Manchmal verändert eine schwere Krankheit nicht nur den Alltag eines Menschen, sondern auch seine Beziehungen zu anderen. Genau diese Erfahrung musste Uwe Herrmann machen, den Millionen Zuschauer aus der RTL-Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“ kennen. Nachdem der 64-jährige Brautmodenexperte von seiner Krebserkrankung erfahren hatte, bemerkte er etwas, womit er nicht gerechnet hatte: Einige Menschen, die ihm nahestanden, begannen, sich von ihm zurückzuziehen.
Aus vertrauten Gesprächen wurde plötzlich Schweigen. Menschen, die früher regelmäßig Kontakt zu ihm hatten, meldeten sich seltener oder gingen ihm aus dem Weg. Für Herrmann war diese Entwicklung eine schmerzhafte Erfahrung. Im Gespräch mit der Zeitschrift „Bunte“ erzählte er offen, wie sich das Verhalten seines Umfelds seit der Diagnose verändert hat und warum eine schwere Erkrankung manchmal nicht nur körperlich, sondern auch emotional einsam machen kann.
„Viele gehen mir aus dem Weg, sogar aus meinem Freundeskreis – weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen“, erklärte er. Seiner Beobachtung nach ziehen sich manche Menschen nicht unbedingt aus Gleichgültigkeit zurück. Vielmehr wissen sie nicht, was sie sagen sollen oder wie sie sich gegenüber jemandem verhalten können, der an Krebs erkrankt ist.
Herrmann beschrieb diese Erfahrung mit deutlichen Worten: „Die Krankheits-Diskriminierung ist echt stark.“ Er hat den Eindruck, dass Menschen nach einer solchen Diagnose plötzlich vor allem den Patienten sehen und dabei vergessen, wer dieser Mensch darüber hinaus ist.
Eine Diagnose, die alles veränderte
Im Februar 2026 erfuhr Herrmann, dass er an Hautkrebs erkrankt war. Im Mai machte er seine Erkrankung öffentlich. Bei ihm wurde ein Merkelzellkarzinom festgestellt, eine seltene und aggressive Form von Hautkrebs, die sich schnell ausbreiten kann.
Am Anfang stand eine auffällige Stelle an seinem Ellenbogen. Was zunächst wie eine begrenzte Hautveränderung wirken konnte, stellte sich bei den medizinischen Untersuchungen als ernsthafte Erkrankung heraus. Es folgten Operationen, bei denen der Tumor und Lymphknoten entfernt wurden.
Für Herrmann begann damit eine Zeit großer Unsicherheit. Neben den Eingriffen musste er auf Untersuchungsergebnisse warten, die zeigen sollten, ob sich die Krankheit bereits weiter ausgebreitet hatte. Besonders belastend war für ihn der Gedanke, wie er seinem Sohn Philipp möglicherweise schlechte Nachrichten erklären müsste.
Später gab es zunächst erfreuliche Informationen: Die untersuchten Gewebeproben zeigten, dass der Tumor entfernt worden war. Zu diesem Zeitpunkt wurden keine weiteren Metastasen festgestellt. Trotzdem wiesen die Ärzte darauf hin, dass bei dieser Krebsart das Risiko eines Rückfalls bestehen bleibt.
Auch nach der Operation konnte Herrmann deshalb nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Weitere Kontrollen und medizinische Untersuchungen blieben notwendig. Zugleich musste er lernen, mit der Unsicherheit zu leben, die eine solche Diagnose mit sich bringt.
Wenn Freunde plötzlich schweigen
Zu den überraschendsten Folgen seiner Erkrankung gehörte für Herrmann die Reaktion einiger Menschen aus seinem persönlichen Umfeld. Er berichtete, dass sich Bekannte nach der Diagnose zurückgezogen hätten. Besonders schmerzlich war das, wenn es sich um Menschen handelte, zu denen er schon lange Kontakt hatte.
Irgendwann beschloss er, selbst nachzufragen, warum eine langjährige Bekannte sich nicht mehr bei ihm meldete. Ihre Erklärung machte die Situation komplizierter. Ihr Bruder war ebenfalls an Krebs erkrankt und gestorben. Die Erkrankung Herrmanns erinnerte sie an diesen Verlust und löste offenbar so viele schmerzhafte Gefühle aus, dass sie nicht wusste, wie sie mit ihm umgehen sollte.
