Jürgen Drews gehörte jahrzehntelang zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen Schlagerszene. Auf der Bühne war er für Energie, Bewegung und gute Laune bekannt. Seine Auftritte lebten nicht nur von seinen Liedern, sondern auch von seiner unverwechselbaren Art, mit dem Publikum zu feiern. Doch hinter dieser fröhlichen Bühnenfigur begann sich schon vor einigen Jahren eine ganz andere Geschichte zu entwickeln.
Es waren zunächst scheinbar kleine Momente.
Ein vergessener Name. Ein Wort, das plötzlich nicht mehr einfiel. Ein Gegenstand, dessen Aufenthaltsort man nicht mehr wusste. Solche Situationen kennt fast jeder Mensch und meistens sind sie harmlos. Bei Jürgen Drews wurden die Gedächtnislücken jedoch zunehmend zu einer Belastung.
Der Sänger beschrieb damals selbst, wie beunruhigend diese Situationen für ihn wurden. Besonders erschreckend war für ihn, dass er manchmal sogar nicht wusste, wo er sich befand, wenn sein Fahrer ihn zu einem Auftrittsort brachte. Auch Namen von Menschen, die ihm nahestanden, wollten ihm gelegentlich nicht mehr einfallen.
Für einen Menschen, dessen gesamtes Berufsleben von öffentlichen Auftritten geprägt ist, müssen solche Momente besonders belastend sein.
Drews begann sich deshalb selbst eine beunruhigende Frage zu stellen: Könnte er dement werden?
Der Gedanke kam nicht völlig aus dem Nichts. Auch seine Mutter Lilo hatte in ihren letzten Lebensjahren an Demenz gelitten. Für Drews war diese familiäre Erfahrung offenbar besonders präsent. Die Vorstellung, selbst einen ähnlichen Weg einzuschlagen, musste deshalb umso beunruhigender wirken.
Doch genau an diesem Punkt nahm seine Geschichte eine unerwartete Wendung.
Drews suchte einen Spezialisten auf, um endlich eine Erklärung für seine Beschwerden zu bekommen. Die Hoffnung war, herauszufinden, warum er solche Aussetzer hatte und was dahintersteckte.
Die Antwort des Arztes war jedoch nicht die, mit der der Sänger gerechnet hatte.
Es wurde keine Demenz als Ursache festgestellt. Stattdessen wurde bei ihm eine Erkrankung des Nervensystems diagnostiziert: periphere Polyneuropathie.
Die Diagnose erklärte vor allem andere Beschwerden, die Drews ebenfalls zunehmend bemerkte.
Bei einer Polyneuropathie sind periphere Nerven geschädigt. Je nach Ausprägung können dadurch unter anderem Missempfindungen, Schmerzen, Taubheitsgefühle, Gleichgewichtsprobleme und Einschränkungen der Beweglichkeit entstehen. Auch aktuelle medizinische Informationen zu Drews beschreiben seine Erkrankung als eine Nervenkrankheit, die seine Beweglichkeit und Koordination beeinträchtigt.
Für den Entertainer hatte diese Diagnose eine ganz konkrete Konsequenz.
Seine berühmten Bewegungen auf der Bühne wurden schwieriger.
Drews war nicht einfach ein Sänger, der hinter einem Mikrofon stand. Bewegung gehörte zu seiner Bühnenpersönlichkeit. Seine Auftritte waren voller Energie, und seine Fans kannten seine charakteristischen Tanzeinlagen.
Doch plötzlich konnte sein Körper nicht mehr selbstverständlich das leisten, was jahrzehntelang funktioniert hatte.
Besonders seine berühmte „Drews-Pirouette“ wurde zum Problem. Er erklärte damals, dass diese Bewegung wegen seiner Erkrankung zunehmend unsicher geworden sei und er deshalb lieber darauf verzichte.
Das war für den Sänger mehr als nur der Verzicht auf einen einzelnen Tanzschritt.
Es war ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich sein Leben verändert hatte.
Der Mann, der auf der Bühne scheinbar mühelos Energie versprühte, musste nun genau überlegen, welche Bewegungen sein Körper noch zuließ.
Und damit entstand eine neue Unsicherheit: Wie lange würde er überhaupt noch auftreten können?
