Jürgen Drews erstmals mit Rollator in der Öffentlichkeit – was wirklich hinter dem ungewohnten Auftritt steckt

Jürgen Drews gehörte über Jahrzehnte zu den Künstlern, die auf der Bühne kaum stillstanden. Tanzen, Singen, Lachen und ein scheinbar unerschöpfliches Tempo gehörten zu seinem Markenzeichen. Für Millionen Fans war der „König von Mallorca“ deshalb vor allem eines: ein Mann voller Energie, der selbst im hohen Alter nicht daran dachte, kürzerzutreten.

Umso mehr Aufmerksamkeit erregten die Bilder, die im Juli 2026 aus München auftauchten. Jürgen Drews, inzwischen 81 Jahre alt, zeigte sich erstmals öffentlich mit einem Rollator.

Der ungewöhnliche Anblick entstand am 12. Juli bei einem Empfang im Rahmen von „Klassik am Odeonsplatz“. Drews war nicht allein gekommen. An seiner Seite waren seine Ehefrau Ramona, Tochter Joelina und deren Partner Adrian Louis. Die Familie begleitete ihn zu der Veranstaltung – und der Rollator war auf den Fotos deutlich zu erkennen.

Für viele Fans war es zunächst ein bewegender Moment. Schließlich hatten sie den Sänger über Jahrzehnte völlig anders erlebt. Doch Drews selbst wollte seinem neuen Begleiter offenbar nicht mehr Bedeutung geben, als notwendig.

Auf die Gehhilfe angesprochen, reagierte er erstaunlich gelassen. Er erklärte, dass er weiterhin ganz normal gehe. Den Rollator habe er an diesem Abend vor allem deshalb mitgenommen, weil er nicht gewusst habe, ob er längere Zeit stehen müsse.

Später stellte er die Gehhilfe tatsächlich zur Seite und verfolgte die Begrüßungsrede im Stehen.

Damit wurde schnell deutlich: Das Bild mit dem Rollator erzählt nicht die ganze Geschichte.

Denn hinter der Veränderung steckt eine Erkrankung, über die Jürgen Drews bereits seit mehreren Jahren offen spricht. Der Sänger lebt mit Polyneuropathie, einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Sie kann unter anderem die Beweglichkeit und das sichere Gehen beeinträchtigen.

Drews hatte bereits früher beschrieben, dass ihm längeres Stehen und gerades Gehen zunehmend schwerfallen. Schmerzen bereite ihm die Erkrankung nach seinen eigenen Angaben allerdings nicht.

Auch diesmal wollte er seinen Zustand nicht dramatischer darstellen, als er ihn selbst empfindet.

„Ich bin den Umständen entsprechend eigentlich noch fit“, sagte er. Gleichzeitig räumte er ein, dass er natürlich nicht mehr so herumtobe wie früher.

In wenigen Worten steckt darin eine große Veränderung seines Lebens.

Denn der Mann, der einst auf Mallorca und auf deutschen Bühnen für ausgelassene Stimmung sorgte, muss heute viel stärker darauf achten, wie er seine Kräfte einteilt. Was früher selbstverständlich war, kann inzwischen anstrengend werden. Lange stehen, gerade gehen oder große Auftritte gehören nicht mehr zu seinem Alltag.

Bereits 2022 hatte Jürgen Drews deshalb seine aktive Bühnenkarriere beendet. Der Rückzug kam für viele Fans emotional überraschend, war für den Sänger selbst aber eine bewusste Entscheidung. Die gesundheitlichen Belastungen spielten dabei eine wichtige Rolle.

Ganz aus der Öffentlichkeit verschwunden ist er trotzdem nicht.

Drews besucht weiterhin ausgewählte Veranstaltungen und zeigt sich gelegentlich gemeinsam mit seiner Familie. Genau das wurde auch in München sichtbar. Der Sänger kam nicht allein, sondern mit den Menschen, die ihn in dieser Lebensphase begleiten.

Besonders seine Tochter Joelina hat in den vergangenen Monaten mehrfach über ihren Vater gesprochen.

Nach dem Auftritt mit dem Rollator erklärte sie später, dass es ihrem Vater den Umständen entsprechend gut gehe. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass sich sein Alltag durch die Erkrankung verändert habe. Für die Familie sei es wichtig, für ihn da zu sein.

