Das stille Ende eines Genies: Der tragische Abschied von Ulrich Mühe

Es gibt Momente, in denen die Welt des Films den Atem anhält, und dies ist ein solcher Augenblick unendlicher Traurigkeit. Ulrich Mühe, einer der brillantesten und feinsinnigsten Schauspieler, die Deutschland je hervorgebracht hat, ist nicht mehr unter uns. Mit nur 54 Jahren erlag er in seiner Heimat Sachsen-Anhalt einem tückischen Magenkrebs-Leiden – ein Kampf, den er bis zuletzt mit jener Würde und Zurückhaltung führte, die auch seine größte Kunst ausmachte. Sein Tod reißt eine Lücke, die nicht zu füllen ist, und hinterlässt eine Familie sowie eine Fangemeinde in tiefer Bestürzung.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Star, den Millionen als den melancholischen Gerichtsmediziner Robert Kolmaar aus der Serie Der letzte Zeuge liebten, sein Schweigen gebrochen. Es war ein verzweifeltes, aber ehrliches Geständnis: Ja, er habe Krebs. Zu diesem Zeitpunkt hofften viele noch auf ein Wunder, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Ulrich Mühe starb bereits am vergangenen Sonntag in Walbeck, fernab vom Blitzlichtgewitter, das er nach seinem gigantischen Oscar-Erfolg mit Das Leben der Anderen so oft über sich ergehen lassen musste. Er ging so, wie er lebte: diskret, fast unbemerkt, im engsten Kreis seiner Liebsten.

Seine Karriere war ein Triumphzug der Emotionen. Geboren in Grimma, lernte Mühe das Handwerk von der Pike auf, war der Star des DDR-Theaters und später das Gesicht des wiedervereinigten Deutschlands auf den Kinoleinwänden der Welt. Sein Spiel war nie laut, nie effektheischend – er war der Meister des Understatements. Wenn er in Das Leben der Anderen als Stasi-Hauptmann Wiesler mit steinerner Miene und doch so viel Schmerz im Blick die Menschlichkeit wiederentdeckte, dann war das kein Schauspiel, das war pure, nackte Wahrheit. Es war die Rolle seines Lebens, die ihn bis nach Hollywood trug und ihm den begehrten Goldjungen einbrachte.

Doch hinter dem strahlenden Erfolg verbargen sich auch dunkle Schatten und persönliche Tragödien. Die jahrelangen Auseinandersetzungen um seine Vergangenheit und die Vorwürfe gegen seine Ex-Frau Jenny Gröllmann hatten tiefe Wunden hinterlassen. Es war eine Schlammschlacht, die ihn sichtlich mitnahm und die er vielleicht nie ganz verwinden konnte. Manche sagen, der Stress und der Kummer hätten ihren Tribut gefordert. Nun ist all das verstummt. Er hinterlässt seine Ehefrau Susanne Lothar und fünf Kinder, die nun ohne den geliebten Vater und Ehemann ihren Weg finden müssen. Deutschland verliert nicht nur einen Oscar-Preisträger, sondern eine Seele, die uns in jedem Blick, in jedem Wort im Innersten berührte.