Drews sprach damals ungewöhnlich offen über diese Möglichkeit. Er machte deutlich, dass der „Jürgen Drews von früher“ so nicht zurückkommen werde. Auch ein vollständiger Rückzug von der Bühne schien für ihn plötzlich nicht mehr ausgeschlossen.
Für seine Fans war das eine schwere Vorstellung.

Über Jahrzehnte hatten sie ihn mit Mallorca, Schlager, Sommer, Partys und ausgelassener Stimmung verbunden. Der Künstler schien geradezu untrennbar mit dieser Welt verbunden zu sein.
Doch eine Krankheit kann auch für einen erfahrenen Bühnenprofi die Regeln verändern.
Später zog sich Drews tatsächlich zunehmend aus dem Rampenlicht zurück. 2022 wurde sein Rückzug von der Bühne bekannt, 2023 feierte er seinen Abschied als aktiver Bühnenkünstler. Seine Erkrankung blieb dabei ein wichtiger Teil seiner gesundheitlichen Geschichte.
Doch die Entwicklung war nicht einfach eine Geschichte über das Ende einer Karriere.
Sie war auch die Geschichte eines Mannes, der lernen musste, mit einem veränderten Körper und neuen Grenzen umzugehen.
Das macht seine damaligen Aussagen besonders eindringlich.
Denn zunächst hatte Drews selbst befürchtet, dass seine zunehmende Vergesslichkeit auf eine Demenz hindeuten könnte. Er kannte die Krankheit aus seiner eigenen Familie und bemerkte bei sich selbst Veränderungen, die ihn beunruhigten.
Dann kam die Untersuchung.
Und plötzlich lag die eigentliche Erklärung an einer völlig anderen Stelle.
Es war eine Erkrankung der Nerven, die zunehmend seine körperliche Sicherheit beeinflusste und damit ausgerechnet jenes Talent bedrohte, das einen wesentlichen Teil seiner Bühnenkarriere ausgemacht hatte.
Die Diagnose war nicht heilbar. Genau das machte die Situation für den Sänger besonders schwierig.
Trotzdem bedeutete die Diagnose nicht, dass sein gesamtes Leben von einem Tag auf den anderen vorbei war.
Drews musste vielmehr seine Vorstellungen davon verändern, was er noch tun konnte.
Aus einem Künstler, der immer unterwegs gewesen war, wurde zunehmend ein Mann, der einen ruhigeren Alltag akzeptieren musste. Bereits 2022 berichtete er davon, dass sein Körper die Belastungen früherer Jahre nicht mehr auf dieselbe Weise bewältigen könne.
Auch Jahre später blieb die Krankheit ein Thema. Seine Tochter Joelina berichtete 2024, dass ihr Vater an einer eher leichteren Form der Polyneuropathie leide, die dennoch langsam fortschreite. Im März 2026 wurde zudem über eine neue Therapie und Fortschritte berichtet.
Damit wurde aus der zunächst erschreckenden Diagnose eine lang andauernde Herausforderung.
Doch vielleicht war die wichtigste Erkenntnis bereits am Anfang seiner Krankheitsgeschichte verborgen.
Jürgen Drews hatte zunächst geglaubt, dass seine Gedächtnisprobleme auf Demenz hindeuten könnten. Er fürchtete damit ausgerechnet jene Krankheit, die er aus dem Schicksal seiner Mutter kannte.
Doch die Untersuchung brachte schließlich eine andere Erklärung.
Es war nicht die befürchtete Demenz, sondern eine periphere Polyneuropathie, eine Erkrankung des Nervensystems, die vor allem seine Beweglichkeit und seine Fähigkeit, wie früher auf der Bühne aufzutreten, beeinträchtigte.
Und genau diese Diagnose sollte sein Leben und seine Karriere nachhaltig verändern.
Ausgerechnet der Mann, der jahrzehntelang für Bewegung, Tanz und ausgelassene Auftritte stand, musste lernen, mit körperlichen Grenzen zu leben.
Seine berühmte Pirouette verschwand von der Bühne.
Und irgendwann verabschiedete sich auch der „König von Mallorca“ weitgehend von der Bühne selbst.