Nach seiner Krebserkrankung kann Johann Lafer die Tränen nicht zurückhalten: Ein Moment, von dem er lange geträumt hat

Für Johann Lafer wurde ein kulinarischer Wettbewerb zu einem Erlebnis, das weit über das Kochen hinausging. Der bekannte Fernsehkoch, der in diesem Jahr seine Krebserkrankung öffentlich gemacht hatte, stand plötzlich vor einem Moment, mit dem er selbst kaum gerechnet hatte. Was zunächst wie eine schwierige Herausforderung unter Profis begann, entwickelte sich zu einem persönlichen Triumph. Am Ende konnte Lafer seine Gefühle nicht mehr zurückhalten.

Gemeinsam mit seinem Kochkollegen Steffen Henssler nahm der 69-Jährige an einem internationalen Barbecue-Wettbewerb in Vilnius, der Hauptstadt Litauens, teil. Die beiden wollten sich dort für die Grill-Weltmeisterschaft 2027 in Las Vegas qualifizieren. Doch der Weg zum Erfolg erwies sich als deutlich komplizierter, als sie erwartet hatten. Zwischen ungewohnten Regeln, anspruchsvollen Fleischgerichten und kritischen Rückmeldungen mussten die beiden Spitzenköche feststellen, dass Erfahrung allein nicht immer ausreicht.

Für Lafer bekam diese Reise eine besondere Bedeutung. Seit er seine Erkrankung öffentlich gemacht hat, verfolgt ein Teil seines Publikums nicht nur seine kulinarischen Projekte, sondern auch die Nachrichten über sein Befinden. Viele Menschen kennen ihn seit Jahren aus dem Fernsehen und verbinden mit ihm Leidenschaft, Kreativität und die Freude am guten Essen. Nun zeigte sich ein weiterer Aspekt seiner Persönlichkeit: der Wille, trotz einer schwierigen Lebensphase weiterzumachen und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Der Wettbewerb in Litauen war Teil der VOX-Sendung „Grenzenlos Genial Gekocht“, in der Lafer und Henssler gemeinsam auf kulinarische Entdeckungsreisen gehen. Diesmal stand nicht die klassische Sterneküche im Mittelpunkt, sondern eine Disziplin, die ihre eigenen Regeln hat: professionelles Barbecue. In Vilnius wollten sie beim „Twin Smoke“-Grillfestival beweisen, dass sie auch in dieser besonderen Welt bestehen können.

Henssler formulierte das Ziel zunächst vorsichtig. Eine Platzierung unter den besten zehn Teams wäre bereits ein Erfolg. Lafer dagegen hatte noch eine persönliche Rechnung offen. Bei einer Pizza-Weltmeisterschaft in Parma war er zuvor auf dem 184. Platz gelandet, während Henssler den vierten Rang erreicht hatte. Nun hoffte er auf eine neue Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.

Doch schon bei den Vorbereitungen wurde deutlich, dass ein solcher Wettbewerb ganz andere Anforderungen stellt als das Kochen in einer Fernsehsendung oder einem Restaurant. Die beiden mussten sich mit mehreren Disziplinen beschäftigen: Chicken Wings, Schweinefleisch, Spareribs und Brisket. Zusätzlich trat jeder von ihnen einzeln im Wettbewerb um das perfekte Ribeye-Steak an.

Vor allem das Brisket bereitete Schwierigkeiten. Bei dieser Zubereitung kommt es auf zahlreiche Details an, darunter die Marinade, die Temperatur, die Dauer des Garens und die richtige Abstimmung der Gewürze. Lafer hatte eine ungewöhnliche Idee, um das Fleisch gleichmäßig zu marinieren: Er dachte an eine Betonmischmaschine, die das Fleisch in der Marinade regelmäßig wenden sollte. Henssler besorgte ihm tatsächlich eine solche Maschine als Überraschung.

Doch die Idee war nicht der erhoffte Durchbruch. Als die beiden einen erfahrenen Experten um Rat fragten, wurde ihnen geraten, die ungewöhnliche Konstruktion wieder aufzugeben. Ihnen wurde klar, dass sie sich auf ein Gebiet eingelassen hatten, in dem selbst erfahrene Köche noch viel lernen konnten.

Zunächst schien es trotzdem gut zu laufen. Beim ersten Test gelang das Brisket, und Lafer zeigte sich begeistert. Er war überzeugt, dass die Konkurrenz sich warm anziehen müsse. Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Als die Festivalveranstalter Vadima und Robertas das Fleisch probierten, fiel ihre Bewertung deutlich kritischer aus als erwartet.

Für Lafer war das ein Rückschlag. Er hatte auf eine Bestätigung seiner Arbeit gehofft und musste nun akzeptieren, dass sein Ergebnis den hohen Anforderungen des Wettbewerbs nicht genügte. Mit Humor versuchte er, die Enttäuschung zu überspielen. Aufgeben wollte er jedoch nicht. Er wollte lernen, seine Fehler korrigieren und zeigen, dass er sich auch in einer ungewohnten Disziplin behaupten konnte.

Auch Henssler erkannte, wie groß die Herausforderung war. Die beiden Spitzenköche verfügten über jahrelange Erfahrung, doch beim Wettbewerbs-Barbecue galten andere Maßstäbe. Es reichte nicht, ein Gericht zuzubereiten, das ihnen selbst schmeckte. Entscheidend war, die Erwartungen der Jury zu verstehen und jedes Detail entsprechend abzustimmen.

