Die gesamte deutsche Medienlandschaft befindet sich in einem Zustand der absoluten Aufruhr, denn eine der größten und unumstrittensten Showmaster-Legenden des Landes hat eine Welle der Empörung losgetreten, die seine gesamte Karriere im hellen Scheinwerferlicht ins Wanken bringen könnte. Thomas Gottschalk, der über Jahrzehnte hinweg als charismatischer und unantastbarer König der Samstagabend-Unterhaltung mit der Kultshow „Wetten, dass..?“ Millionen von Menschen vor den Bildschirmen fesselte, steht plötzlich im absoluten Kreuzfeuer der heftigsten öffentlichen Kritik. Grund für diesen massiven und hochemotionalen Gegenwind ist sein neues, unzensiertes Buch mit dem vielsagenden Titel „Ungefiltert“, in dem der gealterte Entertainer zu einer radikalen Abrechnung mit der modernen Gesellschaft, den veränderten Sprachregeln und den kulturellen Vorlieben der heutigen Jugend ansetzt. Was als literarischer Denkanstoß gedacht war, hat sich in Rekordzeit zu einem handfesten, medialen Skandal ausgeweitet.
Hinter den Kulissen dieses literarischen Befreiungsschlags spielen sich dramatische Szenen ab, denn die Vorwürfe gegen den 74-Jährigen wiegen verdammt schwer. Kritiker werfen dem Moderator vor, sich in eine weinerliche Opferrolle zu flüchten und das klassische Narrativ eines verbitterten, alten weißen Mannes zu bedienen, dessen goldene Ära im Fernsehen endgültig abgelaufen sei. Besonders viel Staub wirbelte Gottschalk jedoch mit seinen Aussagen über seinen früheren Umgang mit weiblichen Gästen auf der berühmten Couch auf. Sätze, in denen er betonte, die Damen im Fernsehen lediglich „rein dienstlich angefasst“ zu haben oder dass er heute mit Frauen nicht einmal mehr alleine im Aufzug fahre, um seine Karriere vor Anschuldigungen zu schützen, sorgten im Netz für blankes Entsetzen und lautstarke Proteste. Für viele Beobachter zeigt diese Haltung eine absolute Ignoranz gegenüber gesellschaftlichen Fortschritten und den sensiblen Grenzen des modernen Miteinanders.
Doch wer glaubt, dass sich Thomas Gottschalk von diesem gewaltigen medialen Shitstorm einschüchtern oder gar in die Knie zwingen lässt, der hat sich gewaltig geirrt. Der erfahrene Showstar, der in seiner langen Karriere schon jeden erdenklichen Gegenwind erlebt hat, schlägt mit einer fast schon provokanten Gelassenheit und eisernem Stolz zurück. Er betont vehement, dass seine Einstellungen aus seiner tiefsten, inneren Überzeugung kommen und er in seinem Alter absolut niemandem mehr nach dem Mund reden müsse. Er wehre sich entschieden dagegen, von Kritikern eiskalt in eine rechte Ecke gestellt zu werden, nur weil er sich gegen den aktuellen Genderwahn und starre Sprachregelungen positioniere. Im Gegenteil, er sei sogar ein bisschen stolz darauf, mit Mitte siebzig überhaupt noch so intensiv gehört und in der Öffentlichkeit heftig diskutiert zu werden, während er privat an der Seite seiner Ehefrau Karina sein spätes Liebesglück genießt.
Die Diskussionen um seine Person spalten die Nation derweil in zwei unversöhnliche Lager. Während seine treuen Fans der alten Schule ihn als mutigen Verfechter der freien Meinungsäußerung feiern, der endlich laut ausspricht, was viele insgeheim denken, fordert die jüngere Generation im Netz vehement Konsequenzen und eine Abkehr von veralteten Rollenbildern. Es ist ein hochemotionaler Kampf der Generationen, der an der Person Thomas Gottschalk so unbarmherzig wie nie zuvor ausgetragen wird. Fest steht jedenfalls, dass der einstige Publikumsliebling mit diesem Buch ein explosives Denkmal seiner eigenen Sichtweise gesetzt hat, das die Gemüter der Menschen im Land wohl noch über einen extrem langen Zeitraum hinweg zutiefst beschäftigen und polarisieren wird.