Claudia Schiffer feiert ihren 50. Geburtstag – und was für ein Meilenstein das ist! Die Frau, die seit Jahrzehnten als das berühmteste deutsche Model der Welt gilt, blickt in einem großen Interview offen auf ihr Leben zurück. Mit 17 Jahren wurde sie in einer Disco entdeckt, hielt das Ganze zuerst für einen Scherz und wollte sogar ihren besten Freund vorschlagen. Doch Wochen später stand sie schon in Paris, und der Rest ist pure Modegeschichte. Heute, drei Jahrzehnte später, wird sie immer noch überall erkannt – und das macht sie unglaublich stolz und dankbar. Sie hofft sogar, dass sie junge deutsche Mädchen inspiriert hat, ihre Träume global zu verfolgen.
Wenn sie zurückdenkt, wird ihr bewusst, wie entscheidend dieser eine Abend 1987 war. Vorher war sie nie in dieser Disco gewesen, und plötzlich änderte sich alles. Die 90er-Jahre beschreibt sie als verrückte Zeit, fast wie bei Rockstars. Man konnte kaum zum Auto gelangen, ohne dass Security den Weg freimachen musste. Fans schnitten Löcher in die Zelte der Fashion Weeks, um heimlich Fotos zu machen. Bei jeder Show gab es Bodyguards, die sogar ihre Unterwäsche bewachten – weil die ständig verschwand, sobald sie den Laufsteg verließ! Es war intensiv, aufregend und eine Ära des Wandels, in der Musik, Mode und Kunst verschmolzen. Vor der Digitalisierung stand Mode noch wochenlang auf den Titelseiten. Sie lief zu Prince-Songs über den Catwalk, während Hunderte Fotografen sie umringten – und dann saß er plötzlich in der ersten Reihe.
Die Supermodels von damals – sie, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Linda Evangelista – hatten eine besondere Verbindung. Sie passten aufeinander auf, hoben ihre Stimmen, wenn nötig, und trotz Konkurrenz herrschte echte Kameradschaft. Heute leben sie über die ganze Welt verstreut, doch bei jedem Treffen fühlt es sich an wie ein Klassentreffen: Keine Zeit ist vergangen, die Gespräche fließen sofort wieder. Besonders berührend war der gemeinsame Auftritt bei Versace im Frühjahr/Sommer 2018 mit Carla Bruni, Naomi, Cindy und Helena Christensen – ein absolutes Highlight.
Zu ihrem 50. Geburtstag plant Claudia eine entspannte Feier auf einem Boot mit atemberaubender Aussicht, leckerem Essen, gutem Wein und Musik – zusammen mit Familie und Freunden. Ursprünglich hatte sie sich eine große Party mit allen vorgestellt, inklusive ihres Mannes und der Kinder, die damals fast 18 und 16 werden sollten. Doch die Welt stand Kopf, also wurde es intim. Umso glücklicher ist sie über die vielen limitierten Kollektionen, die Marken zu Ehren ihres Jubiläums herausgebracht haben. Balmain steuert ein atemberaubendes handgefertigtes Electric-Blue-Seidenkleid mit Kristallen bei – aus ihrer Kampagne 2016 mit Olivier Rousteing. Dolce & Gabbana haben eine kuratierte Auswahl aus der Devotion-Linie, inklusive einer persönlich signierten und personalisierten Handtasche von Domenico und Stefano.
Isabel Marant kreierte eine perfekte Capsule mit Archivstücken, Versace ihr persönliches Edit aus der Herbst/Winter-Kollektion 2020/21. Frame Denim bringt zwei Lieblingsjeans mit Wolkendesign zurück – inspiriert von ihrem Spitznamen „Cloudy“ und ihrer Liebe zur Natur. Bamford packt fünf ihrer Must-have-Schönheitsprodukte in ein exklusives „Claudia“-Täschchen. Sogar eine hölzerne Kokeshi-Figur von Lucie Kaas gibt es, die sie in die Reihe von Ikonen wie Karl Lagerfeld und Anna Wintour stellt. Und eine aufregende Barbie-Partnerschaft steht kurz bevor! Viele Erlöse gehen an Wohltätigkeitsorganisationen wie UNICEF, Heads Together und Humanitas Ricerca.
Trotz all dem Glamour gibt Claudia zu, Fehler gemacht zu haben – etwa eine Hermès-Tasche nach sich benennen zu lassen abgelehnt oder den Waschzettel am legendären durchsichtigen Versace-Kleid beim Filmfestival in Venedig vergessen zu haben. Doch sie bereut nichts: Jede Entscheidung, gut oder schlecht, hat sie genau dorthin gebracht, wo sie heute steht. Am meisten erkennt sie sich selbst in dem schüchternen deutschen Mädchen wieder, das Helmut Newton fotografiert hat.

Modeln liebt sie bis heute. Die Branche ist gewachsen, schneller geworden, Social Media hat alles verändert – toll für Marketing, aber sie vermisst die Mystik der 90er, als man noch ein echtes Privatleben hatte. Fliegen macht sie seit den Kindern nervös, obwohl sie früher unzählige Turbulenzen, brennende Motoren oder offene Türen in der Luft überstanden hat. Der außergewöhnlichste Shoot? Schwer zu sagen – sie hat mit Legenden wie Avedon, Demarchelier, Lindbergh, Meisel, Ritts, Testino und Ellen von Unwerth gearbeitet. Besonders magisch war der Beginn mit Ellen in Paris: Zwei Newcomerinnen alberten vor dem Centre Pompidou herum, in ihren eigenen Klamotten. Paul Marciano sah die Bilder, buchte sie für Guess – und daraus wurde eine riesige Karriere mit Reisen von Nashville bis Mykonos.
Ein Schwarz-Weiß-Foto wurde so ikonisch, dass Revlon sofort die erste Parfümkampagne für Guess wollte. Sie flog kreuz und quer durch die USA für Autogrammstunden, trat bei Jay Leno und David Letterman auf. Einmal stieg sie verschlafen in einen Aufzug in New York – und jemand fragte: „Sind Sie das Guess-Girl?“ Neben dem Rampenlicht liebt sie Kunst, Design und Interieurs. Sie sammelt Glas, Keramik, Porzellan, zeitgenössische Kunst und Mid-Century-Möbel. Ihr Zuhause mischt skandinavischen Stil mit Bauhaus – sie stöbert leidenschaftlich bei 1stdibs, Pamono oder The Modern Warehouse. Mit 50 fühlt sie sich glücklicher und selbstbewusster denn je. Die ersten 50 Jahre waren wunderbar – auf die nächsten freut sie sich riesig. Alter sollte gefeiert werden, findet sie, mit Kuchen und Partys jedes Jahr aufs Neue.