Für Thomas Gottschalk begann dieser Tag ganz anders, als er ihn sich vermutlich vorgestellt hatte. Der Entertainer war in Jerusalem unterwegs, als ein unglücklicher Moment alles veränderte. Aus einem normalen Aufenthalt wurde plötzlich ein medizinischer Notfall – und kurze Zeit später musste der damals 65-Jährige im Rollstuhl sitzen.
Für einen Mann, der jahrzehntelang auf den größten Bühnen Deutschlands stand, vor Millionen Menschen moderierte und für seine spontane Art bekannt war, war dieser Anblick ungewohnt. Doch wer Thomas Gottschalk kennt, weiß, dass er selbst in schwierigen Situationen selten seinen Humor verliert. Und genau das zeigte sich auch diesmal.
Der Unfall ereignete sich während seines Aufenthalts in Jerusalem. Gottschalk wollte ursprünglich eine Aschermittwochs-Liturgie in einem Benediktinerkloster am Berg Zion besuchen. Doch auf den Straßen der Stadt kam es zu einem folgenschweren Sturz. Dabei verletzte sich der Moderator an der Quadrizeps-Sehne im Knie. Plötzlich war an normales Gehen nicht mehr zu denken.
Die Situation war ernst genug, dass Gottschalk nicht einfach weitermachen konnte. Er konnte nach dem Sturz nicht mehr selbstständig aufstehen und laufen. Statt seinen Aufenthalt jedoch dramatisch darzustellen, kommentierte er das Geschehen auf seine typisch trockene und selbstironische Weise.
Das Straßenpflaster von Jerusalem sei nach Jahrtausenden offenbar nicht mehr ganz eben, scherzte er sinngemäß. Selbst den Schmerz nahm der Entertainer mit Humor und sprach davon, ihn „in Demut“ anzunehmen.
Doch hinter den humorvollen Worten steckte eine Verletzung, die eine schnelle Behandlung erforderlich machte.
Gottschalk wurde nach Deutschland zurückgebracht. Bereits am folgenden Morgen erfolgte die Operation in Tübingen. Danach musste der Moderator zunächst im Rollstuhl bleiben. Die Verletzung bedeutete nicht nur eine vorübergehende Einschränkung, sondern eine längere Genesungsphase.
Besonders bemerkenswert war allerdings, was Gottschalk trotz dieser Situation vorhatte.
Denn eigentlich hätte man erwarten können, dass ein solcher Unfall sämtliche beruflichen Pläne zunichtemacht. Schließlich war der Moderator gerade erst operiert worden und konnte nicht normal laufen. Doch für Gottschalk kam offenbar nicht infrage, deshalb einfach zu Hause zu bleiben.
Am Abend stand eine Live-Sendung auf dem Programm: „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle“. Gemeinsam mit Günther Jauch sollte er vor den Kameras auftreten. Und obwohl er nach seiner Operation auf einen Rollstuhl angewiesen war, wollte Gottschalk die Sendung nicht ausfallen lassen.
Die Lösung war ungewöhnlich, aber typisch für ihn: Er würde eben nicht stehen, sondern sitzen.
Günther Jauch sollte seinen Kollegen während der Sendung im Rollstuhl durch die Kulisse schieben. Auch Barbara Schöneberger war an diesem Abend dabei. Gottschalk nahm die Situation mit Humor und machte aus seiner unfreiwilligen Rolle im Rollstuhl beinahe einen Teil der Show.
Gerade dieser Umgang mit dem Unfall sagt viel über den Entertainer aus. Für Gottschalk war die Verletzung offenbar kein Grund, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Im Gegenteil: Er wollte trotz seiner eingeschränkten Bewegungsfähigkeit vor die Kameras.
Das Bild des Moderators im Rollstuhl war für viele Zuschauer sicherlich ungewohnt. Schließlich verbinden ihn viele Menschen mit großen Shows, auffälligen Outfits, schnellen Sprüchen und einer enormen Bühnenpräsenz. Ein Rollstuhl passte auf den ersten Blick nicht zu diesem bekannten Bild.
Doch Gottschalk machte daraus keinen Moment der Schwäche.
Er blieb der Entertainer, der er immer gewesen war.