Dieses Gespräch zeigte eine andere Seite des Schweigens. Manchmal entsteht Abstand nicht, weil einem anderen Menschen das Schicksal des Erkrankten gleichgültig ist. Auch Angst, Hilflosigkeit oder die Erinnerung an einen früheren Verlust können dazu führen, dass jemand den Kontakt vermeidet.
Für den Erkrankten kann das Ergebnis trotzdem schmerzhaft sein. Gerade in einer Zeit, in der Gespräche, Vertrautheit und Unterstützung besonders wichtig wären, werden manche Beziehungen plötzlich stiller.
Herrmann möchte nicht, dass Menschen Angst vor dem Kontakt mit ihm haben. Er will weiterhin der Mensch sein, den sie vorher kannten: mit seinem Charakter, seinem Humor, seiner Arbeit und seinen Interessen.
Zu viel Rücksicht kann ebenfalls wehtun
Neben dem Rückzug einzelner Bekannter beobachtete Herrmann auch eine andere Reaktion. Manche Menschen behandelten ihn plötzlich so vorsichtig, dass dadurch ebenfalls Distanz entstand.
Er hatte den Eindruck, dass es auch beruflich ruhiger um ihn wurde. Einige Menschen könnten aus Sorge, ihn zu überfordern, auf Anfragen oder gemeinsame Projekte verzichten. Damit besteht jedoch die Gefahr, dass ein Erkrankter schrittweise aus dem gewohnten Alltag ausgeschlossen wird.
„Auch medial wird es ruhiger um dich herum“, beschrieb Herrmann seine Beobachtung. Er versteht, dass andere Rücksicht nehmen möchten. Doch er wünscht sich, dass sie nicht automatisch für ihn entscheiden, was er noch leisten kann oder möchte.
Er will weder, dass seine Erkrankung ignoriert wird, noch, dass seine gesundheitlichen Grenzen übersehen werden. Vielmehr möchte er selbst einschätzen können, welche Aufgaben möglich sind und wann er eine Pause braucht.
Für ihn ist es wichtig, weiterhin am Leben teilzunehmen, beruflich aktiv zu bleiben und nicht ausschließlich über seine Krankheit definiert zu werden.
Von der Bestrahlung direkt auf den roten Teppich
Dass Herrmann versucht, sich trotz seiner Erkrankung einen Teil seines gewohnten Lebens zu bewahren, zeigte sich auch bei einem öffentlichen Auftritt. Anfang September 2026 erschien er bei der Verleihung der Goldenen Henne in Leipzig. Kurz zuvor hatte er sich noch einer Bestrahlung unterzogen.
Im Gespräch mit RTL erklärte er, dass er ebenso gut zu Hause hätte bleiben und sich ausruhen können. Dennoch entschied er sich, die Veranstaltung zu besuchen. Sein Auftritt zeigte, dass er weiterhin aktiv bleiben möchte, sofern sein Gesundheitszustand es zulässt.
Das bedeutet nicht, dass die Krankheit plötzlich keine Rolle mehr spielt oder er keine Ruhe benötigt. Vielmehr versucht Herrmann, einen Weg zwischen notwendiger medizinischer Behandlung und dem Wunsch nach einem möglichst normalen Alltag zu finden.
Seine Arbeit in der Brautmodenbranche und seine Auftritte im Fernsehen gehören seit Jahren zu seinem Leben. Er möchte weiterhin als Moderator, Unternehmer und Mensch wahrgenommen werden, der sich für andere interessiert und Freude an Begegnungen hat.
Fremde Menschen schenken ihm neue Kraft
Trotz der enttäuschenden Erfahrungen erzählte Herrmann auch von Begegnungen, die ihn tief berührt haben. Ausgerechnet Menschen, die er vorher gar nicht kannte, zeigten ihm manchmal eine besonders unmittelbare Form der Anteilnahme.
