Mit der emotionalen Episode „Schmerz“ endet eine Ära im Dortmunder „Tatort“: Stefanie Reinsperger, die als Kommissarin Rosa Herzog über fünf Jahre und elf Fälle hinweg an der Seite von Jörg Hartmann alias Peter Faber ermittelte, hat ihren Abschied aus der beliebten ARD‑Krimireihe definitiv besiegelt. Die 38‑jährige Österreicherin entscheidet sich auf eigenen Wunsch, sich neuen Film‑ und Fernsehprojekten sowie ihrer Bühnenarbeit am Wiener Burgtheater zu widmen. In „Schmerz“, dem letzten Fall mit ihr, setzt die Serie auf ein intensives Geflecht aus emotionalen Belastungen, moralischen Prüfungen und kriminalistischen Verdichtungen – und hinterlässt Zuschauer:innen einen tiefen Eindruck von Verlust und Abschied.
Doch dieser Abschied ist zugleich ein Neustart für Dortmunds „Tatort“. Die Mordkommission rund um Faber steht vor einem radikalen Umbruch. Denn Rosa Herzog wird im kommenden 30. Fall nicht mehr an seiner Seite stehen, und der dramaturgische Bruch ist spürbar: Peter Faber, der seit dem Start der Reihe im Jahr 2012 immer wieder Partner verloren hat – von Nora Dalay über Martina Bönisch bis hin zu Jan Pawlak – steht erneut allein im Ermittlerzentrum. Die Liste der Figuren, die Faber verlassen haben, liest sich wie ein Spiegelbild der Unbeständigkeit in dieser Serie.
Doch ebenso unbeständig wie die personelle Lage ist die Konstellation, die im neuen „Tatort“ entstehen soll. In dem bereits abgedrehten Film „Blutkultur“, der im Herbst produziert wurde, müssen Faber und sein einstiger Erzfeind Daniel Kossik gemeinsam ermitteln – eine Zusammenarbeit wider Willen und mit jeder Menge Zündstoff. Kossik war früher beim LKA, kehrte aber nach mehreren Jahren zurück und steht Faber nun nicht nur als Kollege, sondern als Reibefläche gegenüber. Diese ungewöhnliche Paarung verspricht eine neue Dynamik: Konflikt statt Harmonie, Spannung statt Gewohntem.
Die Chefin der Mordkommission, Ira Klasnić, sorgt außerdem für zusätzliche Unruhe. Sie zwingt Faber und Kossik zu dieser Partnerschaft, die nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich schwierig ist. In „Blutkultur“ gehen die Ermittlungen über zwei Mordfälle – und die Frage, ob die Opfer zusammenhängen – hinaus; das Duo muss lernen, trotz persönlicher Abneigung zusammenzuarbeiten. Diese Konstellation könnte der Startschuss einer ganz neuen Ära im Dortmunder „Tatort“ sein, auch wenn unklar bleibt, ob aus dieser unfreiwilligen Partnerschaft eine langfristige Teamstruktur entsteht.
Die Abwesenheit von Rosa Herzog wirft Fragen auf, wie das Publikum den neuen Kurs der Reihe aufnehmen wird: Wird der emotionale Kern, den sie dem Format über Jahre verliehen hat, ohne sie weiter existieren? Oder steht mit Faber und Kossik ein Duo bevor, das die Serie in eine härtere, rauere Richtung lenkt? Fest steht, dass der Dortmunder „Tatort“ nach dem Weggang von Stefanie Reinsperger nicht mehr derselbe ist – und dass die Zukunft des Teams nicht allein von alten Gewissheiten, sondern von brisanten neuen Partnerschaften und Herausforderungen geprägt werden wird.
