Der Anblick war ungewohnt und dürfte bei vielen Fans Erinnerungen geweckt haben: Jürgen Drews, der über Jahrzehnte zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Schlagers gehörte, ist erstmals öffentlich mit einem Rollator aufgetreten. Der 81-Jährige besuchte am 12. Juli die Veranstaltung „Klassik am Odeonsplatz“ in München und kam dabei gemeinsam mit seiner Ehefrau Ramona, seiner Tochter Joelina und deren Partner Adrian. Fotos von dem Abend zeigen den Sänger mit der Gehhilfe an seiner Seite.
Für einen Künstler, der einst mit Energie, Bewegung und unzähligen Auftritten verbunden wurde, wirkt ein solcher Anblick zunächst ungewohnt. Jürgen Drews selbst scheint die Situation jedoch deutlich gelassener zu betrachten. Er machte bei seinem öffentlichen Auftritt nicht den Eindruck, sich verstecken oder seine aktuelle Situation erklären zu müssen. Vielmehr erschien er gut gelaunt und nahm den Abend gemeinsam mit seiner Familie wahr.
Gerade diese Normalität macht den Auftritt bemerkenswert. Denn seit seinem Abschied von der großen Schlagerbühne ist Drews nur noch selten bei öffentlichen Veranstaltungen zu sehen. Der Sänger hatte sich in den vergangenen Jahren zunehmend aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Umso mehr Aufmerksamkeit erhielt nun sein Besuch in München.
Dabei stand zunächst eine ganz andere Frage im Raum: Wie geht es dem ehemaligen „König von Mallorca“ tatsächlich?
Jürgen Drews hat seit mehreren Jahren mit Polyneuropathie zu tun, einer Erkrankung des Nervensystems. Seine gesundheitlichen Probleme machte er bereits 2021 öffentlich. Damals hatte er sich wegen zunehmender Vergesslichkeit einem Test unterzogen. Die Diagnose veränderte für ihn vieles. Drews sprach damals offen darüber, dass es den Jürgen Drews von früher nicht mehr in derselben Form geben werde.
Ein Jahr später zog er Konsequenzen und beendete seine Karriere auf den großen Schlagerbühnen. Für seine Fans war das ein emotionaler Moment. Schließlich hatte Drews über Jahrzehnte hinweg die deutsche Unterhaltung geprägt. Lieder wie „Ein Bett im Kornfeld“ machten ihn zu einer festen Größe, und insbesondere seine Auftritte auf Mallorca wurden zu einem Teil seines öffentlichen Images.
Doch auch nach seinem Rückzug blieb die Musik ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Seine Tochter Joelina ist inzwischen selbst musikalisch aktiv und führt gewissermaßen einen Teil der Familientradition weiter. Sie steht auf der Bühne und präsentiert neben eigenen Liedern auch bekannte Songs ihres Vaters. Damit ist Jürgen Drews zwar nicht mehr regelmäßig selbst im Mittelpunkt, doch seine Musik ist weiterhin präsent.
Der Auftritt in München zeigte zugleich, dass Drews trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen keineswegs vollständig auf Unterstützung verzichten möchte. Der Rollator war dabei nicht nur ein sichtbares Zeichen, sondern vor allem eine praktische Hilfe. Gegenüber der „Abendzeitung München“ erklärte der Sänger, dass er nicht gewusst habe, ob er während der Veranstaltung längere Zeit würde stehen müssen. Deshalb habe er die Gehhilfe mitgenommen.
Interessant war jedoch, was danach geschah.
Während der Rede von Johannes Fritz, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Mercedes-Benz Bayern, stand Jürgen Drews tatsächlich aufrecht und stellte seinen Rollator zur Seite. Der Moment zeigte, dass die Gehhilfe für ihn nicht bedeutete, dass er den gesamten Abend auf ihr angewiesen war.
Drews selbst wollte deshalb offenbar auch keinen falschen Eindruck entstehen lassen. Er erklärte, dass er nach wie vor „ganz normal“ gehen könne. Gleichzeitig sprach er mit einer bemerkenswerten Portion Selbstironie über seine körperliche Verfassung: Er sei den Umständen entsprechend noch fit, könne aber selbstverständlich nicht mehr so herumhüpfen wie früher.

