Wie aus Markus Söder plötzlich ein „Aasbayer“ wurde – und warum dieser Auftritt der „heute-show“ bis heute im Gedächtnis bleibt

Es gibt Fernsehauftritte, die nach wenigen Tagen wieder vergessen sind. Und dann gibt es jene Momente, bei denen schon die ersten Sekunden genügen, damit aus einem gewöhnlichen politischen Beitrag eine kleine Fernsehgeschichte wird. Genau in diese Kategorie fiel im September 2017 ein Beitrag der „heute-show“, in dem Markus Söder eine ganz besondere Rolle bekam.

Damals war Söder bereits eine der bekanntesten Figuren der bayerischen Landespolitik. Der CSU-Politiker war für sein markantes Auftreten, seine deutlichen Aussagen und seine ausgeprägte Medienpräsenz bekannt. Die „heute-show“ machte daraus, was sie am besten konnte: eine satirische Geschichte, in der politische Bilder und Übertreibungen miteinander vermischt wurden.

Schon der Titel des damaligen Stern-Berichts deutete an, dass es diesmal nicht um einen gewöhnlichen politischen Kommentar gehen würde. Söder musste als „Aasbayer“ Federn lassen – eine bewusst zugespitzte Wortwahl, die den satirischen Charakter des Beitrags sofort deutlich machte.

Die „heute-show“ hatte sich längst darauf spezialisiert, politische Auftritte nicht einfach nachzuerzählen, sondern sie in einen völlig neuen Zusammenhang zu stellen. Politiker werden dabei mit Bildern, Kommentaren und ungewöhnlichen Fragen konfrontiert. Aus einer normalen Aussage kann so innerhalb weniger Sekunden eine Pointe entstehen.

Für Markus Söder war dieses Prinzip nicht neu. Schon Jahre später sollte die Sendung immer wieder auf seine öffentliche Selbstdarstellung, seine Medienpräsenz und seine politischen Ambitionen zurückkommen. Ein Stern-Bericht aus dem Jahr 2021 zeigte beispielsweise, wie Oliver Welke Söder im Zusammenhang mit dem damaligen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur der Union satirisch ins Visier nahm.

Doch 2017 war die Situation eine andere. Söder stand vor einem wichtigen Abschnitt seiner politischen Laufbahn. Bayern spielte für die CSU eine zentrale Rolle, und Söder selbst war bereits eine Figur, die weit über die Grenzen des Freistaats hinaus Aufmerksamkeit bekam.

Gerade deshalb bot er für eine Satire-Sendung besonders viel Material.

Die Kunst der „heute-show“ besteht dabei nicht unbedingt darin, einen Politiker mit einer einzigen Aussage bloßzustellen. Vielmehr nimmt die Sendung bekannte Eigenschaften einer öffentlichen Figur und verstärkt sie so lange, bis daraus eine eigene satirische Figur entsteht.

Bei Söder funktionierte dieses Prinzip besonders gut.

Sein Auftreten war auffällig genug, seine politische Sprache prägnant genug und seine Präsenz in den Medien groß genug, dass sich daraus zahlreiche humoristische Möglichkeiten ergaben. Die Zuschauer kannten sein Gesicht bereits. Sie kannten seine Stimme. Sie kannten seine Art, politische Themen zu kommentieren.

Und genau deshalb musste die „heute-show“ nicht viel erklären.

Ein kurzer Ausschnitt konnte genügen, um beim Publikum die gewünschte Reaktion auszulösen.

Das Besondere an solchen Beiträgen ist außerdem, dass sie mit einer Mischung aus Realität und Satire arbeiten. Die politischen Aussagen stammen aus der tatsächlichen öffentlichen Debatte, doch die Bearbeitung, die Auswahl und die Kommentare verändern ihre Wirkung. Ein ernst gemeinter Satz kann dadurch plötzlich völlig anders erscheinen.

