Es war ein Abend, der für viele Besucher im Wiener Raimund Theater eigentlich ganz im Zeichen eines großen Musicals stand. „Die Schöne und das Biest“ feierte dort seine Premiere, prominente Gäste kamen zusammen und auf der Bühne begann eine neue Aufführung. Doch unter den Zuschauern befand sich ein Mann, dessen Erscheinen selbst zu einem besonderen Ereignis wurde.
Peter Weck.
Der Schauspieler, Regisseur und langjährige Theatermacher ist inzwischen 96 Jahre alt und hat sich in den vergangenen Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Umso mehr Aufmerksamkeit bekam sein seltener Auftritt bei der Premiere. Weck kam im Rollstuhl und wurde von seiner Lebensgefährtin Joanna Rzepa begleitet.
Für viele Zuschauer war der Anblick zunächst ungewohnt. Denn über Jahrzehnte kannten Millionen Menschen Peter Weck als charmanten Schauspieler, als Familienvater Werner Schumann aus „Ich heirate eine Familie“ und als Mann, der auf Bühnen und vor Kameras scheinbar mühelos seinen Platz einnahm.
Nun saß er im Publikum – nicht mehr als Gastgeber oder Intendant, sondern als Zuschauer.
Und ausgerechnet dieses Theater war für ihn ein besonders bedeutender Ort.
Das Raimund Theater in Wien ist eng mit seiner eigenen Geschichte verbunden. Weck war nicht nur Schauspieler. Er gehörte zu den Persönlichkeiten, die das Musical in Wien entscheidend geprägt haben. Ab 1983 leitete er das Theater an der Wien und trug dazu bei, Wien zu einem wichtigen Musicalstandort im deutschsprachigen Raum zu machen. Unter seiner Leitung kamen unter anderem „Cats“ und „Das Phantom der Oper“ als deutschsprachige Erstaufführungen nach Wien.
Deshalb muss dieser Abend für den 96-Jährigen mehr gewesen sein als ein gewöhnlicher Theaterbesuch.
Es war gewissermaßen eine Rückkehr an einen Ort, an dem er selbst Theatergeschichte geschrieben hatte.
Doch die Bilder vom Premierenabend erzählen auch eine andere Geschichte.
Eine Geschichte über das Älterwerden, über schwere Zeiten und darüber, wie sehr sich das Leben eines Menschen innerhalb weniger Jahre verändern kann.
Peter Weck hatte sich nach einer langen Karriere zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine Fans bekamen ihn nur noch selten zu sehen. Der Schauspieler, der einst regelmäßig im Fernsehen präsent war, wurde plötzlich zu einer viel selteneren Erscheinung.
Der Grund dafür liegt auch in einem schweren gesundheitlichen Einschnitt.
Im Spätsommer 2022 erlitt Weck einen Schlaganfall. Die Folgen waren erheblich. Vor allem seine rechte Körperseite war betroffen. Zeitweise konnte er nicht sprechen und musste anschließend in einer Rehabilitation mühsam wieder laufen lernen.
Für jemanden, dessen gesamtes Berufsleben von Bewegung, Sprache, Bühne und öffentlichem Auftreten geprägt war, muss dieser Einschnitt besonders einschneidend gewesen sein.
Doch Weck zog sich nicht vollständig zurück.
Im Gegenteil: Immer wieder zeigte sich, dass er trotz der Veränderungen den Kontakt zum Leben und zu den Menschen um ihn herum behalten wollte.
Eine wichtige Stütze ist dabei seine Lebensgefährtin Joanna Rzepa. Die beiden sind seit 2020 ein Paar. Sie begleitete ihn auch zu seinem jüngsten öffentlichen Auftritt in Wien.
Und Weck selbst hat trotz seines hohen Alters seinen Humor offenbar nicht verloren.
In einem früheren Interview scherzte er über seine Partnerin, die als Kinderpädagogin arbeitet. Ihre berufliche Erfahrung passe gut zu ihm, meinte er sinngemäß, denn im Alter werde man schließlich wieder ein wenig kindisch.
Dieser Satz sagt vielleicht mehr über seine Haltung aus als viele offizielle Ehrungen.
Denn Peter Weck hat in seinem Leben beinahe alles erlebt, was die deutschsprachige Unterhaltungswelt zu bieten hatte.
Seine Karriere begann nicht im Fernsehen, sondern bei den Wiener Sängerknaben. Später besuchte er das Max-Reinhardt-Seminar. Bereits 1954 gelang ihm am Theater am Kurfürstendamm der Durchbruch. Danach folgten mehr als 100 Filme und zahlreiche Fernsehproduktionen.
Viele Zuschauer dürften ihn vor allem aus älteren Filmen kennen.
Auch in der berühmten „Sissi“-Trilogie mit Romy Schneider war er zu sehen. Im Laufe der Jahre wurde er zu einem vertrauten Gesicht des deutschsprachigen Films und Fernsehens.