Damit wurde auch eine andere Seite des ungewöhnlichen Auftritts sichtbar.

Jürgen Drews versteckt seine gesundheitlichen Schwierigkeiten nicht. Gleichzeitig möchte er offenbar auch nicht, dass eine Gehhilfe automatisch zum Symbol für einen völligen Verlust seiner Selbstständigkeit wird.

Der Rollator gibt ihm Sicherheit. Genau das bestätigte auch sein Management. Durch die Polyneuropathie habe sich sein Gangbild in den vergangenen Monaten verändert beziehungsweise verschlechtert. Die Familie sei deshalb froh, dass Drews die Gehhilfe akzeptiere und sie annehme.

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Für einen Menschen, der sein ganzes Leben mit Bewegung verbunden hat, ist das vermutlich ein wichtiger Schritt.

Denn Hilfe anzunehmen bedeutet nicht zwangsläufig, aufzugeben. Manchmal bedeutet es vielmehr, weiterhin Dinge tun zu können, die einem wichtig sind.

Und Jürgen Drews scheint genau diesen Weg zu gehen.

Er kann heute nicht mehr so auftreten wie früher. Aber er kann weiterhin mit seiner Familie zu Veranstaltungen gehen. Er kann Menschen treffen, Musik erleben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Der Unterschied besteht darin, dass er seinen Körper nicht mehr zu Leistungen zwingt, die für ihn früher selbstverständlich waren.

Auch über das Älterwerden hat Drews in der Vergangenheit ungewöhnlich offen gesprochen. Er machte kein Geheimnis daraus, dass es für ihn nicht leicht sei, körperliche Grenzen zu akzeptieren. Gleichzeitig betonte er immer wieder seine Dankbarkeit dafür, dieses Alter überhaupt erreicht zu haben.

So bekommt auch der Auftritt in München eine andere Bedeutung.

Auf den ersten Blick sieht man einen berühmten Sänger mit einer Gehhilfe. Auf den zweiten Blick sieht man einen 81-jährigen Mann, der gelernt hat, seine Kräfte anders einzusetzen.

Und genau hier liegt die vielleicht wichtigste Nachricht dieses Auftritts.

Jürgen Drews wollte sich offenbar nicht verstecken. Er erschien mit seiner Gehhilfe vor Publikum, ließ sich fotografieren und sprach offen darüber. Der Rollator wurde damit nicht zu etwas, das er verheimlichen musste.

Gleichzeitig zeigte der Abend, dass seine Situation differenzierter ist, als ein einzelnes Foto vermuten lässt. Er stellte die Gehhilfe später zur Seite und stand während der Begrüßung aufrecht.

Es geht also nicht um ein einfaches Bild von „früher“ und „heute“.

Es geht um einen Künstler, der nach mehr als sechs Jahrzehnten im Rampenlicht einen neuen Umgang mit seinem Leben gefunden hat.

Jürgen Drews ist nicht mehr der Mann, der stundenlang auf einer Bühne stehen und das Publikum zum Tanzen bringen kann. Diese Zeit gehört zu seiner Vergangenheit. Doch sein öffentliches Leben ist deshalb nicht vollständig vorbei.

Der vielleicht auffälligste Unterschied ist, dass er heute vorsichtiger mit sich selbst umgeht.

Und noch etwas wurde nach dem Auftritt deutlich: Für Drews und seine Familie ist der Rollator längst kein Grund mehr, sich zurückzuziehen. Er ist vielmehr ein Hilfsmittel, das ihm Sicherheit geben kann.

Vielleicht war deshalb gerade dieser erste öffentliche Auftritt so bemerkenswert. Nicht weil Jürgen Drews plötzlich ein völlig anderer Mensch geworden wäre, sondern weil er gezeigt hat, dass auch ein Star, der jahrzehntelang für grenzenlose Energie stand, seine eigenen Grenzen akzeptieren kann.

Und trotzdem weiter nach draußen geht.

Mit seiner Familie an der Seite, mit einem Rollator als Unterstützung – und mit derselben Gelassenheit, mit der er schon auf der Bühne viele Veränderungen seines Lebens begleitet hat.