Sie eroberten die Welt – dann zerbrach alles: Was aus den ABBA-Stars nach dem Ende der Band wurde

Kaum eine Popgruppe hat die Musikgeschichte der 1970er-Jahre so stark geprägt wie ABBA. Wenn heute die ersten Takte von „Dancing Queen“, „Mamma Mia“ oder „Waterloo“ erklingen, erkennen Millionen Menschen die Songs sofort. Die vier Schweden Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad wurden zu Weltstars – und für einige Jahre schien es, als könne nichts ihre Erfolgsgeschichte stoppen.

Doch hinter den glitzernden Bühnenkostümen und den fröhlichen Melodien entwickelte sich eine ganz andere Geschichte. Zwei Ehepaare standen im Mittelpunkt der Band, und schließlich zerbrachen nicht nur die privaten Beziehungen, sondern auch das gemeinsame musikalische Leben. Anfang der 1980er-Jahre gingen die vier Musiker getrennte Wege. Was danach geschah, war bei jedem von ihnen erstaunlich anders.

Der Anfang der Geschichte klingt fast wie ein Märchen. ABBA entstand Anfang der 1970er-Jahre aus zwei Paaren: Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sowie Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad. 1974 gelang der internationale Durchbruch mit „Waterloo“, mit dem Schweden den Eurovision Song Contest gewann. Von diesem Moment an ging es für die vier Musiker steil nach oben.

ABBA wurde zu einem internationalen Phänomen. Ihre Lieder liefen in Radios auf der ganzen Welt, ihre Platten verkauften sich millionenfach und ihr unverwechselbarer Stil wurde zum Symbol einer ganzen Epoche. Selbst Jahrzehnte später sind die Songs der Gruppe aus dem internationalen Pop nicht wegzudenken.

Doch der Erfolg hatte seinen Preis.

Die vier Musiker waren nicht nur Kollegen. Zwei von ihnen waren miteinander verheiratet, und deshalb konnten private Konflikte nicht einfach an der Studiotür zurückgelassen werden. Als zunächst die Ehe von Björn und Agnetha und später auch die Beziehung von Benny und Anni-Frid zerbrach, veränderte sich die Situation innerhalb der Gruppe.

1982 hörten die gemeinsamen Auftritte weitgehend auf. Einen offiziellen dramatischen Trennungsmoment gab es zunächst nicht. ABBA verabschiedete sich eher schrittweise von der gemeinsamen Arbeit, während jedes Mitglied eigene Pläne verfolgte.

Für Agnetha Fältskog war die Zeit besonders schwierig.

Schon als Jugendliche hatte sie Musik gemacht und war früh als Sängerin erfolgreich. Der weltweite Ruhm mit ABBA machte sie schließlich zu einer der bekanntesten Frauen Europas. Doch die jahrelangen Tourneen und der enorme öffentliche Druck hinterließen Spuren.

Nach dem Ende der Gruppe versuchte Agnetha, als Solokünstlerin weiterzumachen. Sie veröffentlichte mehrere Alben, doch der riesige internationale Erfolg von ABBA ließ sich nicht einfach wiederholen. Schließlich zog sie sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück.

Für Fans wurde ihr Rückzug zu einem Rätsel. Warum war eine Frau, die einst vor Millionen Menschen auftrat, plötzlich so selten zu sehen?

Agnetha lebte zunehmend zurückgezogen und konzentrierte sich stärker auf ihr Privatleben. Erst viele Jahre später kehrte sie musikalisch wieder stärker ins Blickfeld zurück. Ihr Comeback zeigte, dass ihre Stimme nichts von ihrer besonderen Wirkung verloren hatte.

Bei Björn Ulvaeus entwickelte sich die Geschichte völlig anders.

Er blieb der Musik eng verbunden. Gemeinsam mit Benny Andersson arbeitete er auch nach dem Ende von ABBA an neuen Projekten. Die beiden Männer bewiesen damit, dass das Ende der Gruppe nicht das Ende ihrer kreativen Partnerschaft bedeutete.

Ihre Zusammenarbeit führte unter anderem zu weiteren musikalischen Projekten und später zu erfolgreichen Musicalproduktionen. Besonders „Chess“, das gemeinsam mit Tim Rice entstand, wurde international bekannt.

Björn wurde damit zu einem wichtigen Namen hinter den Kulissen der Musikbranche. Während Agnetha sich eher zurückzog, blieb er als Songwriter, Produzent und kreativer Kopf aktiv.

Auch Benny Andersson blieb der Musik treu.