Doch seine wohl bekannteste Rolle kam später.
In „Ich heirate eine Familie“ spielte Peter Weck den Familienvater Werner Schumann. Die Serie wurde zwischen 1983 und 1986 zu einem Publikumserfolg und machte ihn endgültig zu einem Fernsehstar. Gemeinsam mit Thekla Carola Wied prägte er eine der bekanntesten Familienserien dieser Zeit.
Für viele Zuschauer ist genau dieses Bild bis heute mit ihm verbunden.
Ein sympathischer Familienvater.
Ein Mann mit Charme.
Ein Gesicht aus einer Zeit, in der deutsche Familienserien noch regelmäßig Millionen Menschen vor dem Fernseher versammelten.
Doch hinter dieser Fernsehkarriere gab es noch eine zweite, mindestens ebenso beeindruckende Seite.
Peter Weck war ein wichtiger Theatermacher.
Als Intendant setzte er auf das Musical und half dabei, Wien als Musicalstadt zu etablieren. „Cats“ und „Das Phantom der Oper“ wurden unter seiner Leitung zu großen Erfolgen. Seine Arbeit hinter den Kulissen beeinflusste damit eine ganze Generation von Theaterbesuchern.
Und genau deshalb bekommt sein jüngster Auftritt eine besondere Bedeutung.
1995 wurde „Die Schöne und das Biest“ erstmals auf Deutsch in Wien aufgeführt. Jahrzehnte später kehrte dasselbe Musical nun in einer neuen Inszenierung zurück – und Peter Weck saß im Publikum.
Man könnte beinahe sagen: Das Theater, das so eng mit seinem beruflichen Leben verbunden ist, begrüßte ihn noch einmal als Ehrengast.
Auch andere Prominente erlebten den Abend als eine Art Zeitreise. Für manche Gäste erinnerte die Premiere an die erste Wiener Produktion aus den 1990er-Jahren. Schauspielerinnen und Künstler, die damals selbst mit dem Musical verbunden waren, blickten ebenfalls auf diese Zeit zurück.
Doch bei Peter Weck war die Zeitreise besonders bewegend.
Denn auf der einen Seite stand der 96-jährige Mann im Rollstuhl.
Auf der anderen Seite stand der Theatermacher, der einst selbst große Produktionen nach Wien brachte und dort die Musicalgeschichte mitgestaltete.
Zwischen diesen beiden Bildern liegen Jahrzehnte.
Jahrzehnte voller Filme, Serien, Bühnenauftritte, Auszeichnungen und Begegnungen mit großen Künstlern.
Und vielleicht wurde gerade deshalb sein Erscheinen bei dieser Premiere so aufmerksam beobachtet.
Es ging nicht nur um einen Schauspieler, der nach langer Zeit wieder fotografiert wurde.
Es ging um einen Mann, der an einen Ort zurückkehrte, der einen wichtigen Teil seines Lebens ausmacht.
Dabei zeigt sein Auftritt auch, dass Weck trotz der gesundheitlichen Folgen seines Schlaganfalls weiterhin am kulturellen Leben teilnimmt. Dass er eine solche Premiere besucht, obwohl ihm das Gehen heute schwerfällt, macht den Abend zu einem besonderen Moment.
Sein Leben hat sich verändert, aber seine Verbindung zum Theater ist geblieben.
Und vielleicht ist genau das die überraschendste Seite dieser Geschichte.
Denn Peter Weck hätte allen Grund, sich mit 96 Jahren vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Stattdessen ließ er sich von seiner Partnerin zu einer Premiere begleiten und nahm wieder dort Platz, wo er einst selbst eine entscheidende Rolle spielte.
Nicht auf der Bühne.
Nicht hinter den Kulissen.
Sondern diesmal einfach als Zuschauer.
Und während auf der Bühne „Die Schöne und das Biest“ erzählt wurde, schrieb sich gleichzeitig eine andere Geschichte weiter – die Geschichte eines Mannes, der seit mehr als sieben Jahrzehnten Teil der deutschsprachigen Unterhaltungswelt ist.
Heute ist Peter Weck 96 Jahre alt.
Sein jüngstes Foto zeigt nicht mehr den jugendlichen Schauspieler aus „Sissi“ und auch nicht den beliebten Familienvater aus „Ich heirate eine Familie“.
Es zeigt einen hochbetagten Mann im Rollstuhl, begleitet von einer Frau, die ihm in den vergangenen Jahren zur Seite stand.
Doch hinter diesem Bild verbirgt sich eine Karriere, die weit über das Fernsehen hinausgeht.
Und vielleicht war es gerade deshalb so bewegend, ihn wieder dort zu sehen, wo ein großer Teil seines Lebens begann und wo er selbst einst Geschichte schrieb: im Theater.
