Es gibt Momente auf einer Bühne, die das Schicksal eines Menschen mit einem einzigen Atemzug für immer verändern. Für die österreichische Musikikone Conchita Wurst war der triumphale Sieg beim Eurovision Song Contest im Jahr 2014 so ein magischer Wendepunkt, der sie über Nacht in den weltweiten Parnass der Popkultur katapultierte. Doch hinter dem strahlenden Lächeln, den perfekt geschminkten Augen und dem glamourösen Bart verbarg sich all die Jahre ein tiefes, schmerzhaftes Geheimnis. Jetzt hat die schillernde Kunstfigur in der deutschen Metropole Berlin die Masken komplett fallen lassen. Bei der feierlichen Vorstellung ihrer allerersten Autobiografie brach die Künstlerin ihr Schweigen und gewährt der Welt einen zutiefst emotionalen, ungeschönten Einblick in die seelischen Abgründe ihres Lebens vor und nach dem weltweiten Ruhm. Es ist eine Lebensbeichte voller Tränen, Einsamkeit und dem unbändigen Kampf um das Recht, so zu leben, wie man ist. Vor einem großen Aufgebot an internationalen Medienvertretern und sichtlich bewegten Fans schilderte die Sängerin, wie extrem hoch der Preis für die Erschaffung ihrer Kunstfigur tatsächlich war. Hinter den Kulissen des Showgeschäfts tobte im Inneren von Tom Neuwirth – dem Mann, der Conchita zum Leben erweckte – ein schwerer, dramatischer Kampf gegen die eigenen Dämonen und die harten Vorurteile der Gesellschaft. In dem Buch rechnet die Künstlerin radikal mit ihrer Kindheit in der tiefsten österreichischen Provinz ab, wo sie als homosexueller Teenager täglich Spießrutenlaufen musste und unter der eisigen Ablehnung ihres Umfelds litt. Die Flucht in die schillernde Welt der Travestie war damals kein bloßer Karriereschritt, sondern ein überlebenswichtiger Befreiungsschlag aus einem unerträglichen Gefängnis der Lügen. Doch auch der plötzliche Weltruhm nach dem ESC-Sieg brachte nicht die ersehnte Erlösung. Im Gegenteil:

Der immense Druck der Öffentlichkeit, die ständige Bewertung durch die Medien und die Einsamkeit in den Hotelzimmern dieser Welt stürzten die Musikerin in eine tiefe Identitätskrise. Die Grenzen zwischen dem privaten Menschen Tom und der perfekten Kunstfigur verschwammen immer mehr, bis kaum noch Luft zum Atmen blieb. Mit ihrer Buchpremiere in Berlin will Conchita Wurst nun ein für alle Mal reinen Tisch machen und der Welt zeigen, dass wahre Stärke nur aus der absoluten Ehrlichkeit zu sich selbst erwächst. Sie spricht offen über die schmerzhaften Opfer, die sie auf dem Altar des Erfolgs bringen musste, und über die bitteren Tränen, die flossen, wenn die Scheinwerfer ausgingen. Trotz all der überstandenen Dramen und den dunklen Schatten der Vergangenheit blickt die Künstlerin heute mit einer völlig neuen, inneren Gelassenheit in die Zukunft. Das Buch ist für sie kein Abschied, sondern das stolze Fundament für ein neues, freies Kapitel im Leben, in dem die Lügen keinen Platz mehr haben.