Manchmal beginnt eine große Veränderung mit einem scheinbar kleinen Schritt. Eine neue Frisur, eine andere Haarfarbe oder ein ungewohnter Look können für Außenstehende nach einer ganz normalen Entscheidung aussehen. Für Patrice Aminati jedoch bekam genau diese Veränderung eine ganz andere Bedeutung.
Die Moderatorin und Influencerin zeigte sich im Herbst 2025 mit einem Thema, über das viele Menschen während einer Krebstherapie nur sehr schwer sprechen können: dem Verlust ihrer Haare. Dabei ging es für sie nicht allein um ihr Aussehen. Es ging um das Gefühl, sich selbst im Spiegel wiederzuerkennen und trotz ihrer Erkrankung weiterhin Frau zu sein.
Patrice Aminati kämpft seit Jahren gegen schwarzen Hautkrebs. Die Erkrankung begleitet ihr Leben und bestimmt viele ihrer Tage. Gleichzeitig versucht sie, sich ihre Lebensfreude nicht nehmen zu lassen. Sie spricht offen über ihre Behandlung, über schwierige Momente und über die Veränderungen, die diese mit sich bringt. Gerade deshalb war ihr neuer Schritt für viele ihrer Follower besonders bewegend.
Zunächst wirkt alles beinahe wie ein Besuch beim Friseur, bei dem es um einen neuen Stil geht. Patrice probiert verschiedene Perücken aus und betrachtet sich mit unterschiedlichen Haarfarben. Mal ist das Haar hell und blond, mal dunkler, mal wirkt der Look völlig anders als gewohnt. Sie begegnet der Situation dabei nicht mit Verzweiflung, sondern mit einer bemerkenswert positiven Haltung.
Doch hinter diesem Lächeln steckt eine Realität, die deutlich schwerer wiegt.
Patrice hatte bereits vor ihrem Haarausfall darüber nachgedacht, irgendwann einmal eine Perücke zu tragen. Für sie konnte Haarersatz durchaus mehr sein als eine medizinische Notwendigkeit. Sie sah darin auch ein Accessoire, mit dem man seinen Stil verändern und sich selbst neu entdecken kann. Deshalb wollte sie den Gedanken an eine Perücke nicht ausschließlich mit ihrer Krankheit verbinden.
Dann wurde aus einer Möglichkeit plötzlich etwas, das tatsächlich gebraucht wurde.
„Bei mir geht es jetzt so langsam los mit dem Haarausfall“, erklärte Patrice damals in einem Instagram-Video und zeigte dabei auch eine lichte Stelle an ihrer Kopfhaut. Für die junge Frau war damit ein weiterer sichtbarer Teil ihrer Krebserkrankung angekommen.
Haare haben für viele Menschen eine besondere Bedeutung. Sie verändern das Gesicht, den Ausdruck und das eigene Körpergefühl. Gerade wenn jemand durch eine schwere Erkrankung ohnehin das Gefühl bekommt, dass der eigene Körper nicht mehr so funktioniert wie früher, kann der Verlust der Haare emotional besonders belastend sein.
Patrice wollte genau dieses Gefühl nicht über sich bestimmen lassen.
Stattdessen machte sie aus der schwierigen Situation eine Gelegenheit, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. In einem Perückenstudio testete sie unterschiedliche Modelle und Farben. Sie zeigte sich mit hellblonden, braunen und dunkleren Varianten und ließ ihre Follower an diesem sehr persönlichen Moment teilhaben.
Dabei wurde deutlich, dass es ihr nicht darum ging, ihre Erkrankung zu verstecken. Ganz im Gegenteil: Patrice spricht sehr offen darüber. Sie möchte vielmehr verhindern, dass ihre Krankheit ihr gesamtes Erscheinungsbild bestimmt.
Denn wenn sie in den Spiegel schaut, möchte sie nicht nur eine Patientin sehen.
Sie möchte Patrice sehen.