Schon die Art, wie er über seine Verletzung sprach, zeigte, dass er nicht vorhatte, sich von der Situation beherrschen zu lassen. Statt Selbstmitleid dominierte der Humor. Statt die geplante Show abzusagen, suchte er nach einer Möglichkeit, trotzdem aufzutreten.
Dabei war die Verletzung durchaus nicht nebensächlich. Nach dem Sturz musste Gottschalk operiert werden, und die Ärzte rechneten mit einer Genesungszeit von etwa sechs bis zwölf Wochen. Für jemanden, dessen Beruf stark von Bewegung, Auftritten und langen Drehtagen geprägt ist, bedeutete das eine erhebliche Einschränkung.
Doch der Entertainer hatte schon damals eine besondere Fähigkeit: Er konnte aus einer unangenehmen Situation eine Geschichte machen.
Sogar die Tatsache, dass ihm ein künstliches beziehungsweise stabilisierendes Element im Knie eingesetzt worden war, kommentierte er mit schwarzem Humor. Er sprach davon, nun einen „Titan-Dübel“ im Knie zu haben und scherzte darüber, irgendwann vielleicht vollständig aus Titan zu bestehen.
Damit zeigte Gottschalk einmal mehr, warum er über so viele Jahrzehnte ein Publikum erreichen konnte. Er musste nicht perfekt wirken. Er musste nicht so tun, als wäre nichts passiert. Stattdessen machte er seine Situation selbst zum Teil seiner Unterhaltung.
Für die Zuschauer dürfte gerade das besonders eindrucksvoll gewesen sein.
Denn ein Star, der im Rollstuhl auftritt, könnte leicht den Eindruck erwecken, dass eine Verletzung seine gesamte Welt aus den Angeln gehoben hat. Bei Gottschalk entstand jedoch ein anderes Bild: Der Unfall hatte ihn körperlich ausgebremst – aber nicht seinen Willen.
Auch die Unterstützung durch seine Kollegen spielte dabei eine Rolle. Günther Jauch, mit dem Gottschalk seit Jahren verbunden ist, übernahm an diesem Abend eine ganz besondere Aufgabe. Er sollte seinen verletzten Freund und Kollegen durch die Kulisse schieben. Aus einer medizinischen Notwendigkeit wurde dadurch beinahe ein Teil der Inszenierung.
Und vielleicht war genau das die wichtigste Botschaft dieses Abends: Nicht jede Einschränkung muss bedeuten, dass man auf alles verzichten muss.
Gottschalk konnte nicht laufen. Also saß er.
Er konnte nicht wie gewohnt über die Bühne gehen. Also ließ er sich schieben.
Und er konnte den Unfall nicht rückgängig machen. Also machte er das Beste daraus.
Heute ist die Geschichte vor allem deshalb interessant, weil die Bilder des damals verletzten Moderators einen ungewöhnlichen Einblick in eine Seite von Thomas Gottschalk gaben, die man im Fernsehen nur selten sah. Der Entertainer, der sonst stets die Kontrolle über eine große Bühne hatte, musste sich plötzlich auf andere verlassen.
Doch ausgerechnet in diesem Moment zeigte sich, dass seine größte Stärke gar nicht seine körperliche Präsenz war.
Es war seine Fähigkeit, eine schwierige Situation anzunehmen und trotzdem weiterzumachen.
Der Unfall in Jerusalem, die Operation in Deutschland und die anschließende Zeit im Rollstuhl hätten durchaus zu einem vollständigen Rückzug führen können. Stattdessen erschien Gottschalk bereits kurz nach dem Eingriff wieder vor einem Millionenpublikum.
Und damit kam am Ende die überraschende Wendung: Der Rollstuhl wurde für Thomas Gottschalk nicht zum Grund, die Show abzusagen – er wurde kurzerhand zum Teil seines Auftritts. Während andere in einer solchen Situation wahrscheinlich jede öffentliche Verpflichtung gestrichen hätten, entschied sich der Entertainer dafür, trotzdem vor die Kameras zu gehen.
Es war vielleicht kein klassischer Gottschalk-Auftritt. Aber es war einer, der viel über den Menschen hinter dem Showmaster verriet: Selbst wenn das Knie ihn ausbremste, wollte er sich seinen Humor und seinen Platz auf der Bühne nicht nehmen lassen.