Gaby Köster spricht über ihr Leben nach dem Schicksalsschlag – und am Ende wird klar, was ihr heute wirklich Angst macht

Es gab eine Zeit, in der Gaby Köster aus dem deutschen Fernsehen kaum wegzudenken war. Ihre Stimme, ihr Humor und ihre unverwechselbare Art machten sie zu einem der bekanntesten Gesichter der deutschen Comedy. Besonders bei „7 Tage – 7 Köpfe“ wurde sie einem Millionenpublikum bekannt. Sie war häufig die einzige Frau am Tisch – und gerade deshalb fiel sie auf.

Heute sieht ihr Leben völlig anders aus.

Die 64-Jährige sitzt im Rollstuhl und ist bei verschiedenen Dingen des Alltags auf Unterstützung angewiesen. Trotzdem hat sie ihren Humor nicht verloren. Im Gegenteil: Wer Gaby Köster heute erlebt, merkt schnell, dass die Frau, die früher auf der Bühne kein Blatt vor den Mund nahm, noch immer da ist. Nur die Themen, über die sie spricht, sind andere geworden.

Und diesmal geht es um etwas, das weitaus ernster ist als eine Fernsehsendung oder eine Comedyrolle.

Es geht um ihre Zukunft.

Köster hat in einem aktuellen Gespräch offen darüber gesprochen, dass sie das Fernsehen vermisst. Dabei geht es für sie nicht nur um die Freude an der Arbeit oder darum, wieder vor Publikum zu stehen. Auch finanziell bereitet ihr die Situation Sorgen. Sie sagte, sie habe „wirklich Panik“, wie es weitergehen werde.

Diese Worte wirken besonders eindringlich, wenn man weiß, wie abrupt sich ihr Leben verändert hat.

Im Januar 2008 erlitt Gaby Köster einen Schlaganfall. Ihre erfolgreiche Karriere wurde dadurch praktisch von einem Tag auf den anderen unterbrochen. Sie zog sich zunächst vollständig aus der Öffentlichkeit zurück und musste lernen, mit den Folgen zu leben. Erst Jahre später kehrte sie langsam ins Rampenlicht zurück und sprach offen darüber, was geschehen war.

Für ihre Fans war das Comeback damals ein bewegender Moment.

Doch die Rückkehr bedeutete nicht, dass plötzlich wieder alles so war wie früher.

Köster musste sich an einen völlig anderen Alltag gewöhnen. Dinge, die für andere selbstverständlich sind, können für sie heute zur Herausforderung werden. Gleichzeitig versucht sie, möglichst selbstbestimmt zu bleiben.

Genau hier beginnt das Problem, über das sie jetzt besonders deutlich gesprochen hat.

Köster hat nach eigenen Angaben Pflegegrad zwei. Sie erklärte, dass sie sich beispielsweise nicht selbst etwas zu essen kochen könne. Bei dem Versuch, eine höhere Einstufung zu bekommen, habe sie nach eigener Aussage die Rückmeldung erhalten, sie sei nicht dement genug und der Schlaganfall liege zu lange zurück.

Für die ehemalige TV-Ikone ist das schwer nachvollziehbar.

Denn die Frage, wie jemand seinen Alltag bewältigen kann, lässt sich nicht immer an einer einzelnen Diagnose oder daran messen, wie lange ein Ereignis zurückliegt.

Köster beschreibt ihre Situation deshalb nicht als kleines bürokratisches Ärgernis. Für sie geht es um ganz konkrete Dinge des täglichen Lebens.

Sie kann nicht einfach selbst in die Küche gehen und alles erledigen.

Sie braucht Unterstützung beim Einkaufen.

Sie beschäftigt eine Reinigungskraft.

Und es gibt eine Nachbarin, die ihr ebenfalls hilft.

Gerade diese Menschen machen für Köster einen enormen Unterschied. Ohne diese Unterstützung, so erklärte sie, wäre ihre Situation wesentlich dramatischer.

Hinzu kommt eine weitere Zahl, die sie selbst genannt hat: Bei einer Körpergröße von 1,76 Metern wiege sie nur noch 58 Kilogramm. Sie machte deutlich, dass sie das keineswegs als belanglos empfinde.

Doch trotz all dieser Schwierigkeiten ist es nicht die körperliche Einschränkung allein, die sie beschäftigt.

Es ist das Gefühl, nicht ausreichend gesehen zu werden.

Köster sagt, sie fühle sich von der Politik im Stich gelassen. Dabei erinnert sie auch daran, dass sie über viele Jahre gearbeitet und Steuern gezahlt habe. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den Umgang mit Menschen, die auf Pflege angewiesen sind.

Und dabei bleibt sie ganz Gaby Köster.