An einem Flughafen sprach ihn eine Frau an und fragte, ob sie ihn umarmen dürfe. Für Herrmann war diese einfache Geste sehr bewegend.
Auch bei der Goldenen Henne erlebte er Unterstützung. Die Komikerin Ilka Bessin, die vielen Zuschauern als Cindy aus Marzahn bekannt ist, umarmte ihn bei ihrer Begegnung und erkundigte sich nach seinem Befinden. Ebenso sprach der Sänger Der Graf von der Band Unheilig mit ihm über seine Erkrankung.
Herrmann erklärte, dass ihn diese Gesten sehr berührt hätten. Er hatte nicht unbedingt damit gerechnet, dass Menschen, die ihn persönlich kaum oder gar nicht kennen, so herzlich reagieren würden.
Solche Begegnungen gaben ihm neue Kraft. Sie erinnerten ihn daran, dass Unterstützung nicht immer von den Menschen kommt, von denen man sie erwartet. Manchmal sind es gerade Fremde, die mit wenigen Worten oder einer einfachen Geste zeigen, dass sie Anteil nehmen.
Mehrere Schicksalsschläge in kurzer Zeit
Die Krebsdiagnose war nicht das einzige schwere Ereignis, mit dem Herrmann in dieser Zeit umgehen musste. Nur etwa vier Monate vor seiner eigenen Diagnose war seine Mutter gestorben. Nach seinen Angaben hatte sie an einer Krebserkrankung des Magen-Darm-Trakts gelitten.
Außerdem war seine Beziehung zu seiner Partnerin Susanne einige Wochen vor der eigenen Diagnose zu Ende gegangen. Mehrere einschneidende Erlebnisse folgten damit innerhalb kurzer Zeit aufeinander.
„Das waren schon massive Einschläge, die dich über den Sinn des Lebens anders reflektieren lassen“, sagte Herrmann rückblickend.
Wenn der Verlust eines nahestehenden Menschen, Veränderungen im Privatleben und eine schwere eigene Diagnose zusammenkommen, kann sich der Blick auf vieles verändern. Herrmann machte deutlich, wie sehr ihn diese Ereignisse beschäftigt haben.
Umso wichtiger ist ihm heute ein menschlicher Umgang. Manchmal reicht schon ein Anruf, eine ehrliche Frage nach dem Befinden oder die Einladung zu einem Treffen, damit sich ein Erkrankter nicht vergessen fühlt.
Die nächsten Untersuchungen bleiben wichtig
Anfang Oktober hatte Herrmann die Bestrahlung bereits abgeschlossen. Nach seinen Angaben waren die jüngsten Ergebnisse einer Ultraschalluntersuchung und einer Blutuntersuchung erfreulich. Auf das Ergebnis einer Computertomografie musste er zu diesem Zeitpunkt allerdings noch warten.
Er blieb vorsichtig optimistisch, wusste aber, dass das Risiko eines Rückfalls wegen der aggressiven Form des Hautkrebses weiterhin besteht. Regelmäßige medizinische Kontrollen sind deshalb wichtig.
Herrmann behauptet nicht, dass die Krankheit endgültig überwunden sei. Seine Geschichte ist keine Erzählung über eine bereits abgeschlossene Genesung, sondern über einen Menschen, der versucht, seinen Alltag fortzusetzen, während die medizinische Betreuung weitergeht.
Vielleicht liegt gerade darin seine wichtigste Botschaft: Eine schwere Diagnose kann nicht nur den Körper belasten, sondern auch Beziehungen verändern. Doch ein Mensch, der krank geworden ist, braucht nicht unbedingt Mitleid oder ständige Erinnerungen an seine Verletzlichkeit. Manchmal möchte er einfach wie früher angesprochen, zu Treffen eingeladen und in Entscheidungen über sein eigenes Leben einbezogen werden.
Uwe Herrmann setzt seine Erholung fort und wartet auf weitere Untersuchungsergebnisse. Er weiß nicht, was die Zukunft bringt. Doch er hat erfahren, wie viel Kraft in kleinen menschlichen Gesten liegen kann. Während sich manche Menschen zurückziehen, zeigen andere – sogar völlig Fremde –, dass er nicht allein ist.