Jürgen Drews erstmals mit Rollator gesehen – doch was danach geschah, ließ viele den Schlagerstar plötzlich mit anderen Augen sehen

ittelte dabei etwas, das im Showgeschäft selten geworden ist: das Gefühl, dass die Zeit für manche Menschen einfach langsamer vergeht. Sein Lächeln, seine Stimme, seine markante Haarpracht – all das gehörte für viele Deutsche zu einem ganz bestimmten Lebensgefühl.

Doch dann tauchte ein Bild auf, das nicht so recht in diese Vorstellung passen wollte.

Jürgen Drews, inzwischen 81 Jahre alt, bei einem Empfang in München. An seiner Seite seine Ehefrau Ramona. Der Sänger elegant gekleidet, mit hellblauem Anzug, weißem Hemd und weißen Turnschuhen. Eigentlich ein typischer Auftritt des Mannes, den viele noch immer als „König von Mallorca“ in Erinnerung haben.

Nur eines war anders.

Drews war mit einem Rollator unterwegs.

Für einen Moment wirkte dieses Hilfsmittel wie ein Fremdkörper in einem Bild, das ansonsten so vertraut erschien. Gerade deshalb blieb der Anblick vielen im Gedächtnis. Denn plötzlich wurde sichtbar, was man bei einem Künstler wie Jürgen Drews lange verdrängt hatte: Auch eine Legende wird älter.

Seit 2022 ist bekannt, dass Drews an Polyneuropathie leidet. Dabei handelt es sich um eine Nervenschädigung, die nicht heilbar ist und unter anderem die Beweglichkeit beeinträchtigen kann. Für den Sänger bedeutete die Erkrankung schließlich einen tiefen Einschnitt in sein bisheriges Leben.

Doch Jürgen Drews war nie jemand, der sich besonders leicht in eine Schublade stecken ließ.

Schon in jungen Jahren galt er als außergewöhnlicher Entertainer. Er war Teil der Les Humphries Singers, wurde später als Solokünstler bekannt und entwickelte sich zu einem der populärsten Gesichter des deutschen Schlagers. Mit Liedern wie „Ein Bett im Kornfeld“, „Barfuß durch den Sommer“ und „Ich bau dir ein Schloss“ schrieb er sich in die Musikgeschichte ein.

Besonders auf Mallorca wurde er zur Kultfigur. Sein Name war über Jahre untrennbar mit ausgelassenen Partynächten verbunden. Der Begriff „König von Mallorca“ wurde zu seinem Markenzeichen.

Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb der Anblick des Rollators zunächst so ungewohnt wirkt.

Denn Jürgen Drews verkörperte lange Zeit das Gegenteil von Stillstand. Er war der Mann, der auf der Bühne Energie versprühte, der das Publikum unterhielt und sich selbst nicht allzu wichtig nahm. Selbst seine großen Schlager betrachtete er mit einer gewissen Ironie.

Doch irgendwann kommt im Leben der Moment, in dem sich die Perspektive verändert.

Drews zog sich vor einigen Jahren weitgehend aus dem Rampenlicht zurück. Für einen Künstler, der mehr als fünf Jahrzehnte lang präsent gewesen war, musste dieser Schritt eine gewaltige Veränderung sein. Plötzlich gab es keine regelmäßigen Auftritte mehr, keine großen Bühnen, keine ständige Aufmerksamkeit.

Und genau davor hatte er offenbar immer ein wenig Respekt gehabt: vergessen zu werden.

Nicht mehr erkannt zu werden. Nicht mehr nach einem Selfie gefragt zu werden. Nicht mehr der Mann zu sein, den jeder kennt.

Das ist eine Angst, die vermutlich viele Menschen nachvollziehen können – besonders diejenigen, deren berufliches Leben jahrzehntelang von öffentlicher Aufmerksamkeit geprägt war.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Drews nun auf eine ganz andere Weise wieder in Erscheinung tritt.

Nicht perfekt inszeniert. Nicht verborgen hinter einer großen Show. Nicht so, als müsse er beweisen, dass alles noch genauso ist wie früher.

Sondern genau so, wie sein Leben heute aussieht.

Der Rollator wurde dabei fast zu einem Symbol. Nicht für Niederlage, sondern für Veränderung.

Denn der entscheidende Moment kam erst danach.

Wer erwartet hatte, dass Jürgen Drews sich mit seinem Hilfsmittel zurückziehen oder den Abend möglichst schnell hinter sich bringen würde, wurde eines Besseren belehrt. Der Sänger zeigte sich entspannt und nahm seine Situation offenbar mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit an.

Er selbst erklärte, dass er noch ganz normal gehe, ihm lediglich längeres Stehen schwerfalle.

Und dann passierte etwas, das viel mehr über Jürgen Drews verrät als jeder große Bühnenauftritt.

Er stellte den Rollator zur Seite.

Und feierte das Leben.

Genau dieser Moment macht seinen Auftritt so besonders. Denn natürlich hat sich etwas verändert. Der Mann, der einst stundenlang auf Bühnen stehen konnte, muss heute stärker auf seinen Körper achten. Die Krankheit gehört zu seinem Leben, ebenso wie das Alter.

Aber sie ist offenbar nicht bereit, ihm alles zu nehmen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft dieses Auftritts.

Jürgen Drews muss niemandem mehr beweisen, dass er jung, unbesiegbar oder ständig voller Energie ist. Er muss auch nicht so tun, als hätte sich nichts verändert. Seine Stärke liegt inzwischen möglicherweise gerade darin, Veränderungen zuzulassen und trotzdem Freude am Leben zu behalten.

Das Bild des Sängers mit Rollator kann deshalb zunächst traurig wirken. Doch bei genauerem Hinsehen erzählt es eine andere Geschichte.

Es erzählt von einem Menschen, der akzeptiert, dass das Leben neue Regeln vorgibt – und trotzdem seinen Humor, seine Würde und seine Lebensfreude bewahrt.

Und genau hier liegt vielleicht die größte Überraschung dieses Auftritts.

Am Ende war es nicht der Rollator, der von Jürgen Drews in Erinnerung blieb.

Es war sein Lächeln.

Es war seine Haltung.

Und es war die Entscheidung, sich nicht hinter seiner Krankheit zu verstecken.

Der frühere „König von Mallorca“ zeigte damit etwas, das auf keiner Bühne inszeniert werden kann: Mut bedeutet nicht unbedingt, keine Schwäche zu zeigen. Manchmal bedeutet Mut, sie offen zu zeigen und trotzdem weiterzumachen.

Jürgen Drews ist heute vielleicht nicht mehr derselbe Mann wie vor 30 oder 40 Jahren.

Aber vielleicht muss er das auch gar nicht sein.

Denn eines hat sich offenbar nicht verändert: Wenn Jürgen Drews die Gelegenheit bekommt, das Leben zu feiern, dann tut er es.

Und genau deshalb wurde aus einem ungewohnten Bild am Ende ein bemerkenswert würdevoller Moment – einer, der weniger von Krankheit erzählt als von der Entscheidung, sich die Freude am Leben nicht nehmen zu lassen.