Markus Söder und Barbara Schöneberger werden plötzlich zu Stars einer britischen Show – allerdings in einer völlig unerwarteten Form

Was haben Markus Söder, Barbara Schöneberger, Thomas Müller und Jürgen Klopp gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Der eine ist Politiker, die andere gehört zu den bekanntesten deutschen Moderatorinnen, einer ist Fußballstar und der andere trainiert einen internationalen Spitzenklub. Doch plötzlich wurden sie zu einem Teil einer ganz besonderen Welt – und zwar als Puppen.

Die britische Kult-Satireshow „Spitting Image“ ist bekannt dafür, prominente Persönlichkeiten auf eine ziemlich gnadenlose Art und Weise darzustellen. Politiker, Sportler und Stars werden dort nicht einfach nachgebildet. Sie werden bewusst überzeichnet, ihre charakteristischen Merkmale werden verstärkt und ihre öffentlichen Rollen auf humorvolle Weise auf die Spitze getrieben.

Nun sollte dieses Konzept auch in Deutschland für Aufsehen sorgen.

Für die deutschsprachige Version wurden mehr als 20 neue Puppen prominenter Persönlichkeiten aus Deutschland und Österreich angekündigt. Neben Markus Söder und Barbara Schöneberger gehörten dazu unter anderem Angela Merkel, Armin Laschet, Annalena Baerbock, Sebastian Kurz, Thomas Müller und Jürgen Klopp.

Schon die Liste der Namen zeigt, wie breit die Macher aufgestellt waren.

Politik trifft Unterhaltung.

Sport trifft Fernsehen.

Und mittendrin Menschen, die normalerweise kaum etwas miteinander zu tun haben.

Doch bei „Spitting Image“ gibt es eine Gemeinsamkeit: Keiner der Prominenten ist vor der Satire sicher.

Gerade Markus Söder dürfte dabei besonders interessant gewesen sein. Der bayerische Politiker war bereits lange vor der angekündigten deutschen Ausgabe für seine auffällige öffentliche Präsenz bekannt. In der Satirewelt wurde aus dieser Bekanntheit eine Puppe, die seine charakteristischen Merkmale bewusst überzeichnet.

Auch Barbara Schöneberger bekam ihre eigene Version.

Für die beliebte Moderatorin bedeutete das einen ungewöhnlichen Rollenwechsel. Normalerweise steht sie selbst vor der Kamera, führt durch Shows, interviewt Prominente und sorgt mit ihrer humorvollen Art für Unterhaltung. Diesmal wurde jedoch sie selbst zum Bestandteil eines Comedyformats.

Und genau das macht den Reiz der Sendung aus.

Denn eine Puppe kann Dinge sagen oder tun, die ein realer Prominenter niemals tun würde.

Die Macher müssen sich deshalb nicht streng an die Realität halten. Sie können Eigenschaften übertreiben, Situationen erfinden und bekannte Persönlichkeiten in völlig absurde Szenarien stecken.

„Spitting Image“ lebt genau davon.

Die Geschichte der Show reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Roger Law und Peter Fluck entwickelten damals die markanten Latexpuppen, die zunächst dazu gedacht waren, politische Artikel zu illustrieren. Schon früh gehörten Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Muammar al-Gaddafi zu den bekannten Figuren der Sendung.

International berühmt wurde das Format schließlich auch durch das Musikvideo zu „Land of Confusion“ von Genesis.

Die Puppen waren plötzlich nicht mehr nur ein britisches Satirephänomen.

Sie wurden weltweit erkannt.

Jahrzehnte später wurde das Konzept neu aufgelegt. Nun sollte Deutschland eine eigene Version bekommen.

Dafür wurden die neuen Figuren aufwendig hergestellt. Die Puppen bestanden aus Latex und wurden in Deutschland und Großbritannien gefertigt. Insgesamt waren neun neue Episoden sowie ein Best-of geplant.

Doch bevor eine solche Figur überhaupt vor der Kamera stehen kann, steckt dahinter viel Handarbeit.

Zunächst müssen die charakteristischen Merkmale einer Person analysiert werden. Gesicht, Frisur, Körperform und typische Gesichtsausdrücke werden berücksichtigt. Anschließend entstehen Formen, aus denen die Latexpuppen hergestellt werden.

Das Ergebnis soll nicht unbedingt schmeichelhaft sein.

Im Gegenteil.

Je stärker eine Figur überzeichnet wird, desto größer ist häufig der komische Effekt.

Und genau deshalb konnte man sich bei den deutschen Prominenten bereits im Vorfeld fragen, wie stark die jeweiligen Puppen ihre realen Vorbilder auf die Schippe nehmen würden.

