrigen Abszess.

Damit war die schwierige Phase noch lange nicht vorbei.

Es kam zu Blutungen im Bauch. Wieder musste operiert werden. Weitere Eingriffe folgten. Insgesamt wurde Dahlmann schließlich fünfmal operiert.

Für einen Menschen, der sein Berufsleben damit verbracht hat, andere durch sportliche Höhepunkte zu begleiten, muss diese Situation wie ein völliger Bruch mit dem bisherigen Alltag gewirkt haben.

Statt Fußballstadien und Kameras bestimmten nun Krankenhauszimmer und medizinische Behandlungen sein Leben.

Und dann kam ein weiterer Moment, der sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt hat.

Dahlmann musste zeitweise in ein künstliches Koma versetzt werden. Einen Tag lang war er im Koma. Als er wieder zu sich kam, beschrieb er ein ungewöhnliches Erlebnis: Innerhalb kürzester Zeit seien unzählige Bilder an ihm vorbeigerauscht. Er sprach von einem Eindruck von „200.000 Bildern“ und einem besonders intensiven, klirrenden Geräusch.

Doch selbst nach diesem schweren Moment war der Krankenhausaufenthalt noch nicht vorbei.

Später bildeten sich Bakterien an einem zentralen Venenkatheter. Dahlmann selbst fasste seine Erfahrungen rückblickend mit den Worten zusammen, er habe während seiner Zeit im Krankenhaus „alles mitgenommen, was man mitnehmen kann“.

Insgesamt verbrachte er 58 Tage im Krankenhaus.

58 Tage, in denen sich sein Leben fast ausschließlich um seine Gesundheit drehte.

Und während dieser Zeit stand er nicht allein da.

Seine Lebensgefährtin war offenbar eine wichtige Stütze. Sie verbrachte nach seinen Schilderungen während seines Krankenhausaufenthalts jeden Tag viele Stunden bei ihm. Heute hilft sie ihm auch dabei, seinen Körper Schritt für Schritt wieder aufzubauen, denn sie arbeitet als Sporttherapeutin.

Die Rückkehr in den Alltag erfolgt allerdings langsam.

Dahlmann kann noch nicht einfach wieder so leben wie früher. Eine große Narbe am Bauch verursacht weiterhin Beschwerden. Mehr als fünf Kilogramm soll er derzeit nicht tragen. Veranstaltungen sagt er deshalb noch ab.

Er will nichts überstürzen.

Jörg Dahlmann vor schwerer Leber-OP: „Ich habe Angst“ - FOCUS online

Sein Ziel ist es, seinen Körper behutsam wieder aufzubauen.

In zwei oder drei Monaten, so hofft er, könnte er sich wieder deutlich näher an seinem früheren Zustand fühlen.

Dabei gibt es inzwischen einen Grund für vorsichtigen Optimismus.

Nach seinen Angaben wurde der Krebs entfernt und das entnommene Gewebe pathologisch untersucht. Eine Chemotherapie möchte er nach Rücksprache mit seinen Ärzten nicht durchführen. Gleichzeitig nimmt er seine regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen weiterhin sehr ernst. Wegen des genetischen Risikos steht bereits die nächste Darmspiegelung an.

Seine Geschichte hat dabei eine Wirkung entwickelt, mit der er selbst offenbar gerechnet hatte.

Dahlmann berichtet, dass ihn Nachrichten von Menschen erreichen, die sich aufgrund seiner öffentlichen Geschichte untersuchen ließen. Bei einigen wurden tatsächlich gesundheitliche Auffälligkeiten entdeckt.

Genau deshalb bereut er es nicht, über seine Krankheit gesprochen zu haben.

Für ihn geht es längst nicht mehr nur darum, seine eigene Geschichte zu erzählen.

Es geht auch darum, andere wachzurütteln.

Doch trotz all dieser Erfahrungen versucht Dahlmann inzwischen, nicht mehr ausschließlich zurückzuschauen.

Er genießt die ersten Momente der Normalität.

Sonne auf Mallorca. Tage ohne Fieber. Zeit außerhalb eines Krankenhauses.

Nach Monaten des Leidens bekommen solche scheinbar kleinen Dinge plötzlich eine völlig andere Bedeutung. „Nach all den Monaten des Leidens genieße ich das umso mehr gerade“, sagte er laut den aktuellen Berichten.

Und genau hier liegt vielleicht die wichtigste Veränderung.

Jörg Dahlmann spricht nicht davon, dass alles vorbei sei. Er verspricht keine schnelle Rückkehr und tut auch nicht so, als wäre sein Körper bereits wieder vollständig belastbar.

Stattdessen geht er Schritt für Schritt.

Nach vier Krebsdiagnosen, fünf Operationen, 58 Tagen im Krankenhaus, einer Phase im künstlichen Koma, Blutungen, einem Abszess und weiteren Komplikationen ist das möglicherweise die einzige Geschwindigkeit, die für ihn momentan wirklich zählt.

Nicht zurück.

Sondern nach vorne.

Die Fußball-WM, die er ursprünglich aus der Türkei begleiten wollte, wurde für ihn in diesem Sommer zur Nebensache. Was jetzt zählt, ist ein anderer persönlicher Wettlauf: die Rückkehr zu einem möglichst normalen Leben.

Und vielleicht ist gerade das die überraschendste Wendung seiner Geschichte.

Denn trotz allem, was hinter ihm liegt, klingt Jörg Dahlmann heute nicht wie jemand, der sich verabschieden möchte.

Er klingt wie jemand, der wieder Pläne macht.

Der Sportkommentator hat einen langen und schwierigen Weg hinter sich. Doch nach Monaten voller Krankenhausaufenthalte und schwerer Eingriffe kann er inzwischen wieder einige der einfachsten Dinge genießen.

Und sein eigener Satz beschreibt vielleicht am besten, wo er heute steht:

Er ist noch nicht wieder der Alte.

Aber er ist überzeugt, dass er auf dem Weg dorthin ist.