Sie schuf mehr als 500 Filme und wollte bis zu ihrem 100. Geburtstag arbeiten: Die deutsche Filmwelt trauert um Regina Ziegler. Die legendäre Produzentin starb mit 82 Jahren – zurück bleiben ein außergewöhnliches Lebenswerk und eine bewegende Liebesgeschichte, die durch eine schwere Krankheit endete …

Die deutsche Film- und Fernsehwelt hat eine ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten verloren. Regina Ziegler, eine Frau, die über Jahrzehnte hinweg die deutsche Unterhaltungsbranche geprägt und sich in einer lange von Männern dominierten Welt einen Namen gemacht hatte, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Nachricht von ihrem Tod wurde am 1. November 2026 bekannt. Sie starb in Berlin, im Kreis ihrer Familie.

Für viele Menschen war ihr Name untrennbar mit großen Film- und Fernsehproduktionen verbunden. Doch Regina Ziegler war weit mehr als eine erfolgreiche Geschäftsfrau hinter den Kulissen. Sie war eine Pionierin, eine leidenschaftliche Geschichtenerzählerin und eine Frau, die sich von Rückschlägen niemals dauerhaft aufhalten ließ.

Mehr als fünf Jahrzehnte lang arbeitete sie in der Filmbranche. In dieser Zeit entstanden unter ihrer Verantwortung über 500 nationale und internationale Produktionen. Zahlreiche davon wurden ausgezeichnet und fanden auch außerhalb Deutschlands große Beachtung.

Besonders bemerkenswert ist, dass ihre Karriere nicht mit einem großen Vermögen oder einer einflussreichen Familie begann. Im Gegenteil: Ihre Geschichte war geprägt von Mut, Entschlossenheit und der Bereitschaft, Risiken einzugehen.

Regina Ziegler wurde am 8. März 1944 in Quedlinburg geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in der Nachkriegszeit unter bescheidenen Bedingungen. Zunächst schien ihr Lebensweg bereits vorgezeichnet. Auf Wunsch ihrer Eltern begann sie ein Jurastudium, doch schon nach dem ersten Semester merkte sie, dass dieser Beruf nicht zu ihr passte.

Sie brach das Studium ab und entschied sich für eine Ausbildung zur Wirtschaftskorrespondentin für Englisch. 1965 begann sie schließlich als Produktionsassistentin beim Sender Freies Berlin zu arbeiten. Dort lernte sie die Abläufe der Fernsehproduktion kennen und entdeckte eine Welt, die sie nicht mehr loslassen sollte.

Eine Begegnung sollte dabei nicht nur ihr berufliches, sondern auch ihr privates Leben verändern. Sie lernte den Regisseur Wolf Gremm kennen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine enge Verbindung, aus der sowohl eine große Liebe als auch eine langjährige kreative Partnerschaft entstand.

Wolf Gremm hatte einen Traum: Er wollte seinen ersten eigenen Kinofilm drehen. Doch für die Finanzierung des Projekts fehlte das Geld. Viele hätten an dieser Stelle aufgegeben. Regina Ziegler jedoch wollte nicht akzeptieren, dass eine gute Idee allein an finanziellen Schwierigkeiten scheitern sollte.

1973 gründete sie im Alter von nur 29 Jahren ihre eigene Produktionsfirma. Um das erste Filmprojekt zu ermöglichen, musste sie sogar Geld bei Freunden und Verwandten leihen. Es war ein mutiger Schritt, denn die Filmbranche wurde damals überwiegend von Männern kontrolliert.

Ihr erster Spielfilm trug den Titel „Ich dachte, ich wäre tot“. Das Werk wurde von der Kritik positiv aufgenommen und mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Damit begann eine Karriere, die die deutsche Filmgeschichte nachhaltig verändern sollte.

Ziegler bewies, dass eine Frau nicht nur kreative Ideen entwickeln, sondern auch große Filmprojekte finanzieren, organisieren und erfolgreich verwirklichen konnte. Sie arbeitete mit bedeutenden Regisseuren zusammen, darunter Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff und Ulrich Schamoni.

Eines ihrer wichtigsten Projekte war die Verfilmung von Erich Kästners Roman „Fabian“. Der Film aus dem Jahr 1980 wurde international beachtet und als deutscher Beitrag für den Oscar in der Kategorie des besten internationalen Films ausgewählt.

Auch „Malou“ und „Kamikaze 1989“ gehörten zu den bemerkenswerten Produktionen ihrer Karriere. Besonders der letztgenannte Film ist eng mit dem Namen Rainer Werner Fassbinder verbunden und war dessen letzte schauspielerische Arbeit.

Doch Regina Ziegler wollte sich nicht auf Kinofilme beschränken. Sie erkannte früh, wie wichtig das Fernsehen für die Zukunft der Filmbranche werden würde. Deshalb baute sie ihre Produktionsfirma kontinuierlich aus und entwickelte Projekte für große deutsche Sender.

Zu ihren bekanntesten Fernsehproduktionen gehörten die erfolgreiche Serie „Weissensee“, „Kommissarin Heller“, „Lena Lorenz“ und „Familie Bundschuh“. Auch die Musikkomödie „Ich war noch niemals in New York“ trug ihre Handschrift.

Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Grimme-Preis, den Deutschen Filmpreis und den International Emmy Award. 2016 wurde sie mit der Ehren-Lola der Deutschen Filmakademie für ihr Lebenswerk geehrt. Auch das Museum of Modern Art in New York widmete ihren Filmen eine eigene Retrospektive.

Trotz all dieser Erfolge blieb Regina Ziegler eine Frau, die ständig neue Ideen entwickeln wollte. Seit dem Jahr 2000 führte sie ihre Produktionsfirma gemeinsam mit ihrer Tochter Tanja Ziegler. Damit wurde das Unternehmen zu einem Familienprojekt, in dem sich zwei Generationen der Filmproduktion widmeten.

Auch im hohen Alter dachte die Produzentin keineswegs an den Ruhestand. Noch im Oktober 2026 präsentierte sie in Berlin ihren neuesten Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, eine Literaturverfilmung nach dem Roman von Jenny Erpenbeck unter der Regie von Volker Schlöndorff.

Wenige Wochen zuvor hatte sie sich bei der Frankfurter Buchmesse gezeigt. Sie war weiterhin aktiv, nahm an Veranstaltungen teil und beschäftigte sich mit neuen Projekten. Für sie war die Arbeit offenbar nicht nur ein Beruf, sondern ein wesentlicher Teil ihres Lebens.

Doch hinter der starken und erfolgreichen Geschäftsfrau stand auch eine Frau, deren privates Glück von einem schweren Schicksalsschlag getroffen wurde.

Wolf Gremm war nicht nur ihr beruflicher Wegbegleiter, sondern die große Liebe ihres Lebens. Die beiden heirateten 1979 und waren insgesamt 44 Jahre miteinander verbunden. Gemeinsam entwickelten sie Filmprojekte, unterstützten sich gegenseitig und teilten dieselbe Leidenschaft für das Kino.

Ihre Beziehung war etwas Besonderes, denn berufliche und private Partnerschaft gingen bei ihnen Hand in Hand. Sie kannten die Träume und Schwierigkeiten des jeweils anderen und hatten gemeinsam eine Welt geschaffen, in der Film und Familie eng miteinander verbunden waren.

Doch 2015 wurde dieses Glück durch eine schwere Krankheit zerstört. Wolf Gremm starb an Krebs. Für Regina Ziegler war sein Tod ein unermesslicher Verlust. Sie hatte nicht nur ihren Ehemann verloren, sondern auch den Menschen, mit dem sie über Jahrzehnte ihre wichtigsten Lebensentscheidungen geteilt hatte.

Einmal beschrieb sie ihre gemeinsame Zeit mit den bewegenden Worten: „Wir waren unzertrennlich, 44 Jahre lang, bis der Krebs uns trennte.“

Diese Aussage zeigt, wie tief die Verbindung zwischen den beiden war. Auch nach seinem Tod blieb Wolf Gremm ein wichtiger Teil ihrer Erinnerungen und ihrer beruflichen Geschichte.

Regina Ziegler versuchte dennoch, weiterzumachen. Sie stürzte sich erneut in ihre Arbeit, entwickelte neue Projekte und bewies, dass sie trotz persönlicher Verluste ihre Leidenschaft nicht verloren hatte. Ihre Tochter Tanja wurde zunehmend zu ihrer wichtigsten beruflichen Partnerin und führte gemeinsam mit ihr das Unternehmen weiter.

Noch 2026 machte Regina Ziegler deutlich, dass sie sich keineswegs zur Ruhe setzen wollte. Als sie nach ihrem Ruhestand gefragt wurde, reagierte sie mit Unverständnis. Sie wollte nicht aufhören. Ihr Ziel formulierte sie mit bemerkenswerter Energie: Sie wolle 100 Jahre alt werden und bis dahin noch viele Filme produzieren.

Diese Worte wirken nach ihrem Tod besonders bewegend.

Denn nur wenige Wochen vor ihrem 83. Geburtstag endete ihr Leben völlig unerwartet. Am 1. November 2026 starb sie in einem Berliner Krankenhaus im Kreis ihrer Familie. Die Nachricht wurde von ihrer Tochter Tanja bestätigt.

Eine genaue Todesursache wurde in den offiziellen Mitteilungen zunächst nicht genannt. Deshalb bleiben die Umstände ihres Todes privat.

Die Nachricht löste in der deutschen Filmbranche große Trauer aus. Zahlreiche Wegbegleiter erinnerten an eine Frau, die nicht nur Filme produzierte, sondern den Weg für viele andere Frauen in der Medienbranche ebnete.

Auch das ZDF würdigte ihr Lebenswerk. Der Sender erinnerte daran, dass sie mit ihrer Kreativität, ihrem Unternehmergeist und ihrem Optimismus deutsche Film- und Fernsehgeschichte geschrieben habe.

Für ihre Tochter Tanja beginnt nun eine besonders schwierige Zeit. Sie verliert nicht nur ihre Mutter, sondern auch eine außergewöhnliche berufliche Partnerin, mit der sie viele Jahre gemeinsam gearbeitet hat.

Was bleibt, ist ein beeindruckendes Lebenswerk: mehr als 500 Produktionen, zahlreiche Preise, internationale Anerkennung und Geschichten, die auch in Zukunft ein Publikum finden werden.

Regina Ziegler wollte 100 Jahre alt werden. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Doch ihre Filme werden weiterleben – und mit ihnen die Erinnerung an eine Frau, die sich niemals damit zufriedengab, dass etwas angeblich unmöglich sei.