516 Körpermodifikationen und ein Gesicht, das niemand vergisst: Die ungewöhnliche Geschichte von Rolf Buchholz

Wenn Rolf Buchholz einen Raum betritt, dauert es meist nicht lange, bis sich die Blicke auf ihn richten. Sein Aussehen unterscheidet sich so stark von dem, was die meisten Menschen gewohnt sind, dass viele zunächst gar nicht wissen, wohin sie schauen sollen. Schwarze Augen, zahlreiche Piercings, Tätowierungen am gesamten Körper und zwei auffällige hornförmige Implantate auf der Stirn machen ihn zu einem Menschen, den man kaum übersehen kann.

Doch hinter dieser außergewöhnlichen Erscheinung steckt eine Geschichte, die wesentlich komplexer ist als ein einfacher Wunsch, aufzufallen.

Rolf Buchholz aus Deutschland hält einen Guinness-World-Records-Rekord für die meisten Körpermodifikationen bei einem Mann. Bei der offiziellen Überprüfung im Jahr 2012 wurden insgesamt 516 Modifikationen gezählt. Dazu gehörten damals 481 Piercings sowie zahlreiche Implantate. Die Zahl seiner Veränderungen hat sich im Laufe der Jahre sogar noch weiter entwickelt.

Schon diese Zahl ist schwer vorstellbar.

Doch noch überraschender wird die Geschichte, wenn man erfährt, wann alles begann.

Rolf Buchholz war nicht schon als Jugendlicher für seinen außergewöhnlichen Körper bekannt. Seine ersten Tätowierungen und Piercings ließ er sich erst Ende der 1990er-Jahre stechen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits etwa 40 Jahre alt.

Er hatte also ein ganz normales Erwachsenenleben hinter sich, bevor seine äußere Veränderung überhaupt begann.

Buchholz studierte Informatik und arbeitete für ein Telekommunikationsunternehmen. Nichts deutete zunächst darauf hin, dass er eines Tages international als einer der am stärksten körpermodifizierten Menschen der Welt bekannt werden würde.

Dann begann er, sich tätowieren und piercen zu lassen.

Zunächst war es für ihn einfach etwas, das ihm gefiel. Er empfand die Veränderungen als interessant und machte immer weiter. Mit der Zeit wurden aus wenigen Piercings immer mehr, aus einzelnen Tätowierungen eine fast vollständige Körpergestaltung.

Etwa 90 Prozent seiner Haut sind nach Angaben von Guinness tätowiert. Für den Rekord der Körpermodifikationen werden Tätowierungen allerdings nicht mitgezählt.

Was also tatsächlich zum Rekord beiträgt, sind vor allem die zahlreichen Piercings und Implantate.

Besonders auffällig sind zwei Implantate auf seiner Stirn. Sie haben die Form von Hörnern und gehören zu den bekanntesten Merkmalen seines Aussehens.

Doch damit ist die Liste noch lange nicht vollständig.

Buchholz verfügt über insgesamt 35 Implantate aus medizinischem Silikon. Darunter befinden sich mehrere Implantate an Armen und Händen. Hinzu kommen magnetische Implantate an den Fingerspitzen seiner rechten Hand.

Diese Magnete sorgen nicht nur für erstaunte Blicke, sondern können im Alltag tatsächlich für kuriose Situationen sorgen.

Mit den Fingerspitzen kann Buchholz kleine Metallgegenstände anziehen. Gleichzeitig können die Magnete aber auch elektronische Geräte beeinflussen. Er berichtete beispielsweise, dass sein iPad manchmal reagiert, wenn er mit der falschen Stelle seiner Finger auf das Gerät kommt.

Was für andere Menschen außergewöhnlich klingt, gehört für ihn längst zum Alltag.

Noch ungewöhnlicher sind seine Augen.

Buchholz ließ die weiße Oberfläche seiner Augen pigmentieren, sodass sie schwarz erscheint. Bei dieser Technik wird Farbe in die Lederhaut beziehungsweise die oberflächliche Schicht der Sklera eingebracht. Die Veränderung ist dauerhaft und nicht einfach rückgängig zu machen.

Gerade seine schwarzen Augen gehören zu den Merkmalen, die bei Begegnungen mit ihm besonders auffallen.

Doch auch hier erklärt sich seine Motivation nicht mit einem einfachen Wunsch, andere Menschen zu erschrecken.

Er erzählt, dass er irgendwann Menschen mit tätowierten Augen gesehen habe und selbst ebenfalls diese Veränderung wollte. Wenn er etwas haben möchte, dann macht er es – so einfach beschreibt er seine Einstellung.

