Die deutsche Kulturlandschaft trägt Trauer, denn eine ihrer markantesten und profiliertesten Stimmen ist für immer verstummt. Hannelore Hoger, die Frau, die über Jahrzehnte hinweg das deutsche Fernsehen und die Theaterbühnen mit ihrer unverwechselbaren Präsenz prägte, ist tot. Im Alter von 82 Jahren schloss die Ausnahme-Schauspielerin für immer ihre Augen. Mit ihr verliert das Land nicht nur ein bekanntes Gesicht, sondern eine Künstlerin, die es wie kaum eine andere verstand, Ecken, Kanten und eine tiefe, fast schon spröde Menschlichkeit in ihren Rollen zu vereinen.
Besonders tief sitzt der Schock bei den Millionen Fans, die sie über 20 Jahre lang in ihrer Paraderolle als Kommissarin Bella Block begleiteten. In dieser Rolle wurde Hoger zur Ikone: eigensinnig, unbestechlich und immer ein wenig melancholisch. Sie war keine Ermittlerin von der Stange, sie war eine Naturgewalt, die sich nicht verbiegen ließ. Doch Hannelore Hoger auf die Krimi-Welt zu reduzieren, würde ihrem Lebenswerk nicht gerecht werden. Ob auf den großen Bühnen in Hamburg oder Berlin oder in anspruchsvollen Kinoproduktionen – sie suchte immer die Herausforderung und das Echte, das Unverfälschte.

Hinter den Kulissen galt Hannelore Hoger als eine Frau der leisen Töne, die den großen Glamour-Rummel eher mied. Sie lebte für ihre Kunst und ihre Überzeugungen, war eine scharfe Beobachterin der Gesellschaft und scheute sich nie, ihre Meinung lautstark zu vertreten. Kollegen beschreiben sie als eine hochkonzentrierte Arbeiterin, die von sich selbst ebenso viel verlangte wie von ihrem Gegenüber. Diese kompromisslose Hingabe machte jede ihrer Darstellungen zu einem Ereignis, das lange nachwirkte.
Ihre letzten Jahre verbrachte sie zurückgezogener, doch die Nachricht von ihrem Ableben am 27. Dezember löst nun eine Welle der Bestürzung und Dankbarkeit aus. Es ist der Abschied von einer Frau, die das Frauenbild im deutschen Fernsehen maßgeblich mitverändert hat – weg von der hübschen Nebenfigur, hin zur starken, komplexen Hauptcharakterin. Hannelore Hoger hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen sein wird, doch in ihren zahlreichen Filmen und Theatermomenten wird ihr Geist und ihre unnachahmliche Art für immer weiterleben. Deutschland verneigt sich vor einer ganz Großen der Zunft.