Es sind Schilderungen, die einen Schauer über den Rücken laufen lassen und gleichzeitig eine faszinierende, wenn auch düstere Neugier wecken. Der Mann, der den Leichnam des ermordeten Münchner Modekönigs Rudolph Moshammer für seine letzte Reise vorbereitete, hat nun Details enthüllt, die bisher hinter den verschlossenen Türen der Pathologie blieben. Es geht um den Moment, als der leblose Körper der exzentrischen Ikone auf dem Edelstahltisch lag und die Welt draußen noch unter dem Schock des grausamen Verbrechens bebte. Der Präparator beschreibt den Zustand des Toten mit einer Sachlichkeit, die die Tragik des Geschehens nur noch unterstreicht: Rudolph Moshammer war, trotz der Gewaltanwendung, die zu seinem Ende führte, erstaunlich gut erhalten.
Die Atmosphäre in dem sterilen Raum, in dem die Vorbereitungen für die Beisetzung stattfanden, muss von einer schweren Ehrfurcht geprägt gewesen sein. Moshammer, der zeitlebens größten Wert auf sein Äußeres, seine markante Perücke und sein gepflegtes Auftreten legte, sollte auch im Tod seine Würde behalten. Der Fachmann erinnert sich daran, wie er den Körper des Designers untersuchte und dabei feststellte, dass die Spuren des Kampfes und der Strangulation zwar vorhanden, aber durch geschickte Handgriffe für die Aufbahrung fast unsichtbar gemacht werden konnten. Es war eine Arbeit gegen die Zeit und gegen den natürlichen Verfall, um den Fans und Angehörigen ein Bild des Friedens zu vermitteln, das der Realität der Tatnacht so widersprüchlich gegenüberstand.
Interessanterweise war es vor allem das Gesicht des Modemachers, das den Präparator beeindruckte. Trotz der Qualen der letzten Minuten wirkte Moshammer in der Starre fast so, als würde er nur schlafen. Die Kunst der Einbalsamierung und der kosmetischen Retusche spielte eine entscheidende Rolle, um den charakteristischen Look des Münchner Originals wiederherzustellen. Es galt, den Mann, der die Luxusmeile Maximilianstraße wie kein anderer repräsentierte, ein letztes Mal so erscheinen zu lassen, wie ihn die Menschen kannten und liebten. Dabei musste der Präparator mit höchster Präzision vorgehen, um die durch den gewaltsamen Tod entstandenen Schwellungen und Verfärbungen zu kaschieren, ohne das natürliche Aussehen zu verfälschen.

Diese Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die Tage nach dem Mord im Januar 2005. Während die Polizei fieberhaft nach dem Täter suchte, fand in der Stille der Leichenhalle eine ganz andere Art von Rekonstruktion statt. Es war die Wiederherstellung einer öffentlichen Person für den letzten großen Auftritt in der Allerheiligen-Hofkirche. Der Präparator betont, dass es ihm ein persönliches Anliegen war, Moshammer diese letzte Ehre zu erweisen. Dass der Leichnam in einem so vergleichsweise guten Zustand war, erleichterte diese schwere Aufgabe ungemein. Es ist ein Blick in ein Handwerk, das normalerweise im Verborgenen bleibt, aber hier zeigt, wie viel Respekt und Sorgfalt selbst einem Opfer eines solch schrecklichen Verbrechens entgegengebracht wird. Rudolph Moshammer blieb bis zum Schluss eine Erscheinung, die selbst den Tod auf ihre ganz eigene Weise herausforderte.
