Fern von Spanien hat Juan Carlos eine Nachricht erreicht, die ihn tief getroffen haben dürfte. In Abu Dhabi, seinem heutigen Lebensmittelpunkt, trauert der ehemalige spanische König um einen Menschen, der ihn über Jahrzehnte begleitet, beraten und in vielen wichtigen Momenten seines Lebens unterstützt hat.
Josep Cusí ist tot.
Der langjährige Freund und Vertraute des 88-jährigen Juan Carlos starb am 19. August 2026 in Barcelona im Alter von 92 Jahren. Damit verliert der ehemalige Monarch nicht einfach einen Bekannten aus früheren Zeiten. Mit Cusí verschwindet ein Mann aus seinem Leben, der zu den engsten Vertrauten des früheren Königs gehörte.
Besonders schmerzlich ist die Situation auch deshalb, weil sich die beiden Männer zuletzt nicht mehr persönlich treffen konnten. Cusís Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Gleichzeitig muss Juan Carlos seine Reisen nach Spanien sorgfältig planen und lebt inzwischen weit entfernt von seiner früheren Heimat.
Trotz dieser Distanz riss die Verbindung zwischen ihnen jedoch nicht ab.
Im Gegenteil.
Die beiden telefonierten regelmäßig per Video. Wöchentliche Gespräche wurden zu einem festen Bestandteil ihres Lebens. So konnten sie sich trotz der vielen Kilometer weiterhin austauschen, Erinnerungen teilen und einander nah bleiben.
Nun ist auch diese Verbindung für immer verändert.
Die Geschichte ihrer Freundschaft begann vor Jahrzehnten. Damals war Juan Carlos noch nicht der ehemalige König, sondern ein junger Mann, der seine Leidenschaft für den Segelsport mit großem Ehrgeiz verfolgte. Josep Cusí wiederum war ein begeisterter Sportler, Unternehmer und Reeder.
Zunächst standen sich die beiden Männer auf dem Wasser sogar als Konkurrenten gegenüber.
Doch aus sportlicher Rivalität entwickelte sich mit der Zeit eine außergewöhnliche Partnerschaft. Cusí stellte als Eigner seine Yacht zur Verfügung, während Juan Carlos als Skipper das Steuer übernahm. Gemeinsam traten sie bei zahlreichen Regatten an und feierten große Erfolge.
Das Meer wurde damit zu einem wichtigen Ort ihrer Freundschaft.
Doch ihre Verbindung ging weit über den Segelsport hinaus.
Cusí war für Juan Carlos jemand, dem er offenbar vertrauen konnte. Ein Mann, der nicht nur die Leidenschaft für Boote und Wettbewerbe teilte, sondern den ehemaligen Monarchen über viele Jahre durch unterschiedliche Phasen seines Lebens begleitete.
Gerade deshalb bekommt sein Tod für Juan Carlos eine besondere Bedeutung.
Denn das Leben des Ex-Königs hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.
Der frühere spanische Monarch lebt heute im Exil in Abu Dhabi. Seine Beziehung zu Spanien ist komplizierter geworden, seine öffentlichen Auftritte sind seltener, und Besuche in seiner Heimat müssen sorgfältig organisiert werden. Menschen aus seiner früheren Umgebung werden dadurch umso wichtiger.
Josep Cusí war einer dieser Menschen.
Ein vertrautes Gesicht aus einer Zeit, in der Juan Carlos noch regelmäßig in Spanien lebte und als König im Mittelpunkt stand.
Mit Cusí konnte er über Dinge sprechen, die weit entfernt von offiziellen Terminen und royalen Verpflichtungen lagen. Ihre gemeinsame Leidenschaft für den Sport schuf eine Verbindung, die nicht von Titeln oder Protokoll abhängig war.
Und gerade das dürfte diese Freundschaft so besonders gemacht haben.
Doch Josep Cusí selbst führte ein außergewöhnliches Leben.
Der Katalane war nicht nur Geschäftsmann und Reeder. Er war auch ein leidenschaftlicher Sportler und nahm 1968 für Spanien an den Olympischen Spielen in Mexiko teil – allerdings nicht im Segeln, sondern im Schießsport.
Seine Biografie liest sich beinahe wie ein Drehbuch.
In jungen Jahren war Cusí ein begeisterter Schwimmer und Wassersportler. Er kam sogar mit dem berühmten Meeresforscher Jacques Cousteau in Kontakt und nahm an einer Expedition im Roten Meer teil. Dort soll er Haie aus einem Schutzkäfig gefüttert haben.