Diese Worte passen zu dem Bild, das der Sänger auch bei früheren Gelegenheiten von sich vermittelt hat. Er versucht offenbar, seine gesundheitliche Situation anzunehmen, ohne sich vollständig von ihr bestimmen zu lassen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Drews erklärt, dass er seine Nervenerkrankung im Griff habe und keine Schmerzen verspüre.
Trotzdem hat sich sein Alltag verändert. Längeres Stehen und gerades Gehen fallen ihm zunehmend schwerer. Sein Management erklärte gegenüber der „Bild“, dass der Rollator ihm Sicherheit gebe und sich sein Gangbild durch die Polyneuropathie verändert beziehungsweise verschlechtert habe. Gleichzeitig sei man froh darüber, dass Drews die Gehhilfe akzeptiere und benutze.
Für viele Menschen dürfte genau darin die eigentliche Bedeutung dieses Auftritts liegen. Ein Rollator ist kein Zeichen dafür, dass ein Mensch aufgegeben hat. Im Gegenteil: Er kann ermöglichen, weiterhin an Veranstaltungen teilzunehmen, Menschen zu treffen und Momente außerhalb der eigenen vier Wände zu genießen.
Und genau das tat Jürgen Drews in München.
An seiner Seite war seine Familie. Ehefrau Ramona begleitete ihn ebenso wie Tochter Joelina und deren Partner. Die Unterstützung seiner Angehörigen scheint für den Sänger inzwischen eine besonders wichtige Rolle einzunehmen. Seit seinem Bühnenabschied lebt er deutlich zurückgezogener als früher, und öffentliche Termine sind seltener geworden.
Dabei hätte man erwarten können, dass Drews nach seinem Rückzug vollständig aus der Öffentlichkeit verschwindet. Doch ganz so kam es nicht. Immer wieder taucht er bei ausgewählten Veranstaltungen auf, trifft Freunde und Kollegen oder wird gemeinsam mit seiner Familie gesehen.
Sein jetziger Auftritt erinnert deshalb auch daran, wie sehr sich das Bild eines Stars im Laufe der Jahrzehnte verändern kann. Früher stand Jürgen Drews im Rampenlicht, sang vor riesigen Menschenmengen und wurde als energiegeladener Entertainer gefeiert. Heute ist es ein besonderer Moment, wenn er bei einer Veranstaltung erscheint und einige Zeit mit seiner Familie verbringt.
Doch gerade darin liegt vielleicht eine neue Form von Stärke.
Denn der 81-Jährige scheint nicht darauf aus zu sein, den Eindruck zu erwecken, alles sei wie früher. Er nimmt die Veränderungen offenbar an und findet seinen eigenen Weg, damit umzugehen. Statt sich zurückzuziehen, erschien er in München, lächelte für die Kameras und verbrachte den Abend unter anderen prominenten Gästen.
Und dann gibt es noch einen weiteren Aspekt, der diesen Auftritt besonders persönlich macht.
Die Musik, die ihn jahrzehntelang begleitet hat, ist nicht verschwunden. Sie wird inzwischen von seiner Tochter weitergetragen. Joelina steht selbst auf der Bühne und bringt damit einen Teil des musikalischen Erbes ihres Vaters in die nächste Generation. Für Jürgen Drews dürfte das eine ganz besondere Bedeutung haben: Er muss selbst nicht mehr ständig im Rampenlicht stehen, um zu sehen, dass seine Arbeit weiterlebt.
So wurde aus einem zunächst ungewohnten Foto mit einer Gehhilfe am Ende ein viel größeres Bild. Es geht weniger darum, dass Jürgen Drews erstmals mit einem Rollator gesehen wurde. Entscheidend ist vielmehr, wie selbstverständlich er damit umgeht.
Der Sänger hat seine große Bühnenkarriere beendet, sein Leben hat sich verändert und auch sein Gangbild ist nicht mehr dasselbe wie früher. Dennoch bleibt von dem Münchner Abend vor allem eines hängen: Jürgen Drews war da. Er stand auf, wenn er konnte, setzte sich auf seine Gehhilfe, wenn sie ihm Sicherheit gab, und genoss den Abend im Kreis seiner Familie.
Und genau hier liegt die vielleicht wichtigste Nachricht dieses Auftritts: Jürgen Drews will sich offenbar nicht über das definieren lassen, was ihm heute schwerer fällt. Er möchte weiterhin am Leben teilnehmen – nur eben unter seinen eigenen Bedingungen.