Schon vor ABBA hatte er umfangreiche Erfahrungen als Musiker gesammelt. Nach dem Ende der Gruppe arbeitete er als Komponist, Arrangeur und Produzent. Seine Karriere entwickelte sich dadurch in eine Richtung, die viele Fans vielleicht weniger erwartet hatten.

Benny schrieb weiterhin Musik und arbeitete an verschiedenen Projekten. Später gründete er das Benny Anderssons Orkester, das in Schweden große Bekanntheit erlangte.

Damit wurde aus dem ABBA-Mitglied zunehmend ein eigenständiger Komponist und Musiker. Sein musikalisches Leben endete keineswegs mit dem letzten ABBA-Auftritt. Im Gegenteil: Gerade nach der großen Popkarriere konnte er seine anderen musikalischen Interessen stärker verfolgen.

Und dann war da Anni-Frid Lyngstad.

Ihre Geschichte gehört zu den bewegendsten der vier.

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Schon als junge Frau stand sie auf der Bühne und sang zunächst Jazz und später Pop. Mit ABBA wurde sie weltberühmt. Doch nach dem Ende der Gruppe musste auch sie einen völlig neuen Lebensabschnitt beginnen.

Sie startete zunächst eine Solokarriere und veröffentlichte mehrere Alben. Doch auch bei ihr blieb der große internationale Erfolg von ABBA unerreicht.

Privat erlebte Anni-Frid später schwere Schicksalsschläge. Sie heiratete nach ihrer Zeit mit Benny den deutschen Prinzen Heinrich Ruzzo Reuss von Plauen. Doch ihr späteres Leben wurde von schweren Verlusten überschattet. Ihr Ehemann starb, und auch ihre Tochter erlitt einen tragischen Tod bei einem Autounfall.

Vielleicht ist gerade deshalb kaum jemand aus dem ABBA-Quartett so weit vom klassischen Showbusiness entfernt wie Anni-Frid.

Sie engagierte sich zunehmend für wohltätige und gesellschaftliche Projekte. Anstatt wieder dauerhaft im Mittelpunkt der Unterhaltungsbranche zu stehen, widmete sie sich anderen Aufgaben.

Und genau hier liegt das vielleicht Überraschendste an der Geschichte der vier ABBA-Stars.

Man könnte erwarten, dass eine Gruppe, die weltweit einen solchen Erfolg hatte, nach ihrer Trennung einfach verschwindet. Doch das Gegenteil geschah.

Keiner der vier beendete sein Leben mit dem Ende von ABBA. Sie gingen lediglich in völlig unterschiedliche Richtungen.

Agnetha suchte mehr Ruhe und Abstand von der Öffentlichkeit. Björn blieb als kreativer Kopf und Produzent aktiv. Benny entwickelte sich zu einem angesehenen Komponisten und Bandleader. Anni-Frid konzentrierte sich zunehmend auf ihr Privatleben und wohltätige Aktivitäten.

Und obwohl die vier Jahrzehnte lang nicht mehr gemeinsam auf der großen Bühne standen, war ABBA nie wirklich verschwunden.

2016 kamen die ehemaligen Bandmitglieder wieder zusammen. Anlass war eine private Feier zum 50. Jahrestag der Freundschaft zwischen Björn Ulvaeus und Benny Andersson. Für die Fans war allein die Tatsache, dass alle vier wieder gemeinsam an einem Ort waren, etwas Besonderes.

Später folgten weitere gemeinsame Projekte und schließlich eine neue Phase der ABBA-Geschichte, die zeigte, dass die Band auch Jahrzehnte nach ihrer großen Zeit noch immer eine enorme Anziehungskraft besitzt.

Das Vermächtnis der vier Schweden besteht deshalb nicht nur aus nostalgischen Erinnerungen.

ABBA ist längst Teil der internationalen Popkultur geworden. Ihre Musik wird in Filmen, Musicals und auf Partys gespielt. Neue Generationen entdecken die alten Lieder, obwohl sie die Bandmitglieder nie in ihrer ursprünglichen Erfolgszeit erlebt haben.

Vielleicht liegt genau darin die größte Überraschung: Die Gruppe, die sich Anfang der 1980er-Jahre voneinander entfernte, wurde niemals wirklich vergessen.

Im Gegenteil. Je mehr Zeit verging, desto größer wurde der Mythos.

Aus vier jungen Schweden, die einst gemeinsam auf einer Bühne standen, wurden vier Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebenswegen. Einer blieb der Musik als Produzent und Songwriter treu, einer entwickelte sich zum Komponisten, eine fand ihren Weg zurück ins Rampenlicht, während eine andere sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurückzog.

Doch wenn die ersten Töne von „Dancing Queen“ erklingen, verschwinden all diese Unterschiede für einen Moment.

Dann sind sie wieder zu viert.

ABBA.