Nach dem schweren Schlaganfall änderte Gaby Köster ihren Blick aufs Leben – und eine Aussage überrascht bis heute

Gaby Köster war viele Jahre eine der bekanntesten Komikerinnen Deutschlands. Mit ihrer direkten Art, ihrem rheinischen Humor und ihrer unverwechselbaren Stimme wurde sie zu einem festen Bestandteil der deutschen Fernsehlandschaft. „Ritas Welt“ und „7 Tage, 7 Köpfe“ machten sie einem Millionenpublikum bekannt. Sie wirkte selbstbewusst, spontan und so, als könne sie kaum etwas aus der Ruhe bringen.

Doch dann kam der Tag, der alles veränderte.

Im Jahr 2008 erlitt Gaby Köster einen schweren Schlaganfall. Für die damals 46-Jährige begann damit ein völlig neues Leben. Sie verbrachte Monate im Krankenhaus und musste vieles wieder neu lernen. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl und lebt mit den Folgen des Schlaganfalls. Mehr als drei Jahre lang blieb die Öffentlichkeit weitgehend im Unklaren darüber, was mit dem beliebten TV-Star geschehen war. Erst 2011 trat Köster wieder öffentlich auf und sprach über das, was sie erlebt hatte.

Für viele Fans war ihr Comeback ein Schock – aber gleichzeitig ein Zeichen unglaublicher Stärke.

Denn Gaby Köster kam nicht zurück, um Mitleid zu bekommen.

Sie kam zurück, um weiterzumachen.

Schon damals zeigte sich eine Eigenschaft, die sie bis heute begleitet: ihr Humor. Selbst nachdem sich ihr Leben grundlegend verändert hatte, wollte sie sich nicht ausschließlich über ihre Einschränkungen definieren lassen. Sie begann, öffentlich über ihren Schlaganfall und die Zeit danach zu sprechen und verarbeitete ihre Erfahrungen später in dem Buch „Ein Schnupfen hätte auch gereicht – meine zweite Chance“. Die Geschichte wurde schließlich sogar verfilmt.

Doch hinter ihrem Lachen steckte eine wichtige Erkenntnis.

Köster hatte erfahren, wie schnell sich ein Leben verändern kann.

Pläne, die man für Jahre später macht, können plötzlich wertlos werden. Ein Urlaub, eine Reise, ein berufliches Projekt oder ein persönlicher Wunsch – all das kann irgendwann aufgeschoben werden. Doch niemand weiß, ob dieses „später“ tatsächlich kommt.

Genau diese Erfahrung beeinflusste ihre Einstellung.

Köster erklärte, dass sie seit dem Schlaganfall noch stärker versuche, im Hier und Jetzt zu leben. Sie wolle Dinge nicht mehr unnötig aufschieben. Das Leben sei schließlich nicht vollständig planbar. Diese Haltung habe sie nach eigener Aussage auch schon von ihrem Vater mitbekommen: Man müsse improvisieren können.

Und plötzlich bekam sogar das Wort „Bucket List“ eine ganz andere Bedeutung.

Eine Bucket List enthält normalerweise Dinge, die man im Laufe seines Lebens unbedingt noch erleben möchte. Bei Gaby Köster wurde daraus keine traurige Liste der letzten Wünsche. Im Gegenteil: Sie machte daraus eine Art persönliche Einladung, das Leben trotz aller Hindernisse weiterhin zu genießen.

2022 zeigte RTL die Dokumentation „Gaby Köster – Meine verrückte Bucket List“. Darin erfüllte sich die Komikerin einige ihrer lang gehegten Wünsche. Sie reiste nach Frankreich, besuchte die Camargue und wagte sich sogar aufs Pferd. Für eine Frau, die seit ihrem Schlaganfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist, war das eine besondere Herausforderung.

Doch genau das schien der Punkt zu sein.

Gaby Köster wollte nicht ständig hören, was sie nicht mehr könne.

Sie wollte ausprobieren, was trotzdem möglich ist.

In der Camargue erlebte sie einen Moment, den sie selbst als besonderen Traum bezeichnete. Sie konnte reiten und fühlte sich dabei wieder wie ein Teenager. Auch Reisen nach St. Tropez und der Besuch einer französischen Kommune gehörten zu ihren Erlebnissen.

Wer sie dabei beobachtete, bekam einen Eindruck davon, wie sehr sich ihr Lebensgefühl verändert hatte.

Früher war ihre Arbeit der Mittelpunkt ihres Lebens. Bühne, Fernsehen, Comedy und Auftritte bestimmten ihren Alltag. Nach dem Schlaganfall musste sie vieles neu definieren. Doch anstatt sich ausschließlich zurückzuziehen, suchte sie nach neuen Möglichkeiten.