Bei Markus Söder dürfte beispielsweise seine politische Präsenz eine wichtige Rolle spielen.

Bei Barbara Schöneberger wiederum ihre Rolle als Entertainerin.

Bei Thomas Müller der Fußball.

Und bei Jürgen Klopp seine internationale Bekanntheit als Trainer.

Die Show macht aus diesen öffentlichen Rollen eine Art satirischen Baukasten.

Dabei war die deutsche Ausgabe etwas Besonderes. Laut dem Bericht handelte es sich um die erste internationale Version des britischen Comedyformats. Produziert wurde sie von Redseven Entertainment, während erfahrene Autoren aus der deutschen Satirelandschaft beteiligt waren.

Auch bekannte Synchronsprecher waren dabei.

Das ist wichtig, denn eine Puppe allein macht noch keine Comedyfigur.

Erst Stimme, Dialog und Bewegung geben ihr Persönlichkeit.

Und gerade die Stimmen können den Wiedererkennungswert enorm erhöhen.

Die Zuschauer sollten schließlich schon nach wenigen Sekunden erkennen, wen sie vor sich haben.

Gleichzeitig musste das deutsche Team eine schwierige Balance finden.

Die britische Variante von „Spitting Image“ ist für sehr scharfe Satire bekannt. Die Figuren werden nicht vorsichtig behandelt, sondern bewusst überspitzt. Politiker und Prominente müssen damit rechnen, dass ihre öffentlichen Eigenschaften gnadenlos auseinandergenommen werden.

Das galt natürlich auch für die deutschen Stars.

Besonders passend war der Starttermin im politischen Umfeld. Die deutsche Ausgabe sollte im Herbst rund um die damalige Bundestagswahl ausgestrahlt werden. Deshalb spielten politische Figuren eine besonders große Rolle.

Doch die Macher wollten nicht ausschließlich Politiker zeigen.

Genau deshalb wurden auch Persönlichkeiten aus Sport und Unterhaltung integriert.

Barbara Schöneberger war dafür ein perfektes Beispiel.

Sie gehört zu den bekanntesten deutschen TV-Gesichtern und ist selbst für ihre humorvolle und schlagfertige Art bekannt. Eine satirische Puppe von ihr konnte deshalb mit vielen Elementen spielen, die das Publikum bereits aus dem Fernsehen kennt.

Und dann gab es noch eine interessante Frage:

Wie würden die echten Prominenten auf ihre Puppen reagieren?

Denn bei „Spitting Image“ ist die Grenze zwischen Kompliment und Spott manchmal bewusst schwer zu erkennen.

Eine Puppe kann durchaus bedeuten, dass jemand eine gewisse gesellschaftliche Bedeutung erreicht hat.

Wer parodiert wird, ist schließlich bekannt genug, dass das Publikum die Anspielung sofort versteht.

Das gilt besonders für Namen wie Söder, Schöneberger, Müller oder Klopp.

Sie müssen nicht vorgestellt werden.

Ein paar typische Merkmale reichen.

Und genau darin liegt die besondere Wirkung der Sendung.

Die Zuschauer sehen eine völlig übertriebene Figur – und erkennen trotzdem sofort das Original.

Doch hinter dem Humor steckt noch etwas anderes.

„Spitting Image“ zeigt, wie sehr Prominente inzwischen Teil der öffentlichen Kultur geworden sind. Politiker werden zu Medienfiguren, Sportler zu Marken und Moderatoren zu eigenen Persönlichkeiten.

Die Satire nimmt diese Rollen und dreht sie noch ein Stück weiter.

Am Ende bleibt deshalb vor allem eine überraschende Erkenntnis:

Markus Söder und Barbara Schöneberger wurden nicht deshalb zu Stars der britischen Kultshow, weil sie plötzlich selbst in Großbritannien Karriere machen wollten.

Sie wurden zu Stars, weil sie als überzeichnete Latexpuppen in die Welt von „Spitting Image“ einzogen.

Und genau das dürfte für beide eine ziemlich ungewöhnliche Erfahrung gewesen sein.

Denn normalerweise kontrollieren sie selbst, wie sie vor der Kamera erscheinen.

Diesmal hatten andere das letzte Wort.

Andere entschieden über Gesicht, Stimme, Aussehen und Witze.

Und ausgerechnet dadurch entstand eine völlig neue Version von Markus Söder und Barbara Schöneberger – eine, die mit den echten Menschen zwar unverkennbar verbunden war, aber mit ihnen gleichzeitig nur sehr wenig zu tun hatte.