Eine Frau, die sich schön fühlt. Eine Frau, die sich attraktiv fühlen darf. Eine Frau, die trotz Krankenhausaufenthalten, Therapien und medizinischer Belastungen noch immer Freude an Mode, Styling und ihrem eigenen Spiegelbild haben kann.
Genau dieser Gedanke wurde zum emotionalen Kern ihrer Entscheidung.
Patrice erklärte, dass sie sich weiterhin als Frau fühlen möchte. Sie wolle sich schön und sexy fühlen – und Haare würden dabei für sie eine wichtige Rolle spielen. Es sind einfache Worte, doch gerade deshalb wirken sie so persönlich.
Ihre Haltung zeigt auch eine andere Seite des Lebens mit einer schweren Erkrankung. Nicht jeder schwierige Moment muss ausschließlich von Angst und Traurigkeit geprägt sein. Manchmal kann ein kleiner Schritt zurück zu Normalität unglaublich wichtig werden. Sich schön anzuziehen, sich zu schminken, eine neue Frisur auszuprobieren oder eine Perücke zu tragen kann dabei helfen, zumindest für einen Augenblick wieder Kontrolle über einen Teil des eigenen Lebens zu gewinnen.
Patrice entschied sich deshalb nicht dafür, sich zurückzuziehen. Sie ging den umgekehrten Weg und machte ihre Veränderung öffentlich.
Das passt zu ihrem bisherigen Umgang mit ihrer Erkrankung. Seit Beginn ihrer Krebsbehandlung hat sie immer wieder Einblicke in ihren Alltag gegeben und auch schwierige Entwicklungen nicht verschwiegen. Ihre Offenheit hat viele Menschen erreicht, insbesondere diejenigen, die selbst mit einer schweren Diagnose oder den Nebenwirkungen einer Therapie leben.
Und auch später blieb die Perücke für Patrice ein Teil ihres neuen Alltags. Im November 2025 zeigte sie schließlich, für welches Modell sie sich entschieden hatte: einen hellblonden Longbob. Wenig später erschien sie damit auch öffentlich und bewies, dass sie ihren eigenen Weg gefunden hatte, mit der sichtbaren Veränderung umzugehen.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Perücke für Patrice nicht ausschließlich mit Krankheit verbunden blieb. Sie konnte damit wieder etwas von dem zurückholen, was durch die Therapie in den Hintergrund geraten war: das Gefühl, sich zurechtzumachen, sich attraktiv zu fühlen und einen Abend einfach als Frau zu erleben – und nicht ständig als Krebspatientin.
Diese Perspektive wurde besonders deutlich, als sie später wieder auf einem roten Teppich erschien. Nach Monaten, in denen Krankenhaus und Behandlung ihren Alltag geprägt hatten, beschrieb sie es als wohltuend, wieder hinauszugehen, sich zurechtzumachen und sich als Frau zu fühlen.
Und genau darin liegt die eigentliche Bedeutung ihrer Entscheidung.
Es geht bei Patrice Aminati nicht einfach um eine Perücke. Es geht um Identität. Um Selbstbestimmung. Und um den Versuch, sich trotz einer schweren Krankheit nicht auf die Diagnose reduzieren zu lassen.
Denn hinter dem neuen Haar verbirgt sich kein Wunsch, die Realität zu verdrängen. Patrice weiß sehr genau, was sie durchmacht. Aber sie entscheidet selbst, was sie im Spiegel sehen möchte.
Nicht nur die Krankheit.
Sondern eine Frau, die weiterhin leben, lachen, sich schön fühlen und sich selbst treu bleiben möchte.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieser scheinbar kleine Schritt so viel größer wirkt, als er auf den ersten Blick aussieht. Patrice Aminati hat ihre Perücke nicht gewählt, um ihre Geschichte zu verstecken. Sie hat sie gewählt, um sich selbst ein Stück ihres gewohnten Lebens zurückzugeben.