Oliver Kalkofe platzt der Kragen: Warum die Bezeichnung Content Creator für ihn eine pure Beleidigung ist

In der deutschen Unterhaltungslandschaft gibt es kaum jemanden, der so wortgewaltig und präzise austeilen kann wie Oliver Kalkofe. Doch während er früher vor allem das schlechte Fernsehen aufs Korn nahm, treibt ihn heute eine ganz bestimmte Entwicklung der modernen Medienwelt zur puren Verzweiflung. Es ist ein Wort, das in den sozialen Netzwerken wie ein Heilsversprechen gefeiert wird, bei dem TV-Urgestein Kalkofe jedoch körperliche Schmerzen und einen regelrechten Schrei-Impuls auslöst: Content Creator.

Der 59-jährige Satiriker und Schauspieler findet für diesen Trend klare und beinahe vernichtende Worte. Für ihn ist die Bezeichnung nicht nur ein modischer Anglizismus, sondern ein Symbol für den totalen Verfall von echtem Handwerk und kreativem Stolz. Wenn Kalkofe das Wort Content hört, sieht er vor seinem geistigen Auge keine Kunst oder Unterhaltung, sondern lediglich eine graue, undefinierbare Masse, die wie aus einer Tube in die digitalen Kanäle gepresst wird. Es gehe nicht mehr um Qualität, sondern nur noch um das Füllen von Leere, um die reine Existenz von Material, das im Minutentakt auf Plattformen wie Instagram oder TikTok hochgeladen wird.

Besonders tief sitzt der Schmerz bei dem Begriff des Creators. Kalkofe betont immer wieder, dass das Erschaffen von etwas Bleibendem, sei es ein Sketch, ein Film oder eine kluge Satire, eine völlig andere Dimension hat als das, was heute massenweise produziert wird. Er empfindet es als eine Form der Herabwürdigung seiner eigenen Arbeit und der Arbeit seiner Kollegen, wenn alles in denselben Topf geworfen wird. Ein Mensch, der jahrzehntelang an Pointen feilt und komplexe Formate entwickelt, steht plötzlich auf einer Stufe mit jemandem, der lediglich eine Kamera in die Küche hält oder belanglose Alltagsszenen ins Netz stellt.

Diese Nivellierung der kreativen Arbeit ist es, die Kalkofe zur Weißglut treibt. Es ist die Verachtung vor dem Fachwissen, vor der Ausbildung und vor dem echten Talent, die hinter diesem Begriff verschleiert wird. Er beschreibt das Gefühl, als wolle man schreien, wenn man sieht, wie die Tiefe der Unterhaltung gegen die Oberflächlichkeit des Algorithmus eingetauscht wird. Für ihn ist ein Schöpfer jemand, der eine Vision hat, und kein Fließbandarbeiter des digitalen Zeitalters, der bloß für den nächsten Klick produziert.

Doch Kalkofe belässt es nicht nur beim Zorn. In seinen Ausführungen schwingt eine tiefe Melancholie über eine Welt mit, in der die Bedeutung von Worten immer mehr verwässert. Er plädiert leidenschaftlich dafür, den Unterschied zwischen echtem Können und bloßer Präsenz wieder anzuerkennen. Solange jeder, der ein Smartphone halten kann, sich als Creator bezeichnet, sieht Kalkofe die Gefahr, dass der wahre Wert von Kultur und Unterhaltung unwiederbringlich verloren geht. Sein lautstarker Protest ist somit auch ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der Qualität in einer Welt, die scheinbar nur noch auf Masse setzt.