In den folgenden Stunden arbeiteten sie konzentriert an ihren Gerichten. Bei den Spareribs wurde das richtige Timing zum Problem. Das Fleisch war am Ende zu weich, und Henssler musste einräumen, dass sie den Zeitpunkt nicht optimal getroffen hatten. Bei anderen Gerichten lief es besser. Die Chicken Wings, das Schweinefleisch und das Brisket konnten sie mit deutlich mehr Zuversicht abgeben.

Als die ersten Ergebnisse bekannt wurden, gab es Grund zur Freude. Mit ihren Chicken Wings erreichten Henssler und Lafer gemeinsam den fünften Platz. Beim Schweinefleisch belegten sie den siebten Rang, beim Brisket den sechsten. Damit hatten sie bewiesen, dass sie trotz ihrer anfänglichen Schwierigkeiten durchaus mit der Konkurrenz mithalten konnten.

Doch für Lafer stand noch eine weitere Prüfung bevor. Der Wettbewerb um das Ribeye-Steak wurde einzeln ausgetragen. Henssler war mit seiner eigenen Leistung zufrieden und hoffte auf eine Platzierung unter den besten zehn. Lafer dagegen hatte kein gutes Gefühl. Er war mit seinem Steak unzufrieden und glaubte nicht, dass sein Gericht die Jury überzeugen würde.

Gerade deshalb wurde die anschließende Bewertung zu einer Überraschung. Lafer erreichte mit seinem Ribeye-Steak den fünften Platz und lag damit zwei Ränge vor seinem Freund Henssler. Der Koch konnte sein Erstaunen kaum verbergen. Ausgerechnet ein Gericht, das er selbst kritisch beurteilt hatte, brachte ihm ein hervorragendes Ergebnis ein.

Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Auf Lafer wartete eine Auszeichnung, die den gesamten Wettbewerb für ihn zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machte.

Der entscheidende Augenblick kam mit der Vergabe des sogenannten „Golden Ticket“. Diese besondere Auszeichnung wird nur einmal im Leben vergeben. Da die vier vor Lafer platzierten Teilnehmer das Ticket bereits erhalten hatten, fiel es an den österreichischen Fernsehkoch. Damit sicherte er sich die Qualifikation für die Grill-Weltmeisterschaft 2027 in Las Vegas.

Für Lafer war das weit mehr als eine gute Platzierung. Nach einer Reise voller Zweifel, Rückschläge und unerwarteter Herausforderungen hatte er nicht nur einen Wettbewerb erfolgreich abgeschlossen. Er hatte sich eine neue Chance erarbeitet und ein Ziel erreicht, das zu Beginn keineswegs sicher gewesen war.

Als ihm bewusst wurde, was dieser Erfolg bedeutete, wurde er emotional. Lafer hatte Tränen in den Augen und beschrieb den Moment als einen der größten seines Lebens. Er zeigte sich glücklich und bedankte sich bei den Menschen, die ihn unterstützt hatten. Seine Reaktion machte deutlich, wie viel ihm diese Auszeichnung bedeutete.

Dass der Erfolg gerade in einer Zeit kam, in der er sich mit seiner Gesundheit auseinandersetzen muss, verlieh dem Augenblick eine zusätzliche persönliche Dimension. Dennoch wäre es falsch, den Wettbewerb als Beweis dafür zu verstehen, dass seine Erkrankung überwunden ist. Lafer hat öffentlich erklärt, dass er an Lymphdrüsenkrebs leidet. Über seinen gesundheitlichen Zustand sollte deshalb nur das berichtet werden, was er selbst oder verlässliche Quellen bestätigen.

In einem weiteren Fernsehauftritt hatte Lafer zuletzt erklärt, dass es ihm in den vergangenen Wochen besser gegangen sei. Zugleich machte er deutlich, dass der Weg noch nicht abgeschlossen sei und er weiter auf sich achten müsse. Die Erkrankung habe ihn nachdenklicher gemacht und seinen Blick auf das eigene Leben sowie auf die Menschen in seinem Umfeld verändert.

Vor diesem Hintergrund wirkt sein Erfolg in Litauen besonders bewegend. Er zeigt einen Menschen, der sich nicht nur über das Ergebnis freut, sondern auch darüber, eine schwierige Herausforderung angenommen und durchgehalten zu haben. Für seine Fans dürfte genau diese Mischung aus Ehrgeiz, Offenheit und emotionaler Ehrlichkeit einen großen Teil seiner Wirkung ausmachen.

Auch die Freundschaft zwischen Lafer und Henssler spielte bei dem Abenteuer eine wichtige Rolle. Die beiden mussten gemeinsam lernen, mit Rückschlägen umzugehen, ihre Methoden zu verändern und sich gegenseitig zu unterstützen. Am Ende konnten sie zufrieden auf ihre Leistungen zurückblicken – und Lafer durfte zusätzlich eine ganz persönliche Überraschung erleben.

Der Weg nach Las Vegas ist nun frei. Bei der Grill-Weltmeisterschaft 2027 wartet eine neue Herausforderung, und noch ist offen, wie weit Lafer dort kommen wird. Doch schon jetzt hat er in Vilnius etwas erreicht, das sich nicht allein in Punkten oder Platzierungen messen lässt: Er hat sich selbst überrascht und einen Augenblick erlebt, der ihm lange in Erinnerung bleiben dürfte.

Für den Fernsehkoch war es ein Tag voller unerwarteter Wendungen. Aus anfänglicher Unsicherheit wurde neue Zuversicht, aus Enttäuschung entwickelte sich ein Erfolg. Und als schließlich das „Golden Ticket“ in Reichweite war, konnte Johann Lafer seine Gefühle nicht länger verbergen. Seine Tränen erzählten die Geschichte eines Mannes, der trotz schwieriger Zeiten weiter nach vorne blickt – und der an diesem Tag allen Grund hatte, glücklich zu sein.