Das war auch der Grund, warum der damalige Beitrag über Söder mehr war als nur eine Ansammlung von Witzen. Er zeigte gleichzeitig, wie politische Kommunikation im Fernsehen funktioniert.

Ein Politiker spricht vor einer Kamera, formuliert seine Botschaft und versucht, möglichst überzeugend zu wirken. Eine Satire-Sendung nimmt anschließend genau diese Bilder und gibt ihnen einen neuen Rahmen.

Plötzlich ist nicht mehr der Politiker selbst derjenige, der die Szene kontrolliert.

Die Redaktion entscheidet, welcher Ausschnitt gezeigt wird. Die Moderation bestimmt den Kommentar. Musik, Schnitt und Bildauswahl verändern die Stimmung. Und aus einem gewöhnlichen politischen Auftritt kann so ein komplett neues Bild entstehen.

Für Politiker ist das eine besondere Herausforderung. Denn während sie bei einer Pressekonferenz oder einem Interview zumindest versuchen können, ihre Botschaft zu kontrollieren, besitzt eine Satire-Sendung eine völlig andere Freiheit.

Sie darf übertreiben.

Sie darf provozieren.

heute-show"-Reporter besucht Markus Söder - der reagiert bissig | STERN.de

Und sie darf aus einem scheinbar kleinen Detail eine große Pointe machen.

Genau darin lag die Wirkung des Söder-Beitrags.

Interessant ist auch, dass Söder selbst in den folgenden Jahren immer wieder in der „heute-show“ auftauchte. Die Sendung griff später unter anderem seine Rolle im innerparteilichen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur auf. 2021 wurde aus Söder in der satirischen Darstellung sogar eine Art übergroße politische Figur, an der Oliver Welke die damaligen Auseinandersetzungen innerhalb der Union festmachte.

Damit entstand über die Jahre ein wiederkehrendes Muster: Markus Söder war nicht nur Politiker, sondern auch eine dankbare Figur für politische Satire.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die satirische Darstellung automatisch ein objektives Bild seiner Person oder seiner politischen Arbeit vermittelt. Satire arbeitet gerade mit Zuspitzung. Sie sucht den ungewöhnlichen Blickwinkel und lebt davon, bestimmte Eigenschaften besonders stark hervorzuheben.

Genau deshalb sollte man solche Beiträge anders betrachten als eine klassische politische Reportage.

Die „heute-show“ wollte 2017 keinen nüchternen Lebenslauf von Markus Söder erzählen. Sie wollte unterhalten, kommentieren und politische Kommunikation mit Humor auseinandernehmen.

Und dann kam schließlich der Moment, der dem Beitrag seinen besonderen Charakter gab.

Ausgerechnet der Begriff „Aasbayer“ wurde zum Kern der Geschichte.

Das Wort war keine sachliche politische Bezeichnung, sondern eine bewusst konstruierte satirische Pointe. Es verband den bekannten Begriff „Bayer“ mit einer provokanten Formulierung und machte aus Söder für einen Moment eine völlig andere Figur.

Genau hier lag das eigentliche Geheimnis des Beitrags: Nicht eine neue Enthüllung über Markus Söder stand im Mittelpunkt, sondern die Art und Weise, wie Fernsehen aus einem bekannten Politiker eine satirische Kunstfigur machen kann.

Und vielleicht war gerade das die überraschendste Pointe des ganzen Auftritts.

Denn am Ende musste Markus Söder gar nichts völlig Neues tun, damit die „heute-show“ ihn zum Mittelpunkt einer ungewöhnlichen Geschichte machte. Es reichte, seine bereits bekannte öffentliche Rolle neu zu inszenieren.

Aus dem Politiker wurde eine Figur der Satire.

Aus einem normalen politischen Auftritt wurde Unterhaltung.

Und aus Markus Söder wurde für diesen einen Fernsehbeitrag der ungewöhnliche „Aasbayer“, der dem satirischen Angriff der „heute-show“ seinen Namen gab.