Schon 2019 sprach sie davon, gerne ein Reisemagazin für Menschen mit Behinderung zu moderieren. Ihre Idee war damals ein Format nach dem Motto „Mit dem Rolli um die Welt“. Reisen habe sie immer geliebt, und es ärgere sie, dass vieles nun nicht mehr so unkompliziert möglich sei.

Das zeigt, dass Köster ihre Einschränkungen durchaus kennt.

Aber sie weigert sich, sie zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen.

Selbst über scheinbar alltägliche Dinge kann sie noch lachen. Einige Jahre nach ihrem Schlaganfall erzählte sie beispielsweise, dass sie inzwischen an ihrem linken Arm wieder Mückenstiche spüren könne. Für andere Menschen wäre ein solcher Stich lediglich lästig. Für Köster war die Tatsache, ihn überhaupt wieder wahrzunehmen, ein kleines Zeichen dafür, dass sich ihr Körper verändert hatte.

Es sind genau diese kleinen Momente, die ihre Geschichte so besonders machen.

Denn Köster spricht nicht davon, dass nach einem schweren gesundheitlichen Einschnitt plötzlich alles wieder normal wird.

Sie sagt vielmehr: Das Leben wird anders – und man muss lernen, mit diesem „anders“ umzugehen.

Auch ihre Rückkehr ins Fernsehen verlief deshalb Schritt für Schritt. 2011 sprach sie erstmals wieder öffentlich über ihren Schlaganfall. Später war sie unter anderem bei „Die Puppenstars“ als Jurorin zu sehen. Auch bei „stern TV“ trat sie auf.

Doch sie musste nicht ständig auf dem Bildschirm erscheinen, um präsent zu bleiben.

die-pro. | Cases | Das Comeback von Gaby Köster - Produziert von Pro TV

Sie schrieb Bücher.

Sie erzählte ihre Geschichte.

Sie nahm an Dokumentationen teil.

Und sie fand sogar neue Wege zurück ins Radio. 2022 kehrte sie nach mehr als drei Jahrzehnten mit einem eigenen Radioformat zurück. Dabei wollte sie sich unter anderem mit der Frage beschäftigen, was Menschen tun können, um die Welt und das Leben ein kleines bisschen schöner und glücklicher zu machen.

Vielleicht ist genau das ihr eigentliches Vermächtnis.

Nicht die Comedy-Rollen.

Nicht die Fernsehshows.

Und auch nicht der Rollstuhl, in dem sie heute sitzt.

Sondern ihre Fähigkeit, nach einem Einschnitt, der ihr Leben hätte vollständig bestimmen können, trotzdem neugierig zu bleiben.

Denn eines machte Gaby Köster besonders deutlich: Sie hat keine Lust, ihr Leben ständig nach dem zu beurteilen, was nicht mehr funktioniert.

Sie will wissen, was noch möglich ist.

Und dazu gehört auch ihre ungewöhnlich entspannte Haltung gegenüber dem Tod.

Nach ihrem Schlaganfall, bei dem sie selbst dem Tod nahegekommen war, erklärte sie, dass sie keine Angst davor habe. Für sie sei es sinnlos, ständig darüber nachzudenken. Sie wolle sich vielmehr auf das Leben konzentrieren, das sie noch vor sich habe.

Auf die Frage, ob sie bereits Vorkehrungen für ihren eigenen Tod getroffen habe, gab sie ebenfalls eine bemerkenswert gelassene Antwort: Damit wolle sie sich derzeit noch nicht beschäftigen.

Und genau hier liegt vielleicht die überraschendste Erkenntnis.

Viele Menschen würden nach einer solchen Erfahrung anfangen, jeden Tag mit der Angst vor dem Ende zu betrachten.

Gaby Köster machte offenbar das Gegenteil.

Der Schlaganfall erinnerte sie nicht daran, dass das Leben bald vorbei sein könnte.

Er erinnerte sie daran, dass das Leben gerade jetzt stattfindet.

Deshalb wartet sie nicht auf den perfekten Moment. Sie verschiebt Wünsche nicht automatisch auf irgendwann. Sie reist, lacht, arbeitet, probiert neue Dinge aus und spricht weiterhin so direkt, wie man es von ihr kennt.

Ihr Leben ist nicht mehr dasselbe wie vor 2008.

Aber vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft ihrer Geschichte: Gaby Köster hat nach dem schweren Schlaganfall nicht versucht, ihr altes Leben zurückzubekommen. Sie hat gelernt, ein neues Leben zu führen – mit Humor, Neugier und der festen Entscheidung, möglichst keinen wertvollen Moment mehr unnötig auf später zu verschieben.