Und genau diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Geschichte.

Eine weitere Besonderheit ist seine gespaltene Zunge. Auch diese Veränderung wurde bei seinen Körpermodifikationen berücksichtigt.

Hinzu kommen zahlreiche Piercings an Ohren, Augenbrauen und Mund sowie weitere Veränderungen an verschiedenen Körperstellen.

Doch ausgerechnet eine vergleichsweise gewöhnliche Tätowierung bereitete ihm die größten Schmerzen.

Buchholz bezeichnete die Tätowierung auf seiner Handfläche als seine schmerzhafteste Modifikation. Trotz der vielen Eingriffe betonte er, dass er keine besonders hohe Schmerzgrenze habe.

Das wirkt zunächst widersprüchlich.

Wie kann jemand mit Hunderten von Piercings und zahlreichen Implantaten ausgerechnet eine Tätowierung als besonders schmerzhaft empfinden?

Vielleicht zeigt gerade diese Aussage, dass hinter seinem ungewöhnlichen Äußeren kein Mensch steckt, der Schmerzen einfach ignoriert. Er entscheidet vielmehr selbst, welche Veränderungen er möchte – und nimmt die damit verbundenen Erfahrungen bewusst in Kauf.

Zu seinen außergewöhnlichen Interessen gehört außerdem Body Suspension.

Dabei wird der Körper mithilfe von Haken, die vorübergehend durch die Haut geführt werden, aufgehängt. Guinness weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Praxis wegen möglicher Verletzungen sehr heikel ist und nur von professionellen Teams durchgeführt werden sollte.

Buchholz sagt, dass er während einer solchen Suspension keinen Schmerz empfindet.

Seine Geschichte könnte an diesem Punkt leicht wie eine reine Sammlung spektakulärer Zahlen und ungewöhnlicher Bilder wirken.

516 Körpermodifikationen.

Über 500 Piercings an Ohren, Lippen und Penis: Unglaublich wie dieser Mann  jetzt aussieht

481 Piercings.

35 Implantate.

Schwarze Augen.

Hörner auf der Stirn.

Magnete in den Fingern.

Doch dann kommt die Aussage, die seine gesamte Geschichte in ein anderes Licht rückt.

Denn Rolf Buchholz erklärt, dass er all diese Veränderungen gar nicht vorgenommen habe, um einen Weltrekord zu erreichen.

Der Rekord kam erst später.

Er hatte bereits begonnen, seinen Körper zu verändern, weil ihm diese Art der Selbstdarstellung gefiel. Erst als er andere Rekordhalter kennenlernte und feststellte, dass er mehr Piercings hatte als sie, erkannte er überhaupt die Möglichkeit, einen Guinness-Rekord aufzustellen.

Der Rekord war also nicht das Ziel.

Er war das Ergebnis.

Buchholz beschreibt seinen Körper vielmehr als eine Art persönliche Kunstform. Jede Veränderung erzählt etwas über seinen Geschmack, seine Entscheidungen und seine Vorstellung davon, wie er aussehen möchte.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er sich von den Reaktionen anderer Menschen nicht davon abbringen lässt.

Natürlich wird er angestarrt. Natürlich gibt es Menschen, die sein Aussehen ungewöhnlich oder sogar verstörend finden. Guinness berichtet auch davon, dass manche Menschen ihn aufgrund seines Erscheinungsbildes mit dem Teufel in Verbindung bringen.

Buchholz selbst sieht das anders.

Für ihn geht es nicht darum, andere zu schockieren.

Es geht um seine eigene Entscheidung.

Sein Äußeres hat sich radikal verändert. Seine Persönlichkeit dagegen, sagt er selbst, sei dieselbe geblieben.

Und damit wird am Ende auch verständlich, warum seine Geschichte so ungewöhnlich ist.

Hinter dem Mann mit den schwarzen Augen, den Hörnern und den Hunderten von Piercings steckt kein Mensch, der sich nach eigenen Angaben für den Rekord verändert hat.

Der Rekord kam erst, nachdem er längst begonnen hatte.

Rolf Buchholz wollte seinen Körper nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten. Er wollte ausprobieren, was möglich ist, und das Ergebnis wurde schließlich zu einem Guinness-Weltrekord.

Vielleicht ist deshalb nicht die Zahl 516 das Bemerkenswerteste an seiner Geschichte.

Das eigentlich Entscheidende ist, dass er seinen außergewöhnlichen Körper nicht als Verkleidung betrachtet.

Für ihn ist er Ausdruck seiner selbst.

Und genau deshalb lautet seine einfache Erklärung für all die Jahre der Veränderungen: Er hat es für sich selbst getan.