Diplomatisch formuliert sie ihre Kritik nicht.

Sie fordert Politiker dazu auf, selbst einmal eine Schicht in der Pflege zu absolvieren. Erst dann, so ihre Botschaft, könnten sie wirklich verstehen, wie die Situation für Pflegekräfte und pflegebedürftige Menschen aussieht. Auch die Bezahlung und Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals kritisiert sie deutlich.

Ihre Worte sind hart – aber sie kommen aus einer persönlichen Erfahrung.

Denn Köster weiß inzwischen, was es bedeutet, auf andere Menschen angewiesen zu sein.

Früher war sie diejenige, die auf der Bühne das Tempo vorgab. Sie brachte andere zum Lachen, reagierte spontan und ließ sich kaum einschüchtern. Heute ist sie in manchen Situationen darauf angewiesen, dass jemand anderes für sie bestimmte Aufgaben übernimmt.

Das muss für einen Menschen, der sein Leben lang selbstständig war, eine enorme Veränderung sein.

Und trotzdem findet sie noch immer Gründe, weiterzumachen.

Sie malt, liest und fährt bei gutem Wetter mit ihrem Elektrorollstuhl nach draußen. Auch über ihr Privatleben spricht sie mit einer erstaunlichen Offenheit. Sie hat mehrfach gezeigt, dass sie nicht bereit ist, sich ausschließlich über ihren Schlaganfall oder ihre Einschränkungen definieren zu lassen.

Jetzt gibt es sogar wieder einen Anlass, sie vor der Kamera zu sehen.

Gaby Köster ist Teil des Dokumentarfilms „Was haben wir gelacht“, der sich mit dem Frauenbild in deutschen Fernsehshows der 1990er- und frühen 2000er-Jahre beschäftigt. Dabei blickt sie auch auf ihre eigene Zeit im Fernsehen zurück.

Besonders interessant ist, wie sie heute auf ihre damalige Karriere zurückblickt.

Bei „7 Tage – 7 Köpfe“ war sie häufig die einzige Frau in der Runde. Die Atmosphäre hinter den Kulissen habe ihr geholfen, sich in einer überwiegend männlichen Comedy-Welt zu behaupten. Ihre Erfahrungen aus der Arbeit in einer Kneipe hätten sie ebenfalls geprägt. Dort habe sie gelernt, sich durchzusetzen und mit schwierigen Situationen umzugehen.

Heute betrachtet sie ihre damalige Arbeit sogar mit einer politischen Perspektive.

Je älter sie geworden sei, desto stärker habe sie erkannt, dass ihre Tätigkeit auch gesellschaftliche Bedeutung hatte. Als Komikerin konnte sie Dinge aussprechen, die andere Menschen möglicherweise nicht sagen konnten.

Und genau diese Eigenschaft scheint sie bis heute nicht verloren zu haben.

Vielleicht ist das der Grund, warum ihre aktuellen Aussagen so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Denn Gaby Köster spricht nicht wie jemand, der sich aus Angst vor Kritik zurückzieht.

Sie spricht wie eine Frau, die nach all dem, was sie erlebt hat, keine Lust mehr hat, ihre Worte vorsichtig zu verpacken.

Aber hinter all den deutlichen Aussagen gibt es einen besonders persönlichen Punkt, den man leicht übersehen könnte.

Ihre größte Sorge ist nicht, dass sie nicht mehr im Mittelpunkt des Fernsehens steht.

Gaby Köster zeigt sich erstmals wieder öffentlich nach Auszeit - FOCUS  online

Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres.

Um die Frage, wie sie ihr Leben langfristig finanzieren und organisieren kann.

Bereits zuvor hatte Köster über finanzielle Probleme gesprochen. Sie berichtete, dass ihre Rücklagen aufgebraucht seien und sie monatlich erhebliche Ausgaben habe. Auch Medikamente würden sie finanziell belasten.

Damit bekommt ihr Satz, sie vermisse das Fernsehen „finanziell“, eine ganz andere Bedeutung.

Es geht nicht um Nostalgie.

Nicht nur um eine alte Karriere.

Und auch nicht darum, wieder berühmt zu sein.

Es geht um Sicherheit.

Um Selbstständigkeit.

Und darum, auch in einer völlig veränderten Lebenssituation nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Genau deshalb wirkt Gaby Kösters aktuelles Geständnis so eindringlich: Hinter der schlagfertigen Comedy-Ikone, die noch immer offen ihre Meinung sagt, steht heute eine Frau, die sich ernsthafte Sorgen um ihre finanzielle Zukunft und die notwendige Unterstützung im Alltag macht.

Und trotzdem bleibt sie ihrem wichtigsten Prinzip treu:

Aufgeben kommt für Gaby Köster nicht infrage.