Später führte ihn sein Weg in die Welt der Wirtschaft und des Segelsports.
Doch auch seine Verbindungen zu bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit machten ihn zu einer ungewöhnlichen Figur.
Cusí war unter anderem mit Francisco Franco verbunden und arbeitete zeitweise als Jagdinstrukteur. Diese Episode gehört zu den weniger bekannten Kapiteln seines bewegten Lebens.
Für Juan Carlos war er jedoch vor allem eines: ein Freund.
Ein Freund, der blieb, als sich das Leben des ehemaligen Königs veränderte.
Besonders tragisch ist, dass Cusís Gesundheitszustand in den letzten Jahren bereits stark beeinträchtigt war. Ende 2021 beziehungsweise 2022 erlitt er einen Schlaganfall, der erhebliche gesundheitliche Folgen hatte. Nach spanischen Medienberichten verbrachte er sogar längere Zeit im Koma und hatte anschließend mit Mobilitätsproblemen zu kämpfen.
Damit wurde auch ein persönliches Treffen zwischen den beiden immer schwieriger.
Juan Carlos konnte nicht einfach jederzeit nach Barcelona reisen. Cusí wiederum war gesundheitlich nicht mehr in der Lage, die Reise nach Abu Dhabi anzutreten.
So blieben die Videotelefonate.
Woche für Woche.
Ein Bildschirm ersetzte die persönliche Begegnung – doch offenbar nicht die Freundschaft.
Genau darin liegt vielleicht der berührendste Teil dieser Geschichte.
Zwei Männer, die sich einst gemeinsam auf dem Wasser bewegten, konnten am Ende nur noch digital miteinander sprechen. Und trotzdem hielten sie den Kontakt aufrecht.
Bis zuletzt.
Nun muss Juan Carlos ohne diesen vertrauten Gesprächspartner weiterleben.
Die Nachricht über Cusís Tod kommt für den ehemaligen König zu einem Zeitpunkt, in dem ohnehin vieles in seinem Leben von Abschied und Distanz geprägt ist. Seine Heimat Spanien ist nicht mehr der selbstverständliche Mittelpunkt seines Alltags. Viele Menschen aus seiner früheren Umgebung sind älter geworden, manche bereits verstorben.
Und nun ist eine weitere Verbindung zu seiner Vergangenheit abgerissen.
Dabei war Josep Cusí nicht irgendein Freund.
Er war einer der wenigen Menschen, die Juan Carlos über einen sehr langen Zeitraum kannten und begleiteten. Einer, dessen Beziehung zu ihm nicht erst entstand, als Juan Carlos König wurde, und nicht mit seinem Rückzug aus dem Amt endete.
Ihre Freundschaft hatte ihren Ursprung in einer gemeinsamen Leidenschaft.
Aus Konkurrenten wurden Partner.
Aus Partnern wurden Freunde.
Und aus dieser Freundschaft entstand eine Verbindung, die Jahrzehnte überdauerte.
Vielleicht erklärt genau das, warum der Verlust für Juan Carlos besonders schwer wiegt.
Denn mit Josep Cusí verliert er nicht nur einen Vertrauten der Gegenwart.
Er verliert einen Menschen, der sich an den Juan Carlos von früher erinnerte.
An den jungen Prinzen.
An den leidenschaftlichen Segler.
An die gemeinsamen Regatten.
An die Gespräche, die lange vor dem heutigen Leben im Exil stattfanden.
Und genau diese letzte Erkenntnis macht den Tod von Josep Cusí so bewegend: Während Juan Carlos heute in Abu Dhabi lebt und sein Leben weitgehend fern von Spanien organisiert, war Cusí eine lebendige Verbindung zu jener Vergangenheit, die der ehemalige König niemals vollständig hinter sich lassen kann.
Die beiden konnten sich zuletzt nicht mehr persönlich verabschieden.
Doch ihre Freundschaft endete nicht, als die Entfernung größer wurde.
Sie blieb bestehen – Woche für Woche, Gespräch für Gespräch, bis zum Tod von Josep Cusí im Alter von 92 Jahren.
Für Juan Carlos bleibt nun nur noch die Erinnerung an einen Mann, der über Jahrzehnte an seiner Seite war.
Und vielleicht ist genau das der schwerste Teil dieses Abschieds: Nicht nur ein bester Freund ist gegangen, sondern ein Stück seines eigenen Lebens, das niemand